Der Goldpreis erreichte im Oktober ein Monatshoch von 1.729 US-Dollar. Eine Erholung für den Goldpreis scheint in Sicht zu sein.

Während die Zinsen tendenziell stiegen und die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen zum ersten Mal seit 2008 über bei 4 Prozent lag, konnte der Dollar im Oktober keine neuen Höchststände erreichen. An den Märkten begann man sich zu fragen, ob die Zinssätze ihren Höhepunkt erreicht haben, sodass sich der Goldpreis über der Marke von 1.600 US-Dollar pro Unze stabilisieren konnte. Der Goldpreis erreichte am 4. Oktober ein Monatshoch von 1.729 US-Dollar als die Finanzlage der Credit Suisse beunruhigend war und die Auswirkungen der LDI-Krise (Liability Driven Investment) auf die britischen Immobilienfonds anhielten. Der Goldpreis gab daraufhin nach und beendete den Monat mit einem Verlust von 27,05 US-Dollar (1,63 Prozent) bei 1.633,56 US-Dollar. Diese und die folgenden Informationen stammen aus einem Kommentar von Joe Foster, Portfoliomanager und Goldstratege bei VanEck.

Historisch gesehen steigt die physische Nachfrage nach Gold in Asien und im Nahen Osten, wenn der Goldpreis schwach ist. Der derzeitige niedrige Goldpreis sei keine Ausnahme, denn die Käufer in China, Indien und den Vereinigten Arabischen Emiraten wittern ein Schnäppchen. Laut Bloomberg wird Gold in Dubai, Istanbul und Schanghai mit einem Aufschlag auf die Spotpreise in London gehandelt. Seit April wurden über 527 Tonnen aus New Yorker und Londoner Tresoren abgezogen, während die chinesischen Importe im August ein Vierjahreshoch erreichten. Auch die Nachfrage der Zentralbanken ist groß: Nach Angaben des World Gold Council kauften die Banken im dritten Quartal 399 Tonnen und damit so viel wie noch nie in einem Quartal zuvor. Diese physische Nachfrage könnte es Gold ermöglichen, eine Untergrenze um die aktuellen Niveaus zu finden.

Weniger Diesel für umweltfreundlicheren Bergbau

Bergbaugesellschaften setzen Zeichen für „Grün“ Goldaktien erzielten im Oktober leichte Gewinne, wobei der NYSE Gold Miners Index (GDMNTR)1 um 0,9 Prozent und der MVIS Global Junior Gold Index (MVGDXJTR)2 um 0,8 Prozent zulegten. Es gab einige interessante Neuigkeiten über die Bemühungen der Bergbaugesellschaften, die Treibhausgasemissionen zu senken. In den meisten Bergwerken werden Dieselfahrzeuge zum Laden und Transportieren von Gestein eingesetzt. In Untertage- Goldminen werden Lastwagen eingesetzt, die bis zu 65 Tonnen transportieren, während im Tagebau bis zu 300 Tonnen transportiert werden können. Dies ist häufig die größte Quelle von Treibhausgasemissionen in einem Unternehmen, sodass die Entwicklung von nicht dieselgetriebenen Geräten der Schlüssel zu einer umweltfreundlichen Bergbauindustrie ist.

Australian Mining schreibt, dass der Bergbauhersteller Sandvik im Dezember in der Goldmine Sunrise Dam in Westaustralien mit der Erprobung des größten batteriebetriebenen Elektrolastwagens für den Untertagebau beginnen wird und hofft, ihn 2023 auf den Markt bringen zu können. Unzureichende Ladezeiten und Batterielebensdauer waren die Haupthindernisse für die Einführung von Elektro-Transportfahrzeugen für den Untertagebau. Hoffentlich wird dieser Lkw den Bedürfnissen der Bergleute gerecht.

Bloomberg berichtet, dass die Mitglieder des International Council on Mining and Metals (ICMM) planen, bis zum Jahresende an 50 Standorten Wasserstoff und andere emissionsfreie Technologien zu testen. Der CEO von ICMM rechnet mit der Massenverfügbarkeit von Wasserstoff- und Elektro-LKWs im Jahr 2027, gegenüber einer früheren Prognose von 2040.

Makroökonomische Risiken nehmen zu

Die geopolitischen Risiken eskalieren weiter. In ihrem Index der militärischen Stärke der USA 2023 stufte die Heritage Foundation das US-Militär von „marginal“ auf „schwach“ herab. Als Gründe nannte sie den schrumpfenden Schiffbau, Wartungsverzögerungen und -rückstände, alternde Flugzeuge, Pilotenmangel, sehr schlechte Pilotenausbildung, geringe Munitionsbestände und einen Mangel an Rekruten. Die USA geben etwa 3 Prozent des BIP für die Verteidigung aus, verglichen mit 5 Prozent bis 6 Prozent in den 1980er Jahren. Unterdessen bekräftigte China auf seinem Parteitag der Kommunistischen Partei seine Absicht, eine militärische Großmacht zu werden und die Region Taiwan zu vereinigen.

Mehrere aktuelle Kennzahlen deuten darauf hin, dass auch die makroökonomischen Risiken zunehmen. Sowohl die VPIInflation3 als auch die PPI-Inflation4 lagen erneut über den Erwartungen. Der Verbraucherpreisindex stieg im September gegenüber dem Vorjahr um 8,5 Prozent. Eine Studie der Deutschen Bank, die sich auf 126 Beobachtungen weltweit seit 1970 stützt, zeigt, dass die Inflation, wenn sie 8 Prozent übersteigt, immer mindestens vier Jahre lang über 2 Prozent (das Ziel der U.S. Federal Reserve (Fed)) liege.

In einem kürzlich erschienenen Artikel des Wall Street Journal erklärte die geschäftsführende Direktorin des IMF, dass „eine weltweite Rezession sehr gut möglich ist“. Im Durchschnitt schätzen die Ökonomen die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA in den nächsten zwölf Monaten auf 63 Prozent, gegenüber 49 Prozent im Juli. Zwei Risikobereiche, die unserer Meinung nach von den Märkten ignoriert werden, sind Schulden und internationale Währungen. Letzten Monat haben wir erwähnt, dass die höheren Zinsen den Schuldendienst der USA zum größten Posten im Bundeshaushalt werden lassen.

Foto: Joe Foster, VanEck

Foto: Joe Foster, VanEck

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