Bei der Konferenz Solving for 2022 zeigte sich die Mehrheit der befragten Investoren optimistisch für die Asset-Klassen Aktien und Rohstoffe, berichtet Neuberger Berman.

Auf der Investment-Konferenz Solving for 2022 hat Neuberger Berman die Teilnehmer gefragt, welche Asset-Klassen im kommenden Jahr besonders vielversprechend sein werden. Das Ergebnis: Aktien bleiben besonders gefragt. 51 Prozent der Teilnehmer sehen sie als die führende Asset-Klasse. Allerdings haben sie etwas an Glanz verloren. Im Vorjahr waren es noch 75 Prozent gewesen.

Auf dem zweiten Platz landeten Rohstoffe mit 43 Prozent der Stimmen, sagt Erik Knutzen, CIO Multi Asset Class bei Neuberger Berman. Im Vorjahr waren es nur 19 Prozent gewesen. Auch für Geldmarktanlagen sind die Teilnehmer optimistischer: Ihr Anteil stieg von 3,5 Prozent auf 5 Prozent. Auf dem letzten Platz liegen Anleihen mit gerade einmal 1 Prozent. Im Jahr 2019 hielten noch 17,2 Prozent der Teilnehmer Anleihen für vielversprechend. Seitdem ist der Anteil kontinuierlich gefallen.

Wendepunkt in der Geldpolitik

Geld- und Fiskalpolitik werden allmählich gestrafft – den Auftakt machte nun die US-Notenbank Fed. Den Finanzmärkten soll angesichts der Inflation Liquidität entzogen werden – und das so schnell wie noch nie zuvor. “Wir glauben zwar nicht, dass sie so hoch bleibt wie jetzt, rechnen aber doch mit einer strukturell höheren Teuerung als in den letzten 20 Jahren”, so Knutzen. Besonders die Energiewende stütze die Annahme höherer Preise. Hinzu kommt, dass in China die Erwerbsbevölkerung altert und schrumpft. Jetzt setze China auf „Wohlstand für alle“, bei langfristig weniger Wachstum.

Zinsrisiken fordern Flexibilität

Es überrascht nicht, dass Anleihen bei den Konferenzteilnehmern nicht gefragt sind. “Wegen der guten Fundamentaldaten der Unternehmen scheint es uns sinnvoll, Kreditrisiken anstelle von Zinsrisiken einzugehen”, sagt Knutzen. Institutionelle Investoren sollten nicht nur auf Coupons setzen, sondern flexibel in unterschiedliche Credits investieren und taktisch umschichten. Aber nur wenige sehen Anleihen dieses Jahr vorn. Die steigenden Zinsen sind das größte Risiko. Von der Notenbankliquidität, die jetzt zurückgefahren werden soll, haben Staatsanleihen am stärksten profitiert. Die Inflation schmälert jedoch die Realrenditen sämtlicher Festzinstitel.

Warum schwindet das Vertrauen in Aktien?

Die Investoren sind Aktien gegenüber vorsichtiger geworden, da nach drei Jahren mit einer hervorragenden Performance die Indizes inzwischen hoch bewertet sind. Außerdem werden viele Benchmarks von Wachstumstiteln dominiert, die nicht nur teuer, sondern auch zinssensitiv sind. “Wir gehen davon aus, dass Investoren mit Substanzwerten, Zyklikern, Small Caps und nicht amerikanischen Industrieländeraktien besser von der Reflation profitieren können. Zusätzlich sind sie günstiger bewertet und weniger zinssensitiv”, so Knutzen.

Nicht die Zeit für 60/40

Warum aber sehen jetzt so viel mehr Konferenzteilnehmer Rohstoffe vorn? Diversifikation wird 2022 sehr wichtig sein, so Knutzen. Die Wendepunkte in diesem Jahr dürften für Unsicherheit und Volatilität sorgen. Die klassische Aufteilung auf Anleihen oder Aktien könnte nicht mehr funktionieren, weil beide Asset-Klassen hoch bewertet und zinssensitiv sind. Deshalb ist es auch nicht die Zeit für ein 60/40-Portfolio.

Zur Diversifikation könnten sich jetzt vor allem inflationssensitive Asset-Klassen wie Rohstoffe und Immobilien eignen. Mit Rohstoffen können sich Investoren vor Inflation schützen und Risiken streuen, wenn Anleihen zu teuer, zu zinssensitiv und zu stark mit Aktien korreliert sind.

Unkorrelierte, liquide alternative Strategien können sich ebenfalls anbieten, aber auch die Ausgabe von Verkaufsoptionen auf den Aktienindex (Equity Index Put Writing). Diese Strategie hat schon oft von Marktvolatilität profitiert und ermöglicht eine etwas stabilere Aktienanlage. Bei Private Equity und Private Debt wiederum entfallen die börsentypischen Schwankungen.

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