Während das Verhalten liquider Anlageformen in Abschwungphasen gut erforscht ist, gibt es wenig Wissen zu den alternativen Anlageklassen. Eine Studie vom BAI zeigt nun: Die Alternatives eignen sich zum Schutz vor Tail-Risiken in schwierigen Marktphasen.

Alternative Anlagen sind geeignet, um auch in Krisenzeiten, in denen die Aktien- und Anleihemärkte schwächeln, positive Renditen zu erzielen. Das zeigt die Studie „Der Diversifikationseffekt von Alternative Investments in Krisenzeiten“ des Bundesverbandes Alternative Investments (BAI). Der Verband wollte wegen der steigenden Bedeutung alternativer Anlagen in den Portfolios institutioneller Investoren ein genaueres Bild über die Performance während eines Marktabschwungs geben und damit eine erste Einschätzung dieser Anlageklassen zur Mitigation von Tail-Risiken veröffentlichen.

„Verwerfungen an den liquiden Märkten haben erst kürzlich – zu Beginn der Corona-Krise – aufgezeigt, dass zahlreiche Alternative Investments dazu beitragen, die Volatilität des Gesamtportfolios zu verringern und Tail-Risiken zu minimieren“, resümieren die Autoren der Studie.

Besonders hervor taten sich Commodity Trading Advisors (CTAs) als eine der zwei betrachteten Hedgefonds-Strategien. Trendfolgende CTAs, auch bekannt als Managed Futures, sind eine der wenigen Assetklassen, die während allen größeren Krisen der letzten Jahrzehnte konstant positive Renditen erzielen konnten. CTAs werden damit ihrem Ruf als Krisensicherungsinstrument gerecht, heißt es in der Studie.

Drawdowns an den Immobilienmärkten sind nicht unbedingt mit Rückschlägen an den Aktienmärkten korreliert, heißt es zudem zur Asset-Klasse Real Estate. Die Studie zeigt jedoch auf, dass die Korrelation zwischen Private Equity Real-Estate-Fonds und Private-Debt-Real-Estate-Fonds hoch ist. „Dementsprechend weisen die Renditeverläufe auch in Krisenzeiträumen signifikante Parallelen auf.“

Infrastruktur: Gut zur Diversifikation

Bedeutende Wirtschafts- und Finanzkrisen treffen zumeist nur einzelne Segmente des großen und heterogenen Infrastruktur-Universums. Daher eignet sich diese Anlageklasse hervorragend zur Diversifikation des institutionellen Portfolios.

Zudem zeigen die Ergebnisse, dass Corporate Private Equity Indices im Vergleich zu anderen alternativen Asset-Klassen höher mit dem Marktgeschehen korrelieren. Auch die bereinigten Daten spiegeln einen positiven Zusammenhang zwischen den Renditen des MSCI World und den Private- Equity-Marktdaten wider.

Allerdings divergieren die Studienergebnisse. In Europa beispielsweise konnten Private-Equity-Buy-outs in den vergangenen Jahren durchaus eine signifikante Outperformance gegenüber einem breit gestreuten europäischen Aktienindex erzielen. Manche Studien weisen sogar nach, dass diese Outperformance in Krisenzeiten besonders hoch ausfällt.

Private Debt: Heterogenes Anlageuniversum

Eine allumfassende Bewertung der Direct-Lending- / Private-Debt-Märkte ist wie schon die Private-Equity-Märkte aufgrund des heterogenen Anlageuniversums nicht so einfach. „Je nach analysiertem Marktindex divergieren die Renditeverläufe zum Teil stark“, so die Studienautoren. Alles im allem konnte Private Debt in den jüngsten Krisenzeiträumen gegenüber liquiden Schuldtiteln allerdings konsistent Überrenditen bei moderaten Rückschlägen erzielen. Für Private-Debt-Fonds war die Corona-Krise also ein erfolgreicher Gradmesser für die Integration in das institutionelle Portfolio.

Insurance-Linked Securities erwiesen sich in der aktuellen Krise erwartungsgemäß als positiv, da ihre Renditen nahezu unkorreliert zur allgemeinen Entwicklung der Kapitalmärkte sind.

Kryptos: Steigende Korrelation zu Kapitalmärkten

Die Asset-Klasse der Blockchain-basierten Kryptowährungen wird immer wieder als „Store of Value“ oder „azyklische Assetklasse“ betitelt. Mit zunehmendem institutionellem Interesse steigt jedoch auch die Korrelation zu den traditionellen Kapitalmärkten. Allerdings schrecken institutionelle Investoren derzeit noch wegen der hohen Volatilitäten von Investments zurück. Dabei ist laut BAI aber nachgewiesen, dass Krypto-Exposure die Rendite-Risiko-Relation des Portfolios signifikant verbessert.

Fazit der Studie

Alles in allem zeige die Studie – trotz datenspezifischer Limitationen – anhand der DotCom-Krise, der globalen Finanzkrise und der Corona-Krise, dass Alternative Investments eine Absicherung des institutionellen Portfolios gegen Tail-Risiken bieten, sobald traditionelle Asset-Klassen – allen voran Aktien und High Yield Bonds – Verluste erleiden. „Spannend bleiben die langfristigen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Private Markets, die sich teilweise erst jetzt bemerkbar machen, nachdem der liquide Support durch die Notenbanken und stützende Programme der Regierungen mehr und mehr als tragende Faktoren wegfallen“, so der BAI.

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