Annette Olschinka-Rettig, Geschäftsführerin beim Bundesverband Alternative Investments, über die Auswirkungen der Corona-Krise auf verschiedene Assetklassen im AI-Universum.

“Das Virus bedeutet vor allem für Asset-Manager und institutionelle Investoren einen enormen Kraftakt, nicht nur hinsichtlich einer veränderten Arbeitsstrukturierung, sondern insbesondere auch mit Blick auf Reporting, Risikomanagement und Rebalancing”, sagt Olschinka-Rettig im Gespräch mit dpn. Die hohen Kursverluste bei Aktien und Anleihen und die breitflächigen Abverkäufe aus Risiko- und Liquiditätsgründen in allen Assetklassen stellen die Umsetzung strategischer Asset Allokationen und das Einhalten regulatorisch vorgegebener Quoten vor besondere Herausforderungen: „Tail-Risk“ und „schwarze Schwäne“ sind derzeit nicht mehr nur hypothetisch.

Die Wirkungen der Krise divergieren allerdings innerhalb der einzelnen Alternative Investment Assetklassen teilweise sehr, zum Beispiel in Abhängigkeit der gewählten Strategien und Branchenschwerpunkte. Nach Einschätzung des Verbandes ergeben sich für Private Debt in der Krise Opportunitäten, da Banken im jetzigen Szenario hinsichtlich der Eigenmittelunterlegungen – trotz Sonderregelungen – an Grenzen stoßen. Private Debt Fonds können zum Beispiel bei syndizierten Krediten, deren Platzierung sich verzögert, einspringen.

Private Equity Fonds rufen für Bestandsinvestitionen indes derzeit verstärkt Liquidität ab. Für Neuinvestitionen werden sich die Kapitalabrufe allerdings ebenso wie bei Private Debt verlangsamen, so Olschinka-Rettig. Zugleich zeigten Entwicklungen nach früheren Krisen jedoch, dass gerade die dann neu aufgelegten Fonds – nicht nur bei Private Equity, sondern auch in anderen Alternative Asset Klassen – eine sehr gute Performance liefern. Exits sind im aktuellen Umfeld kaum möglich.

Hedgefonds stabiler als andere Assetklassen

Nach Analysen des BAI heben bereits die Februar-Daten, die den Beginn der Baisse widerspiegeln, die Vorteile einer Portfolio-Diversifizierung mit verschiedenen Hedgefonds-Strategien hervor. “Zwar können sich auch Hedgefonds nicht gänzlich dem negativen Markttrend entziehen, aber auch eine erste Prognose für März zeigt auf, dass Hedgefonds die ersten Wochen der COVID-19-Krise durchschnittlich deutlich besser überstanden haben sollten als klassische Long-only-Aktienstrategien”, so Olschinka-Rettig.

Denn die Möglichkeit von Hedgefonds, sowohl auf steigende (long) als auch durch Leerverkäufe auf fallende (short) Kurse setzen zu können und zudem über Hebeleffekte durch zusätzliche Fremdkapitalaufnahme die Rendite zu steigern, bietet Investoren neben zusätzlichen Ertragschancen auch Stabilität für das Portfolio. Vermögensverluste lassen sich somit in der derzeitigen Marktphase begrenzen.

Deshalb können Hedgefonds in klassischen Aktien- und Anleiheportfolios eines institutionellen Anlegers trotz möglicher zusätzlicher Kontrahenten- und Marktrisiken positive Diversifikationseffekte beisteuern und das Gesamtrisiko des Portfolios senken, betont die Expertin. Allerdings sollten auch hier die jeweiligen Strategien individuell betrachtet werden. Während zum Beispiel Event Driven Strategien im aktuellen Umfeld sehr attraktiv sein können, gilt dies beispielsweise für Equity Hedge/ Short Biased eher nicht.

In eigener Sache: Alternative Anlagen waren auch das Thema des aktuellen Roundtables. Lesen Sie mehr zu dieser Assetklasse in der kommenden Ausgabe des dpn-Magazins. Erscheinungstag: 24. April 2020.

 

 

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