Der BVI verlautete in seiner Jahrespressekonferenz wieso die Politik finanzpolitische Weichen stellen muss und warum ein nationaler Sonderweg für Deutschland in Sachen Nachhaltigkeit keine gute Idee wäre.

Trotz Corona war 2020 laut BVI ein sehr zufriedenstellendes Jahr für den deutschen Fondsmarkt. Der Markt erreichte einen Rekordwert mit 3.850 Milliarden Euro. „Die hohen Zuflüsse unterstreichen die wichtige Rolle von Fonds in der Altersvorsorge und belegen die Bedeutung des Vertriebs in turbulenten Börsenphasen“, sagt Alexander Schindler, Präsident des deutschen Fondsverbands BVI, auf der Jahrespressekonferenz.

Deutschland sei seit vielen Jahren bereits der größte Fondsmarkt in Europa, so Schindler weiter. Nach Angaben der Europäischen Zentralbank entfallen auf Deutschland mittlerweile 24 Prozent des Fondsvermögens von Anlegern in Europa, darauf folgen Frankreich und England mit jeweils 14 Prozent.

Spezialfonds größte Fondsgruppe

Die größte Fondsgruppe in Deutschland bilden die offenen Spezialfonds. Diese verbuchten 2020 ein Vermögen von 1.998 Milliarden Euro. Zusammen mit den Mandaten im Wert von 652 Milliarden Euro entfallen knapp 70 Prozent des von den Fondsgesellschaften verwalteten Gesamtvermögens auf den institutionellen Bereich. Hierzu zählen unter anderem Versicherungsgesellschaften und Altervorsorgeeinrichtungen wie Versorgungswerke. Private Anleger investierten 2020 rund 127 Milliarden Euro in Publikums- und Spezialfonds. Das sei laut BVI das drittbeste Absatzjahr für Fonds. Mit 80 Milliarden Euro steuerten offene Spezialfonds 63 Prozent des Fonds-Neugeschäfts bei.

Bei nachhaltigen Publikumsfonds wurde ein Wachstum von 20,6 Milliarden Euro verbucht. Somit kann die knappe Hälfte des Neugeschäfts von Publikumsfonds auf nachhaltige Fonds zurückgeführt werden. Dieser Anteil lag 2006 zum Vergleich noch bei sechs Prozent.

Aktienfonds weiterhin beliebt

Aktienfonds verzeichneten im vergangenen Jahr Zuflüsse von netto 20,9 Milliarden Euro. Im Vorjahresvergleich hat sich das Neugeschäft damit verfünffacht. Darauf folgen Mischfonds mit Zuflüssen von 10,1 Milliarden Euro und Immobilienfonds mit Zuflüssen von 8,3 Milliarden Euro.

Ein weiterer wichtiger Punkt wäre laut BVI, den technologischen Fortschritt weiter zu stärken. Der digitale Wandel und die technologische Wettbewerbsfähigkeit sind Aspekte die immer mehr an Bedeutung gewinnen, deshalb wirbt der BVI für eine nationale Blockchain-Initiative im Asset Management. Käme die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) zum Einsatz, könnten Transaktionen schneller und sicher abgewickelt werden. Auf diese Weise sollen die Hauptakteure aus der Finanzwirtschaft, der Politik, und der Aufsicht zusammengebracht werden.

Wesentlicher Baustein wäre hier laut BVI die Einführung eines digitalen Euros als DLT-Zahlungsmittel. Hinzukommend setzt sich der BVI dafür ein, eine digitale Marktinfrastruktur nach EU-Recht zu ermöglichen und Fonds den Erwerb von Bitcoin oder tokenisierten Sachwerten zu erlauben.

Auch der Brexit wurde thematisch angeschnitten. Dieser erzeuge laut Richter einen Handlungsbedarf bei der deutschen und europäischen Standortförderung. Er verschärfe laut BVI den Wettbewerb der globalen Finanzzentren. Der BVI fordert, den digitalen Wandel der Finanzwirtschaft gesetzgeberisch zu unterstützen. Wichtige Punkte hierbei wären der Abbau einer Überregulierung in der EU und mehr Wertschätzung der Finanzwirtschaft als wichtigen Standortfaktor für Deutschland.

Nachhaltigkeit hat hohen Stellenwert

In Sachen Nachhaltigkeit appelliert der BVI an die Bundesregierung, sich nachdrücklich für angemessene europäische und globale Nachhaltigkeitsregeln einzusetzen. Ein „deutscher Sonderweg“ wäre hier nicht die richtige Wahl. Über die Vorgaben zu Nachhaltigkeit entscheiden die EU und internationale Gremien, somit sollte die Regierung laut BVI ihren Hebel nutzen, um die Regulierung mitzugestalten, statt sich von externen Beratungsgremien auf nationale Sonderwege leiten zu lassen. Der Fokus sollte dabei auf der Schließung von ESG-Datenlücken und der Harmonisierung der Anforderungen von nachhaltigen Produkten liegen.

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