Der Ausbruch des Coronavirus könnte Märkte und Wirtschaft kurzfristig belasten. Doch Tim Love, Investment Director bei GAM, sieht zehn übergeordnete Faktoren, die langfristig Bestand haben werden.

Sowohl bei der Anlagestrategie „Top-down”(Währung) als auch bei „Bottom-up” (Einzelwerte) bieten sich zahlreiche Chancen für Aktien aus Schwellenländern, so die Einschätzung des Schweizer Vermögensverwalters GAM Investment. Allerdings ist die Anlageklasse verbundenen mit hoher Volatilität, auch da sie eine Vielzahl von Ländern umfasst. Langfristig positiv für die Anlageklasse sind aus Sicht von Love aber folgende Faktoren:

  1. Höchststand des US-Dollars

Die Verlangsamung des globalen Wachstums und die fortgeschrittene Phase des Zinszyklus in den USA könnten den US-Dollar abschwächen. Ein Ende der US-Dollar-Aufwertung und der Leitzinserhöhungen der US-Notenbank könnte die Sorge über restriktivere Finanzierungsbedingungen in den Schwellenländern vermindern.

  1. Attraktiver Einstiegspunkt

Zurzeit verbessern sich sowohl die längerfristigen Aussichten als auch die zyklischen Trends von Schwellenländeraktien. Es liegt ein Jahrzehnt der historischen Tieferbewertung von Schwellenländer- im Vergleich zu  Industrieländeraktien zurück. Das reduzierte realisierbare Gewinnwachstum je Aktie sowie die Auswirkungen des starken US-Dollars führten zu einer zehnjährigen Underperformance gegenüber den Märkten der Industriestaaten und insbesondere gegenüber dem S&P 500.

  1. Höhere Aktienbewertung

Die günstigen Bewertungen und die Erwartungen einer Höherbewertung unterstützen die Anlageklasse. Der Bewertungsunterschied zwischen Schwellenländer- und Industrieländeraktien ist laut GAM im Vergleich zu Vergangenheitswerten zu hoch. Die Prognosen für die Gewinne je Aktie lassen ebenfalls „Lebenszeichen” erkennen.

  1. Carry-Trade

Währungen mit Ertragsvorteilen (positiver Carry) sind gut unterstützt und Rohstoffwährungen notieren bereits etwa 65 Prozent unter ihren Höchstwerten. Die US-Dollar-Stärke ist eingepreist. Die überwiegende Anzahl der Schwellenländer-Währungen ist laut GAM unterbewertet. Eine Aufwertung ist zu erwarten.

  1. Stärkeres Wachstum

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erwartet, dass das Wachstum in den Schwellenländern im Jahr 2020 anzieht und unverändert den zweifachen Wert der Industrieländer erreichen wird. Dies lässt sich auf verbesserte fiskalische, wirtschaftliche und geldpolitische Strategien und den erneuten Fokus auf Strukturreformen in zahlreichen Schwellenländern zurückführen. Die günstigeren Finanzierungsbedingungen infolge der synchronisierten geldpolitischen Lockerung in vielen Schwellenländern dürften sich ebenfalls zunehmend positiv auf das Wachstum auswirken.

  1. Verzögerter Zinszyklus

Im Gegensatz zu den meisten Industriestaaten sind diese Schwellenländer überwiegend in der Lage, die Zinsen weiter zu senken, da die Inflation unverändert moderat ausfällt. Darüber hinaus wird die Weltwirtschaft in den kommenden Jahren von den vielseitigeren Wachstumsquellen der Schwellenländer abhängig sein, so GAM.

  1. Technologieimpulse

E-Commerce, digitale Banken, künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, Robotertechnik, das Internet der Dinge und mobile Computer werden auf Jahre hinaus fundamentale Treiber der Wirtschaft in Schwellenländern sein. Dies deutet auf gute langfristige Aussichten hin. Bei Technologien wie Elektrofahrzeug-Batterien, Gentherapien und 5G-Telekommunikationsausrüstung laufen asiatische Technologie-Unternehmen dem Westen den Rang ab. Die Menschen in den Schwellenländern dürften stärker von diesen „Leapfrog”-Technologien profitieren, mit denen sie im Vergleich zur Bevölkerung der Industriestaaten mehrere Generationen technologischer Entwicklungen überspringen könnten.

  1. Verbesserung von ESG-Standards

Zweitnotierungen, eine größere Transparenz und eine stärkere Beachtung der Corporate Governance könnten in den Schwellenländern eine positivere Dynamik der ESG-Faktoren antreiben.

  1. Fortlaufende innenpolitische Reformen

Einige Schwellenländer wie Brasilien und Indien verfolgen unverändert bedeutende Strukturreformen. Die jüngste Senkung der Unternehmenssteuersätze, die Fokussierung auf die Infrastrukturentwicklung, Maßnahmen zur Verbesserung des regulatorischen Umfelds und die geldpolitische Lockerung dürften diese Volkswirtschaften stabilisieren.

  1. Attraktives langfristiges Wachstum

Gemessen an den Anlageerträgen des letzten Jahrzehnts zahlte sich die Fokussierung auf langfristige Entwicklungen nicht aus. Dazu zählten das Pro-Kopf-BIP-Wachstum, die demografische Entwicklung, die Urbanisierung, die Erwerbsbeteiligung von Frauen, das Tempo der Industrialisierung sowie die Gewinner von Disruptionen und technologischen Innovationen einschließlich alternativer Energiequellen. In Zeiten niedrigen Wachstums ist langfristiges Wachstum jedoch attraktiver als je zuvor. Nach Einschätzung von GAM könnten diese Entwicklungen zu einer potenziellen Steigerung des langfristigen Wachstums der Gewinne je Aktie um 3 bis 7 Prozent führen.

 

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »