Aktienmärkte könnten auf eigentlich positive Nachrichten rund um einen Covid-19-Impfstoff nicht so positiv reagieren wie erwartet, warnt Dr. Eduard Baitinger, Head of Asset Allocation in der FERI Gruppe. Der Grund ist die Zinspolitik. Institutionelle Investoren sollten das Portfolio entsprechend ausrichten.

An den globalen Aktienmärkten hat sich in den vergangenen Wochen eine zunehmende Divergenz zwischen den Börsen in den USA und denen im Rest der Welt aufgetan. Während die US-Märkte von einem Hoch zum nächsten eilen, treten die weltweiten Märkte mehr oder weniger auf der Stelle. Ausnahme sind die Schwellenländer, die von der aktuellen Schwäche des US-Dollars profitieren.

Dabei werden die US-Märkte vor allem von einigen Schwergewichten aus dem Technologiesektor beflügelt. Die teilweise “exorbitanten Bewertungen der Megacaps” reflektieren aber nicht nur eine anhaltende Begeisterung für den Technologiesektor, gibt Baitinger zu bedenken. Vielmehr ist die Entwicklung auch der Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Federal Reserve geschuldet.

An den Finanzmärkten sei zurzeit die Annahme eingepreist, dass das Zinsniveau noch über Jahre hinweg extrem tief bleiben werde. “Dabei ist jedoch kaum zu übersehen, dass sich das Zinsniveau in einem besorgniserregenden Ausmaß von den fundamentalen Daten abgekoppelt hat”, so Baitinger. So vollziehen die globalen Notenbanken – und allen voran die Fed – einen gefährlichen Balanceakt.

Auf der einen Seite schüren sie die Erwartung, dass Leitzinsen dauerhaft niedrig bleiben. Auf der anderen Seite steigt aufgrund positiver Konjunkturdaten der Druck auf die gesamte Zinsstruktur. “Damit baut sich an der Zinsfront zunehmende Spannung auf, die sich irgendwann abrupt entladen könnte”, warnt Baitinger.

Impfstoffdebatte und Zinspolitik

Eine Zulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 hätte Baitinger zufolge das Potenzial, einen raschen Zinsanstieg auszulösen. Sobald einer oder mehrere wirksame Impfstoffe weltweit verfügbar sind, werden die Finanzmärkte wohl einen deutlich besseren Wirtschaftsausblick einpreisen. Und dies bedeutet nicht, dass es zu einem Kursfeuerwerk an den weltweiten Börsen kommen würde. Vielmehr könnten Zurückhaltung und Kurskorrekturen anstehen. Denn an den Börsen gilt manchmal das Motto: “good news is bad news”. Schließlich gibt die Zinspolitik in vielen Fällen den Takt vor. Die Erwartung höherer Zinsen könnte somit die Stimmung dämpfen und den Impuls der positiven Konjunkturnachrichten in den Schatten stellen.

Institutionelle Investoren können sich auf dieses Szenario vorbereiten, in dem sie konjunktursensitive Sektoren im Portfolio höher gewichten. Die Logik dahinter: Diese Sektoren weisen sehr gute Bewertungen auf und sind daher weniger abhängig von der Zinspolitik. Zwar dürfte die Fed weiter versuchen, das Zinsumfeld aktiv zu dämpfen. Angesichts steigender Inflationserwartungen in den USA wird dies aber zunehmend schwieriger.

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