Die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen in der Anlageberatung wird Pflicht

Noch nie waren die Folgen der Erderwärmung so deutlich spürbar wie heute, das ist nicht nur die subjektive Wahrnehmung vieler Menschen, sondern auch das Ergebnis des kürzlich veröffentlichten Weltklimaberichts des Weltklimarates.[1] Um dieser enormen Herausforderung langfristig entgegenzuwirken, möchte die Europäische Union wie andere Wirtschaftsfelder auch den Finanzmarkt dem von der EU beschlossenen Green Deal unterwerfen.[2] Denn der europäische Kapitalmarkt soll eine fundamentale Rolle bei der Bekämpfung des Klimawandels spielen. So arbeitet die Europäische Kommission mit Hochdruck daran, die passenden Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Reallokation von Kapital zugunsten der Klimaziele zu fördern.[3]

Die europäische Finanzbranche soll gemäß den Vorstellungen der EU-Kommission zukünftig eine tragende Rolle bei der Lenkung von Kapital spielen.

Nachdem im März 2021 mit dem Inkrafttreten der EU-Offenlegungsverordnung für Finanzmarktteilnehmer und die dazugehörigen Finanzprodukte, wie etwa Investmentfonds, neue Transparenzpflichten geschaffen wurden, zieht im Sommer 2022 die Nachhaltigkeit endgültig in die Anlageberatung ein.[4] Denn mit den kürzlich veröffentlichten Regelungen zur MiFID II wird die Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen im Rahmen der Eignungsbeurteilung ab dem 2. August 2022 EU-weit in der Beratung von Wertpapieren Pflicht.

Für Finanzberater heißt das, sie müssen sich darauf einstellen, neben der Risikopräferenz und dem Anlagehorizont zukünftig auch die individuellen Nachhaltigkeitspräferenzen ihrer Kunden im Gespräch zu erfragen und diese entsprechend im Rahmen der Geeignetheitsprüfung durch das passende Produktangebot zu berücksichtigen.[5] Dabei ist man lange Zeit innerhalb der Finanzbranche davon ausgegangen, dass sich der europäische Gesetzgeber bei den Vertriebsvorschriften in Bezug auf Finanzprodukte an den bereits vorhandenen Produktkategorien im Sinne der Offenlegungsverordnung orientieren würde. Doch wie sich kürzlich herausgestellt hat, folgt die Definition der Nachhaltigkeitspräferenzen einer neuen und ganz eigenen Logik. Denn während die Offenlegungsverordnung über die Ausgestaltung von Finanzprodukten, wie etwa Investmentfonds, keine Aussage trifft, möchte der Gesetzgeber für die in der Beratung empfohlenen Investmentfonds sicherstellen, dass diese den Nachhaltigkeitspräferenzen der Anleger entsprechen. Die Anleger werden also zukünftig darüber entscheiden dürfen, ob und wenn ja, inwieweit Nachhaltigkeitspräferenzen in ihre Investitionsentscheidung einbezogen werden sollen.

Abschließend bleibt abzuwarten, ob mit Hilfe der neu geschaffen Vertriebsvorschriften zukünftig das notwendige Kapital bereitgestellt werden kann, um den Übergang der Europäischen Union in eine CO2-arme und ressourcenschonende Kreislaufwirtschaft sicherzustellen und gleichzeitig die europäische Wirtschaft wettbewerbsfähig, innovativ und zukunftssicher aufzustellen. Denn am Ende entscheiden immer noch die Anleger selbst darüber, wie und wo sie ihr Geld investieren möchten.

[1] IPCC-Bericht 2021 – (IPCC: Intergovernmental Panel on Climate Change)
[2]
Mitteilung der Kommission, Der europäische Grüne Deal, COM (2019) 640 final, Dezember 2019
[3] Mitteilung der Europäischen Kommission, Aktionsplan: Finanzierung nachhaltigen Wachstums; März 2018
[4] Nachhaltigkeit erobert die Anlageberatung, Dezember 2020; https://www.dws.com/de-de/insights/investment-insights/nachhaltigkeit-erobert-die-anlageberatung/
[5] Grundsätzlich gilt: Aus Gründen der Lesbarkeit wird nur die männliche Form verwendet und Frauen sind mitgemeint.

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