Die anstehenden US-Wahlen halten Anleger in Atem. Eskalierende TV-Duelle und ein an Covid-19 erkrankter US-Präsident sorgen für Unruhe an den Märkten.

Für die anstehende US-Wahl sind die Prognosen so verworren, dass Anleger auch auf die geringste Bewegung reagieren. Die TV-Debatte zwischen dem amtierenden Präsidenten Donald Trump und dem demokratischen Herausforderer Joe Biden zeigte das: sie war so angespannt und uninformativ, dass die Kapitalmärkte zunächst absackten, sich dann aber auch schnell wieder erholten, schreibt LFDE.

Die jüngste Wendung ist die Covid-19-Erkrankung von Donald Trump. Auch wenn die Infektion keine unmittelbaren wirtschaftlichen Folgen hat, gaben die Märkte auf die Nachricht hin deutlich nach. Neben dem Markt für Staatsanleihen profitierte davon vor allem ein anderer Kurs: die Quote von Biden bei den Anbietern von Online-Wetten. So galt Biden zum 2. Oktober bei einem der größten Wettanbieter mit einer Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 Prozent als Sieger der Wahl, so LFDE. In Umfragen ist der Abstand allerdings geringer.

Aktienmärkte: Sektoren differenziert

Solange sich die Unsicherheiten im Zusammenhang mit den US-Wahlen nicht etwas verflüchtigen, könnten die Kapitalmärkte nach Einschätzung von LFDE weiterhin auf ihrem aktuellen Niveau herumdümpeln. Abweichung von diesem Szenario wäre ein einschneidendes Ereignis ein, wie beispielsweise die schnelle Verfügbarkeit eines Impfstoffs oder auch eines Medikaments.

BlackRock warnt institutionelle Anleger indes vor vereinfachten Darstellungen über die mögliche Entwicklung der Aktienmärkte. Die Fondsmanager sehen die größten Auswirkungen der US-Wahl innerhalb einzelner Anlageklassen und Sektoren: Und zwar Energie, Technologie und dem Gesundheitswesen.

Auch am Goldmarkt gehen die Entwicklungen in den USA nicht spurlos vorbei. Das Edelmetall hat jüngst scharf nach unten korrigiert. “Ein Grund dafür ist der Präsidentschaftswahlkampf in den USA, der allmählich auf die Zielgerade einbiegt: Traditionell legen amtierende Präsidenten in dieser Zeit größten Wert auf einen positiven Wirtschaftsausblick und damit verbunden auf einen stabilen, wenn schon nicht starken, US-Dollar”, sagt Christian Brenner, Geschäftsführer der philoro Edelmetalle. Anleger sollten sich daher nicht zu stark vom Wechselkurs beeindrucken lassen. Ein reinigendes Gewitter hatte bereits angekündigt und sei bei einem derartigen Aufwärtstrend wie in diesem Jahr gesehen ganz normal.

Allerdings stockt die Erholung in den USA durchaus. So hat laut DWS die Zahl der in den USA im September neugeschaffenen Stellen deutlich enttäuscht. Die Statistiker zählten nur 661.00 neue Jobs, etwa halb so viele wie im Vormonat.

Geldpolitische Anreize

Auf dieser Seite des Atlantiks werden derweil die geldpolitischen Anreize durch Zentralbanken diskutiert. Christine Lagarde deutete in ihrer Rede vor dem Europäischen Parlament am 30. September eine Änderung in der Auslegung des EZB-Mandats an. So solle das Mandat nicht mehr eine Inflation „unter, aber nahe an 2 Prozent“ sicherstellen, sondern sie „um 2 Prozent“ ausrichten. Dies ermögliche für gewisse Zeit auch ein Niveau über diesem Grenzwert.

Damit folgt die EZB-Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve, die ihre Doktrin kurz zuvor in diesem Sinne geändert hatte. Dies öffnet gegebenenfalls die Möglichkeit, dass sich der Liquiditätsfluss der Zentralbank verstärkt und / oder verlängert. Zumindest bei der deutschen Bundesbank dürfte dies aber auf Widerstand stoßen, so LFDE.

So kontrovers die Kandidaten in den USA über viele Punkte streiten, sind sie sich in einem Punkt recht einig. Das Ende der Fahnenstange könnte weder bei den geldpolitischen Anreizen noch der Verschuldung bereits erreicht sein. Während sich die Europäer um die Zehntelstelle hinter der 2 ringen und sich vom Vereinigten Königreich entzweien, sind sich die gespaltenen US-Amerikaner im Hinblick auf ihre Zentralbank einig. Und sie erhöhen das Haushaltsdefizit und bewegen sich – wenn auch mühsam – in Richtung eines neuen Konjunkturpakets.

Höhere Staatschuldenquoten

Columbia Threadneedle geht davon aus, dass sich die Staatsschuldenquoten weltweit weiter verschlechtern werden. Vom Ausbruch der globalen Finanzkrise im Jahr 2007 bis Ende 2019 sei die Schuldenquote von rund 280 auf etwa 320 Prozent gestiegen. „Wir dürften in diesem Jahr einen Wert von zirka 350 Prozent erreichen”, schreiben die Anleihespezialisten Tammie Tang und Paul Smillie.

Angesichts dessen bevorzugt Columbia Threadneedle innerhalb des Investmentgrade-Universums Unternehmensanleihen aus Staaten, die über ausreichend finanziellen Spielraum und den politischen Willen verfügen, um weitere Konjunkturmaßnahmen zu finanzieren und auch neue Schulden aufzunehmen. Hierzu gehören etwa Deutschland, die Niederlande sowie die skandinavischen Länder, schreiben Tang und Smillie. Unter den hochverschuldeten Ländern mit einer Verschuldung von über 100 Prozent des BIP ziehen die Experten Länder vor, die über eigene Zentralbanken und Währungen verfügen und daher nötigenfalls Maßnahmen zur Kontrolle der Zinskurve umsetzen können. In dieser Kategorie bevorzugen sie die USA und Großbritannien gegenüber etwa Frankreich und Spanien, denen diese Möglichkeit fehlt.

 

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