Welche Pläne und Projekte haben Anbieter und welche Themen werden von institutionellen Investoren aktuell nachgefragt am Markt der Verwahrstellen und Custodians? Clemens Schuerhoff, Vorstand bei Kommalpha, wirft einen Blick auf die Trends.

In der Pipeline der Anbieter finden sich hauptsächlich Sachverhalte rund um ESG und entsprechenden Ausbau von Reporting und Datenintegration, Investment Controlling und Risiko Monitoring von alternativen Investments, Prozessoptimierung, Automatisierung, Business Development/Vertriebsinitiativen, Digitalisierung, Erweiterung von Reporting, Erschließung neuer Märkte sowie Datenmanagement wieder. Diese Themenliste ist weitestgehend deckungsgleich mit der Nachfrage seitens institutioneller Investoren außer rein internen Sachverhalten. Insofern lassen sich als aktuelle Themen im Markt alles rund um ESG, alternative Investments/Spezialitäten, Wertpapierleihe, Risikomanagement, Collateral Management, Konsolidierung Sondervermögen und Direktanlagen sowie Digitalisierung und Automatisierung festhalten. Kurzum geht es um Erschließung von Rendite- und Kostensenkungspotenzial. Das sind die Ergebnisse der Verwahrstellen- und Custody-Umfrage 2020. Lesen Sie hier mehr.

Prozessoptimierung, Digitalisierung und Kryptoverwahrung

Verbesserungspotenzial befindet sich bei den Anbietern überwiegend im Bereich der Digitalisierung mit dem Ziel der Prozessoptimierung zwecks Kostensenkung und Fehlerminimierung. Dies wird von allen Umfrageteilnehmern benannt. Effizienzsteigerung ist das aktuelle Motto, wobei dies bereits seit vielen Jahren mit unterschiedlichen Hintergründen der Fall ist.

Hinter dem Wort Digitalisierung finden sich eine Vielzahl von Themen, an denen die Verwahrstellen aktuell arbeiten. Stichwörter sind hier digitale Plattformen für Reporting, maschinelle Sprachverarbeitung in Bezug auf Kontrollfunktionen und Anlagegrenzprüfungen, Einlesen und Auswerten von Prospekten, Verträgen und Rechnungen, Einsatz von Robotern und Workflow Tools zur Zuordnung und Weiterverarbeitung von Arbeitsaufträgen sowie Verbuchung von Anteilscheingeschäften, ständige Neu- und Weiterentwicklung von APIs (Application Programming Interface), digitale Signaturen sowie insgesamt die Minimierung von Medienbrüchen und Erhöhung der User Experience. Alle Umfrageteilnehmer bis auf zwei bestätigen, dass sie 2020 in neue Systeme und Anwendungen in Höhe von zwischen 5 und 10 Millionen Euro investieren.

Als besonderes Thema ragt die Distributed-Ledger-Technologie (DLT) und die Verwahrung von digitalen („Krypto“-) Assets heraus. Seit einigen Jahren geistern diese Sachverhalte relativ generisch durch den Markt, aber nun haben sich einige griffige und operationelle Ansatzpunkte herausgebildet. Jüngster Meilenstein ist der Referentenentwurf des Gesetzes zur Einführung von elektronischen Wertpapieren.

Sehr vereinfacht gesagt soll es ermöglicht werden, Wertpapiere ohne Urkunde technologieneutral begeben zu können. Hinsichtlich der Registerführung wird es voraussichtlich zentrale und dezentrale Varianten geben. Es ist aber klar absehbar, dass durch diesen Schritt die Blockchain-Technologie Einzug in die gängige Praxis des Wertpapiergeschäfts finden wird. Tokenisierung, Security Tokens sowie public und private Keys werden bald keine Begriffe mehr für nerdige Technikfreaks sein, sondern sich in das Verständnis des normalen Wertpapiergeschäfts und Asset Servicing einprägen. Von den teilnehmenden Verwahrstellen planen 10 Häuser, eine BaFin-Lizenz für die Kryptoverwahrung zu beantragen beziehungsweise prüfen dies. Für sechs Banken ist dies derzeit noch kein Thema und zwei Anbieter haben keine Angaben diesbezüglich gemacht.

Regulierung bleibt Thema

Kein Beitrag ohne einen kurzen Hinweis auf weitere aktuelle Regulierungsthemen im Verwahrstellenmarkt. Wir belassen es bei einer stichpunktartigen Aufzählung: Central Securities Depositories Regulation (CSDR), zweite Aktionärsrechterichtlinie (ARUG II), Mindestanforderungen an das Depotgeschäft (MaDepot), Directive on Administrative Cooperation 6 (DAC 6), Konsultation Verwahrstellenrundschreiben, Reform der Referenzzinssätze EONIA,LIBOR und EURIBOR, Securities Financing Transactions Regulation (SFTR), Payment Services Directive II (PSD II) sowie die EU-Taxonomie Verordnung zum Thema Nachhaltigkeit/ESG.

Ausblick für Verwahrstellen und Custodians

Verwahrstellen und Custodians schreiten auf dem Weg voran, Technologiefirmen zu werden beziehungsweise die bereits vorhandene Kompetenz auszubauen. Es wird zu vermehrten Partnerschaften zwischen Banken und Fintechs kommen. Der Wettbewerb und der Kostendruck werden hoch bleiben und eine weitere Konsolidierung der Anbieter ist nicht unwahrscheinlich.

“Verwahrstellen und Custody-Services sowie das jeweilige Set-up der Anbieter werden für institutionelle Investoren und Asset Manager immer schwieriger zu unterscheiden sein. Es ist ratsam, bei Mandatierungen sehr genau hinzusehen. Allerdings wird das Geschäft trotz der ganzen Technologie auch weiterhin „people’s business“ bleiben. Dank COVID-19 ist dies zurzeit überwiegend noch virtuell, somit auch digital.”
Clemens Schuerhoff, Vorstand bei Kommalpha

Detaillierte, weitere Informationen der Umfrage finden Sie in der dpn-Ausgabe August/September 2020. Dort finden Sie auch den gesamten Roundtable zum Thema Verwahrstellen und Custody.

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