Ein Blick in die Historie, auf Duration und auf neue Handlungsoptionen durch Risiko-Overlay

Die letzten 30 Jahre waren – mit kurzen Unterbrechungen – geprägt von fallenden Zinsen. Als Nebeneffekt dieser Entwicklung ist eine schleichende Zunahme der Preissensitivität der Anleihen in Bezug auf Zinsmarktbewegungen und damit des impliziten Risikos in den üblichen Anleihe-Benchmarks zu beobachten. Während im Januar 2006 ein Anstieg des Zinses um ein Prozent noch ungefähr zu einem Kursverlust von 4,5 Prozent im Bloomberg US Aggregate Index führte, hätte derselbe Zinsanstieg Ende 2021 einen Kursverlust von circa 6,7 Prozent verursacht.

Doch ist mit dem jüngsten Zinsanstieg das Schlimmste schon vorbei? Sind die Risikoniveaus des Anleihemarktes nun wieder im „Normalbereich“? Um diese Fragen zu beantworten, hilft ein näherer Blick auf die zugrundeliegenden Faktoren der Risiken am Anleihemarkt. Über Jahrzehnte konnten Emittenten die fallenden Zinsen dazu nutzen, Anleihen mit niedrigeren Kupons zu begeben. Gleichzeitig machten sie sich die historisch niedrigen und flachen Zinsstrukturkurven zunutze, um sich über längere Zeiträume zu verschulden. Beide Effekte verzögern die Cashflows einer Anleihe weiter in die Zukunft und erhöhen so ihre Duration. Die Duration ist dabei ein guter Indikator für die Preissensitivität der Anleihe bezüglich Zinsänderungen.

Die Duration wird außerdem durch die Zinsen selbst beeinflusst – niedrigere Zinsen erhöhen die Duration, höhere Zinsen senken sie. Die Situation sollte sich also mit den inzwischen höheren Zinsen im Vergleich zum Beginn des Jahres etwas entspannt haben. Tatsächlich ging in jüngster Zeit die Duration auf Ebene der Benchmark-Indizes auch etwas zurück, jedoch war der Zinsanstieg bei weitem noch nicht stark genug, um die Auswirkungen der späten Cashflows zu neutralisieren. Sowohl europäische als auch US-amerikanische Anleihen notieren weiterhin deutlich über dem langfristigen Durchschnitt der Duration, und erst die Emission neuer Anleihen mit höheren Kupons und kürzeren Laufzeiten wird hier nachhaltige Änderungen bewirken. Investoren, die sich benchmarkorientiert aufgestellt haben, gehen damit weiterhin im historischen Vergleich erhöhte Risiken ein, und es ist unwahrscheinlich, dass sich die Situation kurzfristig bessert.

Neue Handlungsoptionen durch Risiko-Overlay

Wie können Investoren dann der aktuellen Risikoumgebung am Anleihemarkt am besten begegnen? Eine erhebliche Reduktion der Anleihepositionen insgesamt ist abgesehen von regulatorischen Hindernissen auch aus Diversifikationssicht suboptimal. Auch ein Wechsel der Investments in Anleihen mit kürzerer Laufzeit löst die Problematik nicht: Neben einer langfristig geringeren Verzinsung gegenüber länger laufenden Anleihen führt die geringere Volatilität kurzfristiger Anleihen auch zu einem reduzierten Diversifikationseffekt gegenüber Aktieninvestments.

Eine Alternative könnte die Umsetzung einer expliziten Risiko-Management-Strategie unter Anwendung eines darauf abgestimmten Risiko-Overlays darstellen, die Risiken gezielt aus dem Portfolio herausnimmt, sobald sie beginnen, sich zu materialisieren. Hierzu können Derivate genutzt werden, sodass das Anleiheportfolio selbst nicht angetastet werden muss und gerade in illiquiden Stressphasen Transaktionskosten vermieden werden. Auf diese Weise wird insgesamt eine nicht-symmetrische Renditestruktur erzeugt, die einerseits zu deutlich geringeren Drawdowns im Anleiheportfolio führt und andererseits die risikoadjustierte Performance verbessert. Gleichzeitig werden die wünschenswerten Diversifikationseigenschaften des Portfolios gegenüber anderen Asset-Klassen, wie beispielsweise Aktien, gewahrt. In der Summe ergibt sich durch ein explizites Risikomanagement ein deutlich attraktiveres Rendite-Risiko-Profil, das dem eines Anleiheinvestments zu Beginn der 2010er Jahre ähnelt.

Info

Overlay Management
Handlungsspielräume durch Risiko-Overlay

Marktphasen und -turbulenzen sind Bewährungsproben für die strategische Asset-Allokation – egal in welche Richtung sich der Markt bewegt. Der Einsatz eines Risiko-Overlays kann Investoren auch in einem steigenden Zinsumfeld neuen Handlungsspielraum innerhalb der SAA eröffnen.

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Ihr Ansprechpartner


Stefan Schütte
Director Sales Institutional Investors
Universal-Investment-Gesellschaft mbH

+49 69 71043 6519
stefan.schuette@universal-investment.com

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