Mit einer Investition in Oregon hat die MEAG ihre Forstinvestments jüngst ausgebaut. Wendelin von Gravenreuth, der die globalen Waldinvestments des Unternehmens aus München heraus steuert, sprach mit Antje Schiffler über die Vor- und Nachteile dieser Asset-Klasse.

Für einen konzerninternen Investor in den USA hat die MEAG 16.000 Hektar Forst im Südwesten des US-Bundesstaates Oregon gekauft. Kostenpunkt: ein niedriger dreistelliger Millionenbetrag. Auf der Fläche wächst vor allem die in der Region beheimatete Douglasie. Diese Baumart ist auf Feuer eingestellt, erläutert von Gravenreuth mit Blick auf die jüngsten Waldbrände in der Region. Kleinere Feuer rauschen unter altem Baumbestand hindurch. Somit lassen sich auch nach einem Brand rund 90 Prozent des Wertes erhalten.

Historisch betrachtet konnten institutionelle Investoren bei US-Forstinvestments Renditen zwischen 5 und 7 Prozent pro Jahr erwarten, wobei diese nicht nur zeitlich, sondern auch regional schwankt. Wichtigste Region für US-Forstinvestments ist aber nicht etwa der Nordwesten, sondern der Süden des Landes von Texas bis an die Küste von North Carolina im Osten. Damit sind es nicht Brände, sondern Hurrikans mit verheerenden Winden, die das größte natürliche Risiko für das Forstinvestment darstellen, erläutert von Gravenreuth.

Größter Abnehmer des Rohstoffes Holz ist bei weitem die Bauindustrie, mit Anteilen um die 60 Prozent am Weltmarkt. Das Sägeholz findet Anwendung zum Beispiel  in Dachstühlen oder auch in der Verschalung von Stahlbeton. Die dünneren Hölzer, die etwa in der Baumkrone wachsen, werden vorwiegend als Zellstoff in der Papierindustrie eingesetzt. Geringe Anteile des nachwachsenden Rohstoffes gehen zudem in Biotreibstoffe oder werden als Hackschnitzel beziehungsweise Pellets verfeuert.

Der perfekt lagerbare Rohstoff

Dabei hat die Asset-Klasse einen Vorteil im Vergleich zu anderen Rohstoffen: Lagerkosten fallen weg. Ganz im Gegenteil. Sind die Holzpreise niedrig und die Abholzung daher nicht lohnend, lässt man den Baumbestand einfach stehen – und kann mit einem Bestandswachstum je nach Region und Baumart im einstelligen Prozentbereich pro Jahr rechnen. Teure Lagerkosten wie bei anderen Commodities? Fehlanzeige.

„Das schöne am Wald ist, dass ich mein Holz einschlagen kann, wann ich will”, bringt es der studierte Forstwirt auf den Punkt. “Storing on the Stump” heißt dies im US-Fachjargon. Ein Zwang, zu einem bestimmten Zeitpunkt zu verkaufen, gibt es im Gegensatz zu saisonalen und verderblichen Commodities wie etwa Agrarrohstoffen nicht. „Wald als Asset-Klasse ist ein natürlicher Hedge”, so von Gravenreuth. Dies erklärt auch, warum nie ein Futuresmarkt für Timber entstanden ist. Preise für die Zukunft abzusichern ist für den Waldbesitzer keine Notwendigkeit.

Auch bei Holz gilt: Diversifizieren

Wie bei jedem Investment gilt es auch für Wald, nicht alle Eier in einen Korb zu legen. So hat MEAG Waldbestände in sechs Kontinenten akquiriert. Unterschiedliche Regionen und eine Variation der Baumsorten soll sicherstellen, dass Schäden durch Borkenkäfer, Hurrikans oder Feuer sich in Grenzen halten. Selbst Bestände in einer Region sind zumeist in einzelne Flurstücke unterteilt, so dass in der Regel nicht das ganze Investment im Falle einer Naturkatastrophe gefährdet ist. Im Schnitt der vergangenen Jahre konnte MEAG die Schäden im Gesamtportfolio im Promillebereich halten, wie von Gravenreuth ausführt.

Weiterer Pluspunkt der Waldinvestments ist, dass sie die Anforderungen der Nachhaltigkeit erfüllen. So ist Holz eine erneuerbare Ressource, die zudem noch die Eigenschaft hat, CO2 binden und speichern zu können. Wird ein Waldstück als Kohlstoffsenke deklariert, können sich Investoren Zertifikate ausstellen lassen. Diese werden in den regulierten Märkten Neuseelands oder Kaliforniens, oder aber in freiwilligen Märkten weltweit vergütet. Aus Renditegesichtspunkten muss aber gut gerechnet werden. Denn ist ein Wald als Kohlenstoffsenke deklariert, ist die Abholzung auf lange Sicht nicht möglich.

Forstinvestments zahlen auf Nachhaltigkeit ein

„Einer der vielen Vorteile von Wäldern ist, dass Holz eine erneuerbare Ressource ist, die die Anforderungen der Nachhaltigkeit ideal erfüllt und dazu beiträgt, den Klimawandel durch die Bindung und Speicherung von CO2 einzudämmen. Dem Wald darf nur so viel Holz entnommen werden, wie durch systematische Aufforstung wieder nachwachsen kann”, sagt Holger Kerzel, Geschäftsführer von MEAG.

Das Prinzip der Nachhaltigkeit wurde über Jahrhunderte entwickelt und auch um soziale Aspekte erweitert. Hierauf zahlen etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen im ländlichen Raum oder verbesserte Sicherheitsstandards bei der Abholzung ein.

Die USA sind der Vorreiter bei der Institutionalisierung von Forstinvestments. In den 1980er Jahren begannen US-Papierunternehmen damit, Waldflächen an institutionelle Investoren zu verkaufen, und seither hat sich Wald zunehmend zu einer etablierten Asset-Klasse entwickelt. Viele Pensionsfonds in den USA sind bereits seit längerem in Forst investiert.

MEAG baut angesichts niedriger Zinsen den Bereich alternative Anlagen aus. Mit dem Ausbau des globalen Waldportfolios begannen die Münchner vor mehr als zehn Jahren. Das Unternehmen verwaltet das Vermögen von Munich Re und ERGO sowie anderen institutionellen Anlegern und Privatkunden. Das verwaltete Vermögen beläuft sich zurzeit auf rund 330 Milliarden Euro.

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