Im Interview: Uwe Zeidler, Geschäftsführer des Versorgungswerkes der Zahnärztekammer Nordrhein, und Dr. Matthias Reicherter, Geschäftsführer und CIO bei Golding Capital Partners, über die Rolle alternativer Anlagen in einem institutionellen Portfolio und deren praktische Herausforderungen.

Herr Zeidler, Sie sind Geschäftsführer des Versorgungswerkes der Zahnärztekammer Nordrhein. Können Sie Ihr Versorgungswerk kurz vorstellen?

Uwe Zeidler: Das Versorgungswerk der Zahnärzte im Umkreis Nordrhein verwaltet derzeit rund 4 Milliarden Euro. Damit sind wir das größte rein zahnärztliche Versorgungswerk. Was unsere Anlagen betrifft, sind wir breit aufgestellt. Zum einen tätigen wir Basis-Investments in liquide Assets wie Aktien und Renten. Zum anderen haben wir auch schon relativ frühzeitig begonnen, in alternative Investments zu investieren, und zwar in Infrastruktur sowie Private Equity, aber auch in Private Debt oder Mezzanine. Im Hinblick auf alternative Anlagen sehen wir uns in der Rolle eines Vorreiters, der versucht, neue Themen frühzeitig aufzugreifen, um in dem einen oder anderen Fall Innovationsrenditen generieren zu können.

Bevor wir noch tiefer in die Anlageklassen einsteigen, Herr Dr. Reicherter, können Sie sich kurz vorstellen?

Dr. Matthias Reicherter: Sehr gerne! Mein Name ist Matthias Reicherter und ich bin Chief Investment Officer bei Golding Capital Partners. In dieser Funktion verantworte ich den Investment-Prozess und die Investment-Strategie über unsere alternativen Anlageklassen, zu denen Private Equity, Private Debt und Infrastruktur zählen.

Herr Zeidler, kommen wir zur strategischen Asset Allocation. Können Sie diese bitte kurz skizzieren?

Zeidler: Von den rund 4 Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen ist knapp eine Milliarde Euro in einem Masterfonds angelegt. Dieser Masterfonds besteht im Wesentlichen aus liquiden Assets, die überwiegend in Spread-Produkten investiert sind. Darüber hinaus haben wir schon sehr traditionell einen sehr hohen Anteil an Immobilien. Laut Anlageverordnung beträgt die Maximum-Quote 25 Prozent. Diese kann aber um bis zu fünf Prozent mit Hilfe einer sogenannten Öffnungsklausel überschritten werden. Ein weiterer Bereich ist unser Darlehensgeschäft. Dieses beträgt aktuell rund 15 Prozent der strategischen Asset Allocation. Die restlichen 20 Prozent unseres Vermögens sind dann in alternativen Anlagen investiert. Hierzu zählen wie bereits angesprochen Private Equity, Private Debt, Mezzanine und Infrastrukturanlagen. Allein im Infrastrukturbereich investieren wir derzeit rund zehn bis zwölf Prozent.

Uwe Zeidler

Wie zufrieden sind Sie mit der Wertentwicklung der alternativen Anlagen? Und wie gut sind Sie bis jetzt durch die Covid-19-Pandemie gekommen?

Zeidler: Erfreulich gut. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass uns die Covid-19-Pandemie gezeigt hat, dass es einen Trade-off zwischen alternativen Investments und liquiden Assets gibt. Der Grund für diesen Trade-off liegt in den unterschiedlichen Bewertungen. Diese unterschiedlichen Bewertungsintervalle haben dabei geholfen, das Portfolio in der Krise zu stabilisieren. Mit der konkreten Folge, dass wir unsere Renditeziele auch dieses Jahr, ohne dass wir irgendwelche stillen Reserven ausschütten müssen, mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erreichen werden. An dieser erfreulichen Entwicklung haben auch speziell die alternativen Anlagen ihren Anteil beigesteuert. Beispielsweise sind unsere Immobilien- und Infrastruktur-Investments – und hier sind insbesondere die Investitionen in erneuerbare Energien zu nennen – bis jetzt sehr stabil durch die Krise gekommen.

Wenn man Ihre Asset Allocation betrachtet, könnte man auf die Idee kommen, Sie sind ein sehr progressiver, fortschrittlicher Investor.

Zeidler: Wir sind progressiv-konservativ und haben bereits lange und gute Erfahrungen mit alternativen Investments gemacht. Zum Beispiel haben wir bereits vor knapp zehn Jahren die ersten Investments in Solarparks getätigt. Während dieser Zeit waren die Erträge wirklich sehr stabil und auskömmlich. Zudem passt diese Art der Investments sehr gut zu der langen Duration unserer Verpflichtungen, die für uns äußerst große Relevanz hat.

Welcher Bereich der alternativen Anlagen ist für Sie im Moment der interessanteste?

Zeidler: Ganz klar der Bereich der Infrastruktur.

Und welche Art Infrastruktur?

Zeidler: Aktuell sind für uns speziell die erneuerbaren Energien – also Investments in Wind, Solar und auch Wasser – besonders interessant. Daneben fahren wir eine mehrgleisige Strategie: Auf der einen Seite suchen wir lokale Projekte, beispielsweise indem wir in Kitas oder Glasfaserkabel investieren. Mit solchen Investments möchten wir den Menschen vor Ort etwas zurückgeben und versuchen in diesem Zuge die technische Ausstattung in Deutschland zu verbessern – Stichwort Impact Investing. Auf der anderen Seite arbeiten wir im internationalen Investment-Kontext mit Partnern wie Golding Capital Partners zusammen, auf deren Know-how wir dann angewiesen sind.

Herr Dr. Reicherter, wir haben gerade gehört, Infrastruktur wird äußerst große Relevanz zugeschrieben. Welche konkreten Themen haben hier aus Sicht der institutionellen Investoren Bedeutung?

Dr. Reicherter: Neben dem Zugang zur Anlageklasse bieten wir Diversifikation über verschiedene Infrastrukturregionen, -sektoren und Zugangswege an. Traditionell innerhalb Europas und Nordamerikas, aber auch darüber hinaus. Im Allgemeinen unterscheiden wir drei Grundsektoren: den Transportsektor, den Energiesektor sowie den Sektor der sozialen Infrastruktur – seit einiger Zeit nun und verstärkt durch die aktuelle Pandemie bildet sich der digitale Infrastruktursektor heraus.

Vornehmliches Ziel unserer Investoren ist ein konservatives und robustes Portfolio, welches wir im Rahmen unserer Portfoliokonstruktion berücksichtigen. Dieses Ziel spiegelt sich letztendlich in Netto-Returns zwischen sieben und acht Prozent – mit einer Ausschüttungsrendite zwischen vier und fünf Prozent auf das laufende Portfolio – wider. Je nach Risikoappetit der Investoren bieten wir auch davon abweichende Investment-Lösungen.

Des Weiteren ist es unseren Investoren wichtig, dass wir ihnen neue Horizonte und vielversprechende Sektoren für Investitionszwecke aufzeigen. Letztlich mit dem Ziel, die Diversifikation der Portfolios zu schärfen: um nur ein Beispiel hervorzuheben, es besteht mittel- bis langfristig die Erwartung, dass Bereiche wie die digitale Infrastruktur von der Entwicklung der Covid-19-Pandemie sogar profitieren. Ein stabiles Glasfasernetz und die darauf aufbauend gute Internetverbindung zählen heute zur Grundversorgung. Vor dem Hintergrund des grundsätzlich wachsenden Datenvolumens spielen auch Mobilfunkmasten und Datencenter-Themen eine wichtige Rolle. Sie haben sich sehr gut entwickelt und werden dies auch zukünftig tun.

Dr. Matthias Reicherter

Heißt das im Umkehrschluss, dass die Transport-Infrastruktur obsolet wird?

Dr. Reicherter: Absolut nicht – das eine oder andere Investment leidet sicherlich in der aktuellen Krise, jedoch steht die Relevanz von Transport-Infrastruktur außer Frage. Letztendlich ist es unser Ziel, unsere Aufgabe und unsere Verpflichtung, für unsere Investoren passgenaue, ausbalancierte Portfolios aus essenzieller Infrastruktur – und zwar bezogen auf die Parameter Rendite, Risiko, Volatilität, Laufzeit und Diversifikation – zu konstruieren und zu begleiten.

Herr Zeidler, nehmen wir an, Sie planen, in alternative Anlagen zu investieren, und suchen einen Asset Manager. Auf welche Faktoren legen Sie bei der Zusammenarbeit Wert?

Zeidler: So schön Alternatives auch sind, so komplex sind sie auch. Folglich bedeutet dies, dass man diese Investments auch verstehen muss. Und zwar nicht nur im kaufmännischen Sinne, sondern auch aus einer technischen Perspektive heraus. Diesbezüglich sind wir definitiv auf die Unterstützung eines Asset Managers angewiesen. Daneben müssen wir ihm in jeglicher Hinsicht vertrauen können, beispielsweise bei der Abwicklung und Begleitung der jeweiligen Investments über den ganzen Investitionszeitraum hinweg. Auch hier ist es essenziell, dass uns der Partner unterstützt und uns dabei hilft, die einzelnen Investments über die ganze Zeit hinweg zu glätten, und uns die einzelnen Kapitalabrufe, sämtliche Cashflows oder Zinszahlungen verlässlich und transparent darstellt.

Warum soll ich mich als Investor für Golding Capital Partners entscheiden?

Dr. Reicherter: Unsere höchste Maxime ist, dass unsere Investoren zufrieden sind. Dabei zielen wir nicht nur auf die monetäre Rendite ab. Ich glaube, das Herzstück ist genau der Punkt, auf den Herr Zeidler anfänglich hingewiesen hat: Die alternativen Anlageklassen sind komplex und man muss sie verstehen. Dieses Verständnis muss man wiederum auch transportieren können. Und genau hierin besteht unser beratender Ansatz, wenn wir unsere Investoren auf ihrer Reise in die alternativen Anlageklassen begleiten.

Zeidler: Wenn ich hier noch ergänzen darf: Wir haben auch schon schlechte Erfahrungen mit Managern gemacht. Und zwar dahingehend, dass diese über einen längeren Zeitraum, teilweise über zwölf bis 18 Monate hinweg, kaum investiert haben, ohne uns dies transparent darzulegen. Das Problem hierbei: Wenn uns versprochen wird, dass konkrete Commitments über einen bestimmten Zeitraum abgerufen werden, dann verlassen wir uns darauf. Wir müssen ja nicht nur Liquidität vorhalten, sondern auch unsere Kapitalbindung planen. Das heißt wiederum: Wir planen nicht nur Investitionen, sondern wir planen auch die Rückflüsse daraus.

Dr. Reicherter: Wir verstehen es daher auch als unsere Aufgabe, die Abrufprofile sowie die Kapitalbindungen in den Portfolios zu optimieren. Durch verschiedene Instrumente können diese beschleunigt oder gesteuert werden. Auf zwei Instrumente möchte ich hinweisen: Das sind zum einen Sekundärmarkt-Transaktionen. Zum anderen sind dies Co-Investments, mit denen wir versuchen, eine optimierte Cashflow-Entwicklung zu erreichen.

Neben Infrastruktur investieren Sie auch in Private Equity. Können Sie hierzu ein kurzes Update geben?

Zeidler: Wir investieren knapp sieben Prozent unserer Assets in Private Equity. Private Equity weist dabei einen ganz anderen Cashflow-Verlauf und ganz andere Risiken auf als Infrastrukturanlagen. Deswegen spielt Private Equity auch eine ganz andere Rolle im Rahmen der Asset Allocation. Es ist eine Performance-Anlageklasse. Eine Anlageklasse, bei der es um Kapitalvervielfachung und um Renditen geht, die deutlich zweistellig sind. Jedoch nicht über 20 Prozent, denn das möchten wir nicht. Hier sind wir eher vorsichtig. Bei Private Equity investieren wir zudem in eine Asset-Klasse und nicht in ein einzelnes Unternehmen. Deswegen geht es bei Private Equity um Diversifikation, Diversifikation und Diversifikation – auch um Diversifikation über die Vintages, also über die Auflagedaten der Fonds hinweg, gerade in Krisenzeiten. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Bewertungen jetzt in der Krise schon mal kurzfristig zweistellig nach unten gehen können.

Dr. Reicherter: Das ist genau das, was wir unseren Investoren derzeit kommunizieren: nämlich nicht mit weiteren Investments zu stoppen, nur weil das Umfeld aktuell viele Herausforderungen zum Vorschein bringt. Gerade jetzt ist es essenziell, dabeizubleiben und letztlich die Vintage-Diversifikation weiterzutreiben und das Portfolio in einen eingeschwungenen Zustand zu bringen. Wir können aufgrund der historischen Basis sagen, dass gerade Krisenjahre auf der Private-Equity-Seite im relativen Vergleich sehr attraktive Renditen bei Neuanlagen abgeworfen haben.

Welche Nachfrage erfahren derzeit Private-Debt-Anlagen?

Zeidler: Wir haben insgesamt sieben Prozent des Portfolios in Mezzanine und Private Debt investiert, wobei wir bei dieser Asset-Klasse im Moment eher vorsichtig sind. Warum? Zum einen ist Private Debt in der Krise nicht ganz ungeschoren davongekommen. Zum anderen, weil wir noch nicht absehen können, wie sich die Covid-19-Pandemie entwickelt und welche realwirtschaftlichen Zweitrundeneffekte und Spätfolgen die Krise haben wird.

Dr. Reicherter: Private Debt kann sich der Krise sicherlich nicht entziehen, aber dies gilt für alle Anlageklassen gleichermaßen. Bislang verhalten sich die Portfolios sehr robust und besser als zu Anfang der Krise erwartet; sicherlich auch unserem konservativen Investment-Ansatz und der Qualität unserer Portfolios geschuldet. Dennoch sind wir nicht blauäugig und beobachten die aktuelle Entwicklung sehr genau. Einige Effekte der Krise werden sich, wie Herr Zeidler sagte, erst im Zeitablauf zeigen. Dennoch schauen wir sehr positiv auf die Anlageklasse Private Debt und sehen darin auf jeden Fall einen wachsenden Markt. Das Niedrigzinsumfeld gepaart mit der zunehmenden Zurückhaltung und dem Rückzug der Banken aus der (Langfrist-)Finanzierung eröffne Private-Debt-Fonds erhebliche Wachstumspotenziale. Mit dem richtigen Partner an der Seite können Investoren hier attraktive Investmentopportunitäten erschließen. Daran habe ich nicht den geringsten Zweifel.

Sehen Sie neue Themen am Horizont?

Dr. Reicherter: Die Thematik rund um das nachhaltige Investieren ist ja als solches nichts Neues, aber zunehmend ein dominierendes Element im Rahmen der Selektion, Kapitalanlage und des Portfolioaufbaus. Doch die Thematik lässt sich erweitern, wenn man beabsichtigt, mit dem Investment nicht nur eine nachhaltige Rendite zu erzielen, sondern weitere positive Effekte zu generieren – Stichwort Impact Investing. Ich denke, in diese Richtung wird die Reise für einige Investoren gehen.

Gehören alternative Anlagen somit in die Zukunft?

Dr. Reicherter: Ich frage mich immer, warum wir überhaupt noch die Themen, über die wir sprechen, als „alternatives Investieren“ bezeichnen. Das ist für mich fast „alternativloses Investieren“ und wird das Nischendasein bald verlassen. Alternatives Investieren wird zentrales Element der Kapitalanlage sein und werden.

Vielen Dank für das Gespräch.

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