Auch viele Stunden, nachdem die Wahllokale in den USA geschlossen haben, ist noch nicht klar, wer ins Weiße Haus einziehen wird. Die Prognosen für Joe Biden könnten sich zwar noch bewahrheiten, doch sicher ist dies nicht. Und auch den Senat scheint keine “Blaue Welle” aus demokratischen Abgeordneten zu erfassen. Was bleibt ist Unsicherheit – zumindest für die nächsten Stunden und Tage.

Institutionelle Investoren sollten sich nicht zu sehr mit den aktuellen Unsicherheiten aufhalten sondern vielmehr analysieren, wie sich das politische Umfeld darstellen könnte, wenn das offizielle Ergebnis vorliegt, mahnt der US-amerikanische Asset Manager Neuberger Berman. Schließlich liegen die Demokraten und Republikaner an vielen Stellen gleichauf. Die beiden Häuser im Congress sowie das Oval Office werden nicht in der Hand einer dominierenden Partei sein. Die Akteure an den Kapitalmärkte scheinen dies zu unterstützen, sagt Erik Knutzen, CIO bei Neuberger Berman. Technologieaktien outperformten gegenüber zyklischen Aktien, da die Aussicht auf ein großes Konjunkturpaket aus einem “Blue Sweep” verblasst. Außerdem sind die Treasury Yields gefallen und der US-Dollar hat an Stärke gewonnen.

Keine deutlichen Auswirkungen auf die Aktienmärkte erwartet

Laut Lars Kreckel von Legal & General Investment Management (LGIM) dürfte unabhängig davon, ob Biden oder Trump im Weißen Haus sitzt, der gespaltene Congress das Regieren erschweren. Nur wenige Maßnahmen mit deutlichen Auswirkungen auf die Aktienmärkte dürften verabschiedet werden. “Das eine oder das andere Ergebnis stünde für die Fortsetzung des Status quo, also keine höhere Körperschaftssteuer und kein großes grünes Steuerpaket. Für den Technologiesektor hat der Wettlauf um das Weiße Haus noch eine gewisse Bedeutung, denn eine mögliche Tech-Regulierung hinge stärker von Personalentscheidungen als von der Gesetzgebung im Kongress ab”, so Kreckel.
David Zahn von Franklin Templeton sagt: “Wir erwarten in den kommenden Tagen anhaltende Volatilität und Unsicherheit, während die Märkte die Nachrichten verdauen und gespannt auf die endgültigen Ergebnisse warten.” Wenn das Ergebnis angefochten würde, dürfte dies zusätzliche Unsicherheit schaffen und zu einer erhöhten Volatilität an den Kreditmärkten führen. Für die europäischen Rentenmärkte erwarte man aber keine längerfristigen Auswirkungen, da diese stärker von der EZB und der europäischen Fiskalpolitik bestimmt werden.

“Bisher herrscht Unsicherheit”

Für Jim Leaviss, CIO des Anleiheteams von M&G, ist bereits jetzt die wichtigste Erkenntnis für die Märkte, dass eine blaue Welle sicher ausbleibt. Zwar hält er es für sehr wahrscheinlich, dass die Demokraten das Repräsentantenhaus übernehmen werden, aber glaubt nicht, dass sie auch den Senat gewinnen werden. “Bisher herrscht Unsicherheit – also ein Zustand, den die Märkte auf keinen Fall wollten. Das Ausbleiben eines Erdrutschsieges für die Demokraten bedeutet für die Anleihemärkte, dass es weder eine deutliche Umverteilung in der Fiskalpolitik noch einen Infrastrukturboom geben wird, selbst wenn Biden Präsident wird. Es wird wahrscheinlich keine Rücknahme der Körperschaftssteuersenkung geben, die die meisten Menschen erwartet haben. Für Aktien dürfte das positiv sein, da die Gewinne pro Aktie höher sein werden, als es sonst der Fall gewesen wäre.”

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