Den Zeiten geschuldet virtuell trafen sich auf der viertägigen “Alternative Investor Conference” Anbieter, Dienstleister und institutionelle Investoren.

Rund 750 Teilnehmer, darunter 110 institutionelle Anleger, hatten sich zu dem Event angemeldet. Insgesamt fanden 25 Vorträge, zwei Paneldiskussionen sowie ein Investorenworkshop statt.

Die Konferenz begann mit einer Keynote-Ansprache von Prof. Dr. Weder di Mauro. Sie ist Professorin für Ökonomie am Graduate Institute in Genf, am INSEAD in Singapur sowie Präsidentin des Center for Economic Policy Research in London. Dr. Weder die Mauro betonte in ihrem Vortrag „Die Welt nach COVID“, dass die öffentliche Verschuldung, Klimawandel und Digitalisierung die größten wirtschaftspolitischen Herausforderungen in den kommenden Jahren sein werden.

Für die Erholung nach der Krise zeigte sie sich positiv gestimmt: Sie prognostiziert anhand von IWF-Daten eine signifikante Erholung der Weltwirtschaft. Das globale Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde um die 6 Prozent wachsen, angetrieben durch die Erholung in den USA und China. Gleichzeitig steige die Inflation. Für die USA erwartet sie eine mittelfristige Preissteigerungsrate von 3 Prozent.

Krise trifft vor allem die Schwächeren

Das Wachstum werde aber nicht bei allen Menschen gleich ankommen. Rückschläge im Bereich der Bildung und Verlust des Arbeitsverhältnisses betreffen vor allem die Schwächeren und werfen sie weiter zurück. Weder di Mauro erwartet, dass die weltweite Ungleichheit zunehmen wird und zusätzlich 100 bis 150 Millionen Menschen durch die Corona-Krise in die Armut abrutschen.

Um das “Net-Zero“-Ziel zu erreichen, ist es dringend notwendig, privates Kapital noch stärker einzubinden, um die vorherrschende Investitionslücke zu schließen, betonte Weder di Mauro in der anschließenden Diskussion. Drei Faktoren seien besonders wichtig: Digitalisierung, Umweltschutz und Gesundheitsvorsorge.

Europa müsse sich als Teil der Lösung sehen und mit gutem Vorbild voran gehen. Letztlich müssen aber alle großen Industrieländer mit an Bord sein, einschließlich China.

Auch zum Thema Krypto-Assets positionierte sich Prof. Weder di Mauro eindeutig: Die Zentralbanken sind der Elefant im Raum der neuen virtuellen Währungen und Assets, da sie den Regierungshebel in der Hand haben. Zentralbanken und Regulierer müssten umsichtig aber bestimmt vorgehen und verhindern, dass Kryptowährungen oder Stable Coins zukünftig eine Gefahr für das weltweite Finanzsystem darstellen könnten. Das gelte gleichwohl auch für Zentralbankeigene CBDC-Projekte.

Deutschen Fondsstandort stärken

In der Keynote-Speech am zweiten AIC-Konferenztag konstatierte Dr. Jörg Kukies, Staatssekretär im Bundesministerium für Finanzen, dass die nun mit dem Gesetz umgesetzten EU-Regelungen zu Pre-Marketing für institutionelle Investoren überzogen seien. Sie sollten etwa im Rahmen des AIFMD-Review nachgesteuert werden. Zu den deutschen Prioritäten gehöre zudem die europaweite Harmonisierung der Regeln für Kreditfonds.

Frank Dornseifer, Geschäftsführer beim BAI, kommentierte: „Immerhin haben BMF und Bundestag erkannt, dass deutlich mehr gemacht werden muss, um den Fondsstandort zu stärken. Klar muss aber auch sein, dass die deutschen Regelungen zu Kreditfonds keine EU-Benchmark darstellen können, solange diese bei der BaFin nicht noch einmal auf den Prüfstand gestellt werden. Auch hier ist Deutschland eher der Absatzmarkt als der Produktionsstandort. Noch werden Fonds „Made in Germany“ nicht als Gütesiegel angesehen. Und genau darum muss es gehen, wenn man internationale Asset Manager und Investoren ansprechen will.“

Dornseifer betonte zudem, dass die isolierte Umsatzsteuerbefreiung für die Managementfee bei Wagniskapitalfonds weiterhin Fragen aufwirft. Es überzeuge auch nicht, dass gerade auch andere – durchaus vergleichbare Fonds – nicht einbezogen werden. Als Beispiel nannte er Infrastrukturfonds, deren Investitionen politisch gewollt sind und gezielt gefördert werden.

Hinzu kommt, dass andere Fondsstandorte die Umsatzsteuerbefreiung auf der Managementfee aller Fonds kennen und Deutschland dadurch einen gravierenden Wettbewerbs- und Standortnachtteil erleidet, wie Dornseifer betonte. Staatssekretär Dr. Kukies verteidigte die erreichten Ergebnisse, stellte aber zugleich in Aussicht, dass weiter an diesen drängenden Themen gearbeitet wird.

Es folgten an den späteren Konferenztagen unter anderem eine Keynote von Professor Dr. Veronika Grimm sowie ein Investor-Vortrag von Bernd Franken von der Nordrheinischen Ärzteversorgung.

Die AIC 2022 findet am 3. und 4. Mai 2022 statt, dann wieder im Kap Europa in Frankfurt.

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