Beim dpn-Roundtable „Alternative Anlagen“ wurde diskutiert, wie institutionelle Investoren diese Assetklasse in ihre Portfolios einbauen können.

Alternative Investments leisten einen wichtigen Beitrag zur Diversifizierung des institutionellen Portfolios. Das ist die einhellige Meinung der Teilnehmer am dpn-Roundtable “Alternative Anlagen”, der Ende Februar in Frankfurt am Main stattfand. Zudem locken auch Komplexitäts- und Liquiditätsprämien. Dennoch tun sich deutsche institutionelle Anleger oft schwer mit dem Einstieg in diese Asset-Klasse.

Denn die Investoren müssen die Asset-Klasse zunächst durchdringen und Gremien überzeugen, sagt Herwig Kinzler, Geschäftsleitung, RMC Risk Management Consulting GmbH. “Ich denke aber, dass Alternatives nicht unbedingt riskanter, aber komplexer sind als andere Asset-Klassen”, so Kinzler. Durch ein oder zwei neue Mitarbeiter könne nicht die komplette Klaviatur gespielt werden. Aber es gebe Expertise auf der Anbieterseite und rechtliche Expertise, die eingekauft werden kann. “Aus meiner Sicht geht es um die Frage: lohnen sich die Kosten?”, so der Investment Consultant.

Zudem muss das Vehikel für den Investor passen, betont Wolfgang Dressler, Vice President Produktstratege alternative Investments bei PIMCO: Klassische PE-Strategien werden zum Beispiel meist als Partnership-Strukturen aufgesetzt, die für deutsche Spezialfonds oft nur schwer oder gar nicht erwerbbar sind. Die Produkte müssen also für den Investor zugänglich gemacht werden.

Corporate Lending als Einstieg in Private Debt

Dem Private-Debt-Bereich nähern sich deutsche Anleger in der Regel mit Direct Corporate Lending-Strategien. “Die Asset-Klasse bietet Zugang zu etwas, mit dem viele Investoren grundsätzlich vertraut sind. Kredit ist relativ einfach zu verstehen, wenn man an den klassischen Unternehmenskredit denkt. Viele Investoren haben erst mal geschnuppert beim Corporate Direct Lending und haben inzwischen auch mehr Interesse an weiteren Alternativen, um zusätzlich zur Illiquiditätsprämie auch Zugang zu Komplexitätsprämien zum Beispiel im Bereich Special Situation, zu erhalten”, führt Dressler aus.

Corporate Lending ist der Inbegriff für Private Debt, und am meisten Interesse bestand zunächst in dem Bereich, ergänzt Stefan Bauer, Deutschlandchef bei Franklin Templeton. Deswegen fülle der Begriff oft die Definition für Private Debt aus. Allerdings: “Beim Thema Diversifikation und Unkorreliertheit muss man beachten, dass gerade im Corporate Direct Lending Bereich viele Geschäfte direkt verbunden sind mit Private Equity, weil dies nur die Finanzseite des entsprechenden Equity Deals ist”, gibt Bauer zu Bedenken. Große Unterschiede gebe es auch zwischen den Bereichen Non-Sponsored und Sponsored: Im Sponsored-Bereich gebe es unter Umständen viel mehr Korrelation mit schon vorhandenen Assets.

Alternative-Portfolio diversifizieren

Als „Versicherung“ eines klassischen Aktien-Anleihe-Portfolios nutzen Versorgungswerke bereits seit der letzten Krise 2007 die Asset-Klasse Gold, so Steffen Orben, Geschäftsführer Deutsche Börse Commodities GmbH. “Dies wird sich als Thema nachhaltig durchsetzen und die Portfolien werden meiner Einschätzung nach einen Anteil Edelmetalle enthalten”, sagt Orben. Bis zum Sommer 2019 war die Korrelation von Edelmetallen zu klassischen Anlageklassen wie Aktien negativ. “Dann kam die Zinssenkung in den USA, in der alle Asset-Klassen wegen expansiven Geldpolitik gut performten”, erläutert Orben. Aber generell gelte: Investoren wünschen eine Allokation in Edelmetalle wegen der negativen Korrelation zu anderen Assets.

Wichtig bei der Entscheidung für eine AI-Asset-Klasse ist auch, wie weit der Credit-Zyklus bereits voran geschritten ist, gibt Jörg Schomburg, Head of Institutional Sales Dach bei AXA Investment Managers Deutschland GmbH, zu Bedenken. “Als Alternative zu Corporates investieren wir für unsere Kunden zum Beispiel auch in Commercial Real Asset Loans”, so Schomburg. Auch der Bereich Regulatory Capital biete eine Breite an Diversifikation, die im Direct Lending nicht so einfach zu erreichen sei. “Wir haben in dem Bereich aktuell eine Rendite-Erwartung netto zwischen 7 und 9 Prozent”, so Schomburg.

AI-Assets performen unterschiedlich in der Krise

Der Roundtable fand statt, bevor sich das Ausmaß der Corona-Krise erahnen ließ. Bereits Ende März zeigte sich jedoch, dass die Assets ein Portfolio durchaus stabilisieren können. Die Auswirkungen divergieren zwischen den AI-Klassen aber stark, betont Annette Olschinka-Rettig, Geschäftsführerin beim Bundesverband Alternative Investments e.V. Nach Einschätzung des Verbandes ergeben sich für Private Debt in der Krise Opportunitäten, da Banken im jetzigen Szenario hinsichtlich der Eigenmittelunterlegungen – trotz Sonderregelungen – an Grenzen stoßen. Private Debt Fonds können zum Beispiel bei syndizierten Krediten, deren Platzierung sich verzögert, einspringen. Private Equity Fonds rufen für Bestandsinvestitionen indes derzeit verstärkt Liquidität ab. Hedgefonds können sich zwar nicht gänzlich dem negativen Markttrend entziehen, aber eine erste Prognose für den März zeigt auf, dass Hedgefonds die ersten Wochen der COVID-19-Krise durchschnittlich deutlich besser überstanden haben sollten als klassische Long-only-Aktienstrategien, so Olschinka-Rettig.

Lesen Sie mehr im dpn-Magazin. Ausgabe: 24. April 2020.

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