Für die Wertschaffung am deutschen Aktienmarkt sind nur wenige Titel verantwortlich. Eine aktuelle Studie zeigt die starke Konzentration auf – und sie errechnet den milliardenschweren Wertverlust im vergangenen Jahr.

Die gute Nachricht für Aktionäre zuerst: In den vergangenen 20 Jahren wurde am deutschen Aktienmarkt ein Wert von 1,69 Billionen Euro geschaffen. Doch die aktuelle Studie „Wertschaffung und Wertvernichtung am deutschen Aktienmarkt“ vom Flossbach von Storch Research Institute, kommt noch zu einem weiteren Schluss: Von den über 1.000 investierbaren Aktien waren für die Schaffung dieses Werts lediglich 118 Titel verantwortlich. Und die Hälfte der 1,69 Billionen Euro wurde von nur zwölf Aktien erzielt.

Banken sind größte Wertvernichter

Diese enorme Konzentration auf nur wenige Titel bei der Wertschaffung am deutschen Aktienmarkt sollte vor allem Investoren, die auf den breiten Markt abdeckende Indexfonds setzen, zu denken geben. Denn es bedeutet auch, so Studienautor Philipp Immenkötter, „dass 88 Prozent aller investierbaren deutschen Aktien im Aggregat aller Anleger keinen Beitrag zur Wertschaffung geleistet haben, da sie genau so viel Wert geschaffen wie vernichtet haben.“ Grund für diese konzentrierte Wertschaffung sei die ungleiche Verteilung der Marktkapitalisierung, da es wenige große und viele kleine Aktientitel gebe.

Stock Picker sind also gefragt, um Outperformance zu erzielen. Die größte Wertschaffung für Anleger gelang Siemens, SAP, Allianz, Mercedes-Benz Group und Deutsche Telekom mit jeweils über 75 Milliarden Euro. Größter Wertvernichter hingegen war die Deutsche Bank, gefolgt von der Commerzbank und der inzwischen verstaatlichten Hypo Real Estate.

Dividenden hauptverantwortlich für Wertsteigerung

Interessant ist auch ein Blick auf die Zusammensetzung des in den vergangenen 20 Jahren geschaffenen Werts: Denn während Kurssteigerungen 691,0 Milliarden Euro und damit weniger als die Hälfte (40,9 Prozent) dazu beitrugen, waren Dividenden mit 882,0 Milliarden Euro für 52 Prozent verantwortlich. Lediglich 117,9 Milliarden Euro (7 Prozent) entfallen auf Aktienrückkäufe.

Insgesamt lässt sich zudem festhalten, dass der deutsche Aktienmarkt seit dem Platzen der Dotcom-Blase überwiegend gute Zeiten hatte: In 16 Jahren wurden für Anleger Wert geschaffen. Zudem weisen die Jahre positiver Wertschaffung einen Aufwärtstrend auf. Mit 375,4 Milliarden Euro war 2018 am stärksten. Dem steht 2008 als das katastrophalste Jahr gegenüber. Durch die fallenden Kurse im Zuge der Finanzkrise betrugen die Verluste 561,7 Milliarden Euro. Auf Platz 2 der schwächsten Jahre: 2022. Die gestiegenen Zinsen und die damit einhergehenden Rezessionssorgen sorgten für eine Wertvernichtung von fast 400 Milliarden Euro.

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