Die Schattenseiten unserer „Take-Make-Waste“-Wirtschaft werden immer unübersehbarer und lösen einen klaren Trend zu einer stärker kreislauforientierten Wirtschaft aus, analysiert Sasha Thompson, Investment Analyst bei Walter Scott.

Erfüllt unser aktuelles Wirtschaftssystem noch seinen Zweck?

Angesichts der gewaltigen Herausforderungen, vor die der Klimawandel und die Covid-19-Pandemie die Wirtschaft, die Gesellschaft und die Regierenden stellen, ist diese Frage drängender denn je.

In ihrem Bericht „Global Resources Outlook“ für 2019 gehen die Vereinten Nationen davon aus, dass „… die Gewinnung und Verarbeitung von Roh- und Kraftstoffen sowie Nahrungsmitteln“ für die Hälfte aller Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich ist.¹ Der Datendienstleister The World Counts kommt zu ähnlichen Ergebnissen und schätzt, dass 2019 durch menschliche Aktivitäten 43,1 Milliarden Tonnen CO2 in die Atmosphäre gelangt sind. Dies stellt einen historischen Rekordwert dar und liegt noch über dem vorherigen Höchststand von 2018.

So weit, so unnachhaltig. Doch was, wenn es auch besser ginge? Für Sasha Thompson, Investment Analyst beim Investment-Management-Unternehmen Walter Scott, bestätigen die jüngsten Daten zum Klimawandel die Notwendigkeit, auf eine Kreislaufwirtschaft zu setzen. Das Ziel ist schnell erklärt: Abfälle minimieren und den aus den Ressourcen gewonnenen Wert maximieren, indem effizientere Produkte und Herstellungsprozesse entwickelt werden.

Thompson: „Unzählige Daten zeigen, dass unser aktuelles lineares „Take-Make-Waste“-Modell nicht nachhaltig ist. Es geht davon aus, dass unerschöpfliche Ressourcen leicht ausgebeutet und dann billig entsorgt werden können, ohne dass dies besondere Auswirkungen hätte. Aus ökologischer und sozioökonomischer Sicht ist dies aber schlicht falsch.“

Thompson betont, dass alternative Energiequellen zwar unverzichtbar sind, um die Ziele des Pariser Übereinkommens zu erreichen², dies aber deutlich erschwert wird, wenn wir nicht gleichzeitig unsere Produktions- und Konsummuster so stark verändern, dass wir das BIP-Wachstum vom globalen Materialverbrauch entkoppeln. Andere gut dokumentierte und drängende Umweltprobleme, die durch die verbreitete Materialnutzung entstehen, sind etwa die riesige Kunststoffmenge in unseren Weltmeeren, der Verlust von Biodiversität und Wasserknappheit.

Die Lösung besteht Thompson zufolge in der Schaffung von Kreisläufen, die sich gegenseitig verstärken: Die Materialien werden dabei so lange wie möglich in den Lieferketten gehalten, indem sie besser haltbar, reparierbar und erweiterbar gemacht werden, bevor sie entweder recycelt werden oder ihnen die maximale Menge an wertvollen Bestandteilen entnommen wird. Vorgelagert können Abfälle bereits in der Entwicklungsphase eines Produkts erheblich verringert und nachhaltige Ersatzmaterialien verwendet werden.

Dieser Ansatz könnte ganz eigene Vorteile mit sich bringen. Einem McKinsey-Bericht aus 2015 zufolge (“Europe’s circular-economy opportunity”) könnte der Umstieg auf eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft bis 2030 einen wirtschaftlichen Nettonutzen von 1,8 Billionen Euro schaffen. Cambridge Econometrics sieht im Wechsel zur Kreislaufwirtschaft ebenfalls gewaltige Vorteile und rechnet mit der Schaffung von 700.000 hochqualifizierten Arbeitsplätzen.

Quelle: Ellen MacArthur Foundation, Circular economy systems diagram. Februar 2019.

Ein Schritt nach dem anderen

Die Kreislaufwirtschaft ist nun zu einem wichtigen Teil der Lösung geworden und sollte nicht länger als Nischenkonzept mit begrenztem Anwendungsspektrum verstanden werden – schließlich wollen wir alle eine nachhaltigere Zukunft schaffen. Es wird spannend, zu beobachten, wie sich die Aufsichtslandschaft künftig entwickelt: Die Forderung, die Kreislaufwirtschaft ins Zentrum der Umweltschutzagenda zu rücken, wird schließlich immer lauter. Dies betrifft auch den Einsatz von Instrumenten wie der CO2-Bepreisung, die eine Abkehr von „Take-Make-Waste”-Modellen attraktiver macht.“

¹UN Environment Programme annual report letter from the executive director 2019
²The Paris Agreement came into force in November 2016 and was signed by 196 governments. Its goal is to limit global warming to well below two degrees Celsius.

 

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GE651750 – 11. Februar 2022

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