Ganz gleich, wer nach den US-Wahlen ins Weiße Haus einziehen wird: Der künftige US-Präsident befindet sich vor der Herausforderung, die wirtschaftlichen Folgen der COVID-19-Pandemie zu bewältigen. In drei Punkten liefern beide Kandidaten laut Franklin Templeton ähnliche Antworten.

Der Wahlkampf um die US-Präsidentschaft befindet sich in der heißen Phase. In vielen Punkten unterscheiden sich die Standpunkte des Amtsinhabers Donald Trump und des demokratischen Herausforderers Joe Biden grundlegend. Dies bedeutet aus Sicht von Grant Bowers von Franklin Templeton vor allem eines: Anleger müssen sich auf Phasen erhöhter Volatilität an den Aktienmärkten einstellen. Doch die beiden Camps sind in einigen wirtschaftspolitischen Themen nicht so weit auseinander positioniert, wie es oft den Anschein hat. Laut Bowers stechen drei Bereiche mit überparteilicher Unterstützung hervor:

  1. Ausgaben für Infrastruktur
    “Die Verabschiedung eines Infrastrukturgesetzes im Jahr 2021 wird für beide Parteien hohe Priorität haben”, sagt Bowers. So werde es Gesetzesvorschläge zur Modernisierung von Flughäfen, Brücken und Straßen in den USA geben. Wichtige Themen seien auch der Zugang zu Breitband-Internetdiensten und Mobilfunktechnologie der fünften Generation (5G). Aller Wahrscheinlichkeit nach dürften erhebliche Finanzmittel zur Verbesserung der technologischen Infrastruktur der USA anstehen.
  2. Handelskonflikt mit China und Schutz geistigen Eigentums
    Bei der Handelspolitik besteht zwischen dem republikanischen Amtsinhaber und dem demokratischen Anwärter auf das Amt des US-Präsidenten Einigkeit im Hinblick auf den Schutz des geistigen Eigentums. Wie Trump würde auch Biden China weiter unter Druck setzen, um weltweit einheitliche Bedingungen für Technologiefirmen zu schaffen. Allerdings dürfte Biden dabei wohl eine etwas gemäßigtere Haltung einnehmen. Laut Bowers kann aber alles in allem davon ausgegangen werden, dass sich die Handelsspannungen fortsetzen werden.
  3. Produktion in die USA zurückholen
    “Außerdem sehen wir auf beiden Seiten Unterstützung dafür, Produktionskapazitäten zurück in die USA zu holen”, betont Bowers. Die Coronakrise habe viele Schwächen der globaler Lieferketten offengelegt. Dies betreffe allen voran den Gesundheitssektor. “Wir gehen davon aus, dass sich weitere Sektoren wie etwa Industrie und Fertigung weiter an die Endmarktverbraucher in den USA annähern werden”, so Bowers. Ganz gleich, wer die Wahl gewinnen wird: Unterstützung für dieses Thema werde es geben, da dies zum Beschäftigungswachstum in den USA beiträgt.

Würde eine „blaue Welle“ die US-Politik verändern?

Trotz dieser Bereiche mit überparteilicher Unterstützung lohnt es sich nach Einschätzung von Franklin Templeton, die Auswirkungen der so genannte „blauen Welle“ im Auge zu behalten. In diesem Szenario wird Biden Präsident, und zeitgleich gewinnen die Demokraten die Mehrheit im Senat. Zudem würden sie die Kontrolle über das US-Repräsentantenhaus bewahren.

Laut Bowers bereitet die Möglichkeit, dass eine einzige Partei “ungehinderte Kontrolle” über alle drei Regierungszweige haben könnte, den US-Anlegern Sorgen. “Unserer Analyse zufolge scheint die größte Angst des US-Aktienmarkts darin zu liegen, dass eine „blaue Welle“ zu einem dramatischen Umschwung im Hinblick auf die Wirtschafts-, Markt- und Regulierungspolitik führt”, so Bowers. Zu den häufig erwähnten Themen zählen eine Anhebung der Körperschaftsteuer, gravierende Änderungen am Gesundheitssystem oder auch die Regulierung einiger der größten Technologieunternehmen der USA. Franklin Templeton identifiziert Technologie und Gesundheit als zwei Sektoren, die langfristiges Wachstum verzeichnen werden.

In der Zwischenzeit sollten sich Anleger auf Phasen erhöhter Volatilität einstellen. “Märkte mögen Klarheit, und derzeit gibt es zahlreiche Ungewissheiten”, so die Erkenntnis Stand Mitte Oktober 2020.

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