Laut Jupiter Asset Management punkten europäische Aktien in einem wachstums- und inflationsschwachem Marktumfeld. Zwei Experten erläutern die Vorteile.

Die Corona-Krise hat sich als echter Trendverstärker entpuppt. Die Digitalisierung schreitet voran, und auch das Konsumverhalten der Menschen hat sich verändert. Doch welche Unternehmen profitieren davon? Ist Inflation eine wiederauflebende Bedrohung?  Mark Nichols und Mark Heslop von Jupiter Asset Management haben vier Denkanstöße für Anleger.

1. Hat Covid-19 zu dauerhaften Veränderungen von Konsumgewohnheiten geführt?

Ob die zu derzeitigen Veränderungen im Konsumgewohnheiten von Dauer sind, lässt sich noch nicht abschließend sagen. Doch die Pandemie hat den Trend zum Onlinehandel sicherlich erheblich beschleunigt. Auch Freizeitaktivitäten ändern sich. Ein Beispiel: In den USA besteht ein Trend zum häuslichen Cocktail-Abend. Adidas ist laut Jupiter Asset Management ein Unternehmen, das führend ist in der Verbesserung betrieblicher Abläufe und Vertriebsprozesse durch digitale Wege. Um sich stärker von seinen Wettbewerbern abzusetzen, setzt Adidas künftig stärker auf eigene Stores, die eigene Webseite und Apps und weniger auf stationäre Einzelhandelspartner.

2. Kommt die Inflation zurück?

Der Wachstumseinbruch weltweit hat zu Überkapazitäten geführt, die die Inflation bremsen. Solange sich Verbraucher und Unternehmen scheuen, neue Schulden aufzunehmen oder mehr Geld auszugeben, bestehen die desinflationären Tendenzen fort. Dies und die höhere Schuldenlast sprechen für ein anhaltend wachstumsschwaches Umfeld. Allerdings könnte sich das ändern. Fiskalpolitische Stimulusprogramme könnten weiter gefahren werden und die Zentralbanken könnten sich dazu gedrängt sehen, sich der Fiskalpolitik weiter unterzuordnen. “Wir halten weiter Ausschau nach Unternehmen mit herausragendem Wachstumspotenzial, die unabhängig vom Ausmaß des Inflationsdrucks in der Wirtschaft über Preissetzungsmacht verfügen”, ist das Fazit des Jupiter-Teams.

3. Herausragende Wachstumsunternehmen sind rar. Welche Qualitäten bedeuten den Unterschied?

Gefragt sind Unternehmen mit nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen und Preissetzungsmacht, die in Marktsegmenten mit strukturellem und nicht zyklischem Wachstum tätig sind. Genauso wichtig: Sie sollten in der Lage sein, überschüssige Liquidität renditestark wieder anzulegen. Die Zahl solcher Wachstumsunternehmen ist aber nicht hoch. “Unserer Ansicht nach werden derartige Unternehmen aufgrund der inhärenten Kurzfristigkeit der Märkte häufig übersehen. Unser Ansatz stellt darauf ab, von dieser Marktineffizienz zu profitieren”, erläutern Mark Nichols und Mark Heslop.
Quellen nachhaltiger Wettbewerbsvorteile können den Experten zufolge sein: Markentreue, geistiges Eigentum, ein wachsendes Netzwerk, exklusive Informationen, innovative Produkte oder auch Größeneffekte in Produktion und Vertrieb. “Unser Ziel ist es, in Wachstumsunternehmen zu investieren, die zu den führenden Anbietern in ihrer Branche gehören und ihre führende Positionierung auf Jahrzehnte hinaus wahren können”. Für Unternehmen auf der Auswahlliste sei die Bewertung der Qualität von Vorstand und Aufsichtsrat ein wichtiger Faktor.
Zu den strukturellen Trends gehört auch die demographische Entwicklung: In westlichen Industrieländern altern die Menschen, was zu höherer Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen führen wird. In den Schwellenländern genießt indes ein höherer Anteil jüngerer Menschen einen besseren Lebensstandard. Dies könnte die Nachfrage nach Kosmetik, speziellen Brillengläsern, globalen Spirituosenmarken und Luxusgütern verstärken, so Jupiter AM. Durch die große Bedeutung der Energieeffizienz in der Bauindustrie wiederum seien Dämmmaterialien zunehmend gefragt.

4. Was spricht im kommenden Jahr für europäische Wachstumswerte?

Was für europäische Wachstumsaktien spricht ist vor allem, dass es Wachstumsaktien sind. Angesichts des wachstums- und inflationsschwachen Umfelds in Europa sollten diese Anlagen daher weiter an Attraktivität gewinnen.
Dabei stehen marktführende Unternehmen im Fokus, deren Produkte und Dienstleistungen weit über die europäischen Märkte hinaus gefragt sind. So seien Unternehmen mit weltweiten Umsätzen und einer daher geringeren Abhängigkeit von der europäischen Wirtschaft zu bevorzugen.

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