Die Finanzierung der für die Energiewende nötigen Infrastruktur geht nicht ohne privates Kapital. Gleichzeitig suchen Investoren zunehmend alternative Investment-Lösungen für ihre Portfolios. Die Beteiligung an Projekten der Energiewende eröffnet Renditechancen über die nächsten Jahrzehnte, erfordert allerdings langjährige Erfahrung.

Autor: Sebastian Römer, Executive Managing Director bei Natixis Investment Managers

Der Kampf gegen den Klimawandel steht weltweit ganz oben auf der politischen Prioritätenliste. Europa und jetzt auch die USA wollen bis 2050 klimaneutral sein. Auch China hat ehrgeizige Pläne. Obwohl die Energiewende zweifellos die gesamte Wirtschaft betrifft, stehen Nutzung und Ausbau der erneuerbaren Energien derzeit im Vordergrund. Es ist also kein Wunder, dass entsprechende Infrastrukturprojekte gegenwärtig zu dem am schnellsten wachsenden Segment bei privaten Beteiligungen zählen.

Und das Wachstum wird anhalten. Denn gegenwärtig machen erneuerbare Energien gerade einmal 20 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Europa aus. Bis 2030 soll dieser Anteil auf 32 Prozent steigen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind in den nächsten zehn Jahren Investitionen in Höhe von 1,7 Billionen Euro erforderlich – vermutlich sogar mehr. Denn vor dem Hintergrund des Ziels der CO2-Neutralität bis 2050 dürfte der Investitionsbedarf tatsächlich deutlich höher sein.

Investments in erneuerbare Energien sind nichts Neues. In den vergangenen 20 Jahren hat sich der Markt allerdings kontinuierlich weiterentwickelt. Waren erneuerbare Energien zunächst vor allem ein stark subventionierter Sektor, so ist die Branche heute aus sich selbst heraus profitabel. Je nach Risikobereitschaft finden Anleger inzwischen ein diversifiziertes Spektrum an Anlagemöglichkeiten mit unterschiedlichen Beteiligungsformen und Projektstrukturen.

Darüber hinaus wächst das Investment-Universum im Bereich der Energiewende beständig weiter. Neben Wind- und Solarenergie, Wasserkraft oder Biothermie rücken nun verstärkt die kohlenstoffarme Mobilität, die Nutzung von Wasserstoff, das Thema Energieeffizienz und in diesem Zusammenhang auch die Erneuerung der Fernwärmenetze in den Vordergrund. (Dezentrale) Speicherungsmöglichkeiten von sauberer Energie werden ebenfalls immer wichtiger.

Weltweite Diversifikation

Auch in geografischer Hinsicht erweitert sich das Investment-Spektrum. Waren bisher vor allem Westeuropa und die USA die wichtigsten Treiber für erneuerbare Energien, rücken nun auch andere Länder in den Fokus. In Polen zum Beispiel besteht ein enormer Bedarf, von Kohle auf saubere Energie umzusteigen. 2019 produzierte das Land 74 Prozent seiner Energie mit Kohle, nur 15 Prozent des Stroms kamen aus erneuerbaren Energiequellen. China und Südostasien haben ebenfalls einen kohlenstoffintensiven Energiemix. Mit zunehmender Dringlichkeit der Klimakrise wächst also weltweit der Bedarf an Kapital, das benötigt wird, um möglichst alle Regionen auf ihrem Weg zu einer sauberen, grüneren Wirtschaft zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, die Entwicklungsmöglichkeiten im Bereich der Energiewende genau im Blick zu behalten, um attraktive Zukunftsprojekte für Investoren zu identifizieren und rechtzeitig dabei zu sein. Das setzt neben fundierter und langjähriger Erfahrung auch die Bereitschaft voraus, bereits in einem sehr frühen Stadium mit Investitionen aktiv zu werden und innovative „Greenfield“-Projekte zu unterstützen.

Grüner Wasserstoff

Gegenwärtig erscheint die Entwicklung von grünem Wasserstoff interessant. Bei dieser besonders umweltfreundlichen Energiegewinnung wird Wasserstoff mit Hilfe erneuerbarer Energien gewonnen. In Deutschland hat die Bundesregierung gerade eine nationale Wasserstoffstrategie beschlossen. Damit soll grüner Wasserstoff marktfähig und die industrielle Produktion, Transportfähigkeit und Nutzbarkeit sollen möglich werden. Wir beobachten diesen Bereich bereits seit einiger Zeit sehr genau und sind dort auch mit unserem Investmentmanager Mirova investiert.

Aus unserer Sicht könnte die Verbreitung von grünem Wasserstoff den Übergang zu einer nachhaltigen Mobilität in erheblichem Maße unterstützen. Er ist aber nur ein Bereich von vielen, den Investmentmanager bei der Energiewende im Auge behalten sollten. Denn angesichts der Dringlichkeit, schnell Lösungen für die Herausforderung des Klimawandels zu finden, ist davon auszugehen, dass Innovationsdynamik auf dem Feld der Energiewende auch in Zukunft sehr hoch sein wird.

Verschiedene Vorteile für Investoren

Im anhaltenden Niedrigzinsumfeld haben sich alternative Investments, also Investments in nicht traditionelle Anlageklassen, zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Kapitalanlage insbesondere bei institutionellen Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen oder Versorgungswerken entwickelt. Für Anleger ist das Wertpotenzial, das am Markt für erneuerbare Energien schlummert, enorm. Es bietet breit diversifizierte Chancen auf einen Mehrertrag mit einer vergleichsweise geringen Volatilität.

In Zeiten, in denen die Risiken für die Weltwirtschaft steigen, bieten Investments in erneuerbare Energien zudem ein gewisses Maß an Stabilität. Denn der stärkere Fokus der Entscheidungsträger auf grüne Energien bedeutet, dass der Sektor selbst dann weiterwachsen wird, wenn die Energienachfrage aufgrund der volatilen Konjunktur schwanken sollte. Vor diesem Hintergrund erscheinen erneuerbare Energien zudem interessant als Absicherung gegen die Risiken eines Engagements in sogenannte Stranded Assets. Sie können also ein Gegengewicht zu Unternehmen bilden, deren Geschäftsmodell durch die Veränderungen am Energiemarkt gegebenenfalls in Mitleidenschaft gezogen wird.

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