Beim dpn-Roundtable „Verwahrstellen & Custody“ diskutierten Hilke Althoff (BNP Paribas Securities Services), Katja Münch (ODDO BHF AM), Volker Pätzold, (VGH Versicherungen Hannover), Clemens Schuerhoff (Kommalpha, Gernot Wurzer (CACEIS) und Susanne Zyrus (DZ BANK), intensiv über Lehren aus der Coronakrise, aktuelle Herausforderungen sowie zukünftige Chancen.

Beim dpn-Roundtable „Verwahrstellen & Custody“ diskutierten Hilke Althoff, Head of Client Service Management Germany & Austria, BNP Paribas Securities Services, Katja Münch, Global Head of Client Service, ODDO BHF AM, Volker Pätzold, Bereichsleiter Asset Management, VGH Versicherungen Hannover, Clemens Schuerhoff, Vorstand, Kommalpha (digital zugeschaltet), Gernot Wurzer, Head of Business Development/Sales Deutschland & Österreich, CACEIS und Susanne Zyrus, Abteilungsleiterin Verwahrstelle, DZ BANK (digital zugeschaltet), intensiv über Lehren aus der Coronakrise, aktuelle Herausforderungen sowie zukünftige Chancen. Die Runde moderierten Michael Lennert, Chefredakteur dpn, und Antje Schiffler, Redakteurin dpn.

Frau Althoff, wie lauten die derzeitigen Topthemen auf der Agenda von BNP Paribas Securities Services?

Hilke Althoff: Ein Topthema ist sicherlich das Bestreben der vollständigen Abdeckung neuer Asset-Klassen durch die institutionellen Investoren. Bedingt durch das Niedrigzinsumfeld, zeigen die institutionellen Anleger ein vermehrtes Interesse an neuen Märkten. Beispielsweise ist China Mainland derzeit ein sehr stark nachgefragter Markt. Daneben sind die Optimierung von Geldanlagen mit Geldmarktfonds und Termineinlagen, der Einsatz von Zielfondsanteilen, auch verbunden mit der Generierung von Bestandsprovisionen, oder der Fokus auf nicht genutzte Quellensteuern weitere Themen, die unsere Kunden derzeit sehr stark beschäftigen. Generell versuchen unsere Klienten zunehmend, alle ihnen zur Verfügung stehenden Quellen des Returns zu erschließen und zu nutzen.

Herr Wurzer, welche Themen treiben Sie aktuell um?

Gernot Wurzer: Zwei Themen, die uns aktuell sehr umtreiben und die wir heute sicherlich noch im Detail besprechen werden, sind die Themen ESG und Digitalisierung. Daneben steht bei uns die vollständige Integration der KAS-BANK an, die wir voriges Jahr gekauft haben. Hier wollen wir versuchen, das Pensions-Know-how, das insbesondere in Holland angesiedelt ist, auf andere Länder und natürlich speziell auf Deutschland zu übertragen. Hier gibt es noch einiges zu tun, wobei wir sehr zuversichtlich sind, diese Prozesse bis zum Ende des Jahres erfolgreich abgeschlossen und implementiert zu haben.

Herr Pätzold, wie lautet Ihre Antwort auf das aktuelle Niedrigzinsumfeld? Sind Sie auch auf der Suche nach neuen Anlageklassen wie beispielsweise China Mainland?

Volker Pätzold: Nein, wir sind nicht auf der Suche nach neuen Asset-Klassen, sondern sehr zufrieden mit den Bestehenden. Grundsätzlich verfolgen wir einen Two-Fund-Separation-Ansatz. Dabei ist das Risikoportfolio zweigeteilt in einen liquiden Teil und in einen illiquiden Teil. Der illiquide Teil ist der kleinere Teil und besteht aus Hypothekendarlehen, ungedeckten Bankschuldverschreibungen, Sparkassen-Schuldverschreibungen, Private Equity und Immobilien. Dabei wird der Immobilienanteil im Moment gerade weiter ausgebaut. Das 5 Milliarden Euro schwere liquide Portfolio wird wiederum über eine Dachfonds-Zielfonds-Konstruktion abgebildet und besteht aus MSCI-World-Aktien, Staatsanleihen, Corporate Bonds, High-Yield-Anleihen und Emerging-Markets-Anleihen.

Frau Münch, welche Themen beschäftigen Sie derzeit am meisten?

Katja Münch: Herr Wurzer hat zwei davon bereits genannt, ESG sowie die Digitalisierung.

Pätzold: Wenn ich das auch noch ergänzen darf. Auf unserer Seite ist natürlich auch die Nachhaltigkeit ein sehr großes Thema.

Frau Zyrus, Ihre Meinung dazu?

Susanne Zyrus: Nachhaltigkeit und Digitalisierung sind aktuell die großen Themen für Kunden, aber auch für uns in der Bank. Wir sehen zum Beispiel, dass institutionelle Anleger zunehmend selektiver bei der Auswahl der einzelnen Asset-Klassen vorgehen, um das aktuelle Niedrigzinsumfeld zu überwinden. Als Verwahrstelle beschäftigen wir uns momentan auch damit, unsere öffentliche Wahrnehmung zu steigern. Waren wir bisher vor allem als Verwahrstelle für Union Investment bekannt, hat sich das dank einer Vertriebsinitiative mit der DZ PRIVATBANK mittlerweile geändert. Unter dem Namen Fondshafen bündeln wir die Dienstleistungen rund um das Asset Servicing der DZ BANK Gruppe in Deutschland und Luxemburg. Das erhöht unsere Schlagkraft, auch im öffentlichen Auftritt.

Pätzold: In Luxemburg und Deutschland?

Zyrus: Ja, genau. Wir bündeln die Verwahrstellenfunktion für Wertpapier- und Immobilienfonds in Deutschland, die ganzheitliche Fondsadmin sowie die Vertriebsunterstützung und Verwahrstellenfunktion für in Luxemburg domizilierte Fonds. Das Konzept sieht vor, dass alle Dienstleistungen aus einer Hand kommen. Diese Leistungen erbringen wir schon seit vielen Jahren. Jetzt suchen wir noch aktiver nach neuen Partnerschaften für unsere Services.

Können Sie das Konzept des Fondshafens näher erläutern?

Zyrus: Im Fondshafen bündeln wir das Dienstleistungsangebot der DZ BANK, DZ PRIVATBANK sowie der IPConcept für liquide und illiquide Assets. Alle drei zentralen Dienstleistungen, wie die Verwahrstellenfunktion für Fonds, die Service-KVG und Depotservices, werden eingebracht. Unsere Kunden profitieren gebündelt von den Stärken aller drei Kooperationspartner, die jeweils kundenindividuelle Lösungen anbieten, sowie den optimalen Rahmenbedingungen – Top Rating, verständliches, nachhaltiges Geschäftsmodell und eine bekannte verlässliche Eigentümerstruktur. Die DZ BANK ist also sinngemäß der sichere Hafen, den man bei stürmischer See gerne ansteuert und wo alle notwendigen Anker- und Lagerplätze vorhanden sind.

Muss ich als Kunde Teil des genossenschaftlichen Sektors sein?

Zyrus: Nein. Das Angebot richtet sich an Institutionelle, Fondsinitiatoren, Family Offices, Asset Manager und KVGen.

Quelle dpn Archiv

Was unterscheidet Sie jetzt von einem anderen Anbieter?

Zyrus: Als deutsches Bankhaus sind wir auf die Kunden der DACH-Region und deren Anforderungen fokussiert. Alle strategischen Entscheidungen zum Geschäftsfeld werden direkt vor Ort getroffen. Sowohl in Deutschland als auch in Luxemburg arbeiten wir in allen wesentlichen Prozessen mit eigenen Mitarbeitern und betreiben Sourcing-Strategien nur im Verbund oder mit strategischen Partnern. Dadurch können unsere Partner und Kunden durch die gesamte Prozesskette auf deutschsprachige Experten zurückgreifen. Dieser Betreuungsaspekt ist vor allem auch in der Coronakrise sehr gut angekommen.

Bevor wir zum Thema ESG kommen, die Coronakrise ist ein gutes Stichwort. Wie sind Sie durch die Krise gekommen, und welche Lehren haben Sie gezogen?

Wurzer: Die Coronakrise hat insbesondere am Anfang der Krise die Volatilität an den Märkten sowie die Anzahl der Transaktionen sehr nach oben getrieben. Das abzudecken, war nicht einfach. Um Ihnen ein Gefühl zu geben, das Transaktionsvolumen hat sich mehr als verdoppelt. Damit haben wir zwar gerechnet, wenngleich nicht in dieser Dimension.

Konnten Sie das erhöhte Transaktionsvolumen abbilden?

Wurzer: Das konnten wir abbilden, weil wir bereits bis 2019 unsere Transaktionskapazitäten auf der IT-Seite massiv ausgebaut hatten. Bei entsprechend hohem Automatisierungsgrad bleiben dennoch einzelne manuelle Kontrollen oder Korrekturen notwendig – diese steigen natürlich mit dem erhöhten Transaktionsvolumen. Aber grundsätzlich ist alles gut abgelaufen. Dafür haben wir einerseits von unseren Kunden ein extrem positives Feedback bekommen und andererseits haben wir dadurch auch die Aufmerksamkeit von potentiellen Neukunden auf uns gezogen.

Althoff: Nein, ganz im Gegenteil. Die Krise hat auch viel Positives ans Licht befördert wie beispielsweise eine Beschleunigung bei der Digitalisierung. Daneben gibt es mittlerweile ein sehr viel größeres Interesse an klar abgestimmten, dokumentierten Prozessen und am Einsatz von sogenannten Query Tools. Zudem haben wir auch gesehen, dass etwa das Thema Beschwerdemanagement eine ganz neuartige, sehr positive Komponente bekommen hat. Es fällt uns mittlerweile viel leichter, gemeinsam mit den Kunden, den KVGen und Asset Managern zu eruieren, wo die Trigger-Punkte liegen oder der Schuh drückt, um daraus Lösungen abzuleiten, die alle am Prozess Beteiligten entlasten sowie die Komplexität der Prozesse reduzieren.

Herr Pätzold, haben Sie während der ganzen Coronazeit genügend Support durch die Anbieter bekommen?

Pätzold: Am Anfang herrschte natürlich eine hohe Unsicherheit. Diese hat sich jedoch schnell gelegt. Wenn ich das heute rückblickend betrachte, hat alles – auch der Support durch die Anbieter – recht gut geklappt. Ich war am Anfang skeptischer. Was auf der Strecke geblieben ist, ist der Austausch unter den Mitarbeitern oder die Einarbeitung neuer Mitarbeiter. Das funktioniert natürlich aus dem Homeoffice nicht ganz so gut. Was die Performance betrifft, erlebten wir am Anfang der Krise sicherlich einen Einbruch, aber diese erholte sich im Laufe des Jahres. Und auch hier haben die Systeme im Großen und Ganzen sehr gut funktioniert. Wir wussten immer genau wo wir stehen.

Wie sind Sie mit dem Thema Illiquidität umgegangen. War das Thema Illiquidität ein Verstärker oder ein Stabilisator in der Krise?

Pätzold: Beide Prozesse liefen zeitversetzt im Portfolio ab. Unter dem Strich sind wir Performance-seitig sehr gut durch die Krise gekommen.

Wie war es bei Ihnen, Frau Münch?

Münch: Ich kann mich in vielem dem Gesagten anschließen. Allerdings sehe ich auch, dass gerade die Führungskräfte immer noch besonders gefordert sind. Stichwort Kommunikation.

Welche Art der Kommunikation empfehlen Sie deswegen?

Münch: Beispielsweise haben wir mit den Kollegen digitale After-Work-Drinks oder feste Jour-fixe-Online-Zoom-Meetings verabredet, einfach nur um Caring und Socializing zu betreiben.

Zyrus: Ich erlebe auch, dass viele Kollegen und Kunden mittlerweile etwas „digitalmüde“ sind. Nach zwölf Monaten mit Webinaren, digitale Messen und Webex-Konferenzen freut man sich richtig, Partner und Kunden auch mal wieder live und „in Farbe“ zu sehen.

Ich könnte mir zudem vorstellen, dass es sehr schwer ist, viele Neuabschlüsse zu tätigen, ohne die Kunden persönlich zu treffen?

Althoff: Sie haben Recht. Es ist natürlich schwieriger, Vertrieb rein digital durchzuführen. Auch wenn man sich digital sieht, es ist trotzdem nicht das Gleiche, als wenn man im selben Raum sitzt. Man bekommt die gesamte nonverbale Interaktion des Gegenübers einfach nicht eins zu eins mit. Für unsere Vertriebler war das schon sehr herausfordernd.

Clemens Schuerhoff: Ein Punkt, der auch wirklich bemerkenswert ist. Die Corona-Pandemie hat nicht dazu geführt, dass zu wenig Liquidität im Markt ist oder die Anlageprozesse und Innovationsprozesse verzögert oder gar gestoppt wurden. Das Jahr 2020 war durchaus geprägt von hohen Mittelaufkommen und Mittelzuflüssen in beispielsweise Spezialfonds. Da gab es keinen Einbruch. Vielleicht sogar im Gegenteil. Es ist sehr viel frisches Geld in Wertpapier- oder Immobilienprodukte geflossen. Bedenklicher sehe ich eher die vielfältigen Geldflutungen der Notenbanken sowie die Tatsache, dass sich die Narrative der Notenbanken im Hinblick auf die Inflation geändert haben. Wir alle wissen, es stehen bei den USA mittlerweile Zahlen von 4 bis 5 Prozent und 2 bis 3 Prozent hier in Deutschland oder in Europa im Raum. Das macht natürlich die Gesamtsituation mit Blick auf die Kapital- und Zinsmärkte nicht einfacher. Einen letzten Punkt, den ich sehr beachtenswert finde, ist das Thema Cyber-Sicherheit sowohl mit den Mitarbeitern zu Hause, aber auch bei allen Schnittstellen mit Kunden. Cyber-Sicherheit ist mir persönlich zu wenig auf der Agenda. Insofern: lange Rede, kurzer Sinn − Corona unter dem Strich im Großen und Ganzen exzellent überstanden. Aber die zu meisternden Herausforderungen sind sicherlich nicht gesunken.

Bevor wir uns dem Thema Cyber-Sicherheit widmen, lassen Sie uns zuerst über das Thema ESG sprechen. Frau Althoff, welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit im Hause BNP.

Althoff: Eine sehr große. Wir sind uns als großes europäisches Haus unserer sozialen und gesellschaftlichen Verantwortung sowie unserer Verantwortung gegenüber der Umwelt sehr bewusst. Als BNP-Gruppe zeigen wir dies etwa, indem wir den ESG-Kriterien in jeglicher Form und Ausprägung einen sehr hohen Tribut zollen, Green Bonds emittieren, den Carbon Footprint im Auge behalten oder unsere internen Richtlinien nach nachhaltigen Kriterien ausrichten. Beispielsweise haben wir aktuell unsere Reiserichtlinien angepasst. Flüge von Frankfurt nach München sind jetzt nur noch auf eigene Kosten möglich. Das finde ich vorbildlich.

Wurzer: Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang speziell auf das Thema ESG-Reporting eingehen. Beim ESG-Reporting sehe ich derzeit auf der Wertpapierseite weniger Probleme. Den größeren Aufwand sehen wir auf der Alternatives-Seite. Zwar dient uns hier die Sustainable-Finance-Richtlinie als Richtschnur. Die erhöhten Anforderungen dieser ESG-Reportings, die Komplexität der alternativen Anlagen sowie die Unsicherheit, was letztlich final für Anforderungen auf uns zukommen, sind weiter große Herausforderungen, die uns in Zukunft begleiten werden. Anmerken möchte ich auch noch, dass sich weder die „Regulatoren“ noch alle Marktteilnehmer bisher auf ein einheitliche Standards beziehungsweise Inhalte einigen konnten. Hier steht uns noch ein längerer Anpassungsprozess bevor.

Zyrus: Es stimmt, ESG ist ein sehr wichtiges Thema. Deswegen ist es aus meiner Sicht auch notwendig, ein gutes Nachhaltigkeits-Rating oder -Siegel zu erreichen. Ein eigenes ESG-Verwahrstellen-Reporting planen wir aktuell nicht. Es wird sich zeigen, wie viele Dienstleistungen und ESG-Reportings von den Kunden benötigt und nachgefragt werden und welche Pflichten sich daraus für die Verwahrstelle ergeben. Da es jedoch noch keine einheitlichen Standards gibt, wissen wir auch hier nicht, welche Anforderungen letztendlich auf uns zukommen. Deswegen sollten wir aus meiner Sicht auch ein Auge darauf haben, dass wir Produkte und Dienstleistungen nicht unnötig verteuern, indem sich beispielsweise die angebotenen Services zweier Partner zu sehr überschneiden.

Herr Pätzold, Sie sagten, Nachhaltigkeit sei auch für Ihr Haus ein Thema. Welche nachhaltigen Ansätze verfolgen Sie und wie zufrieden sind Sie mit dem Angebot der Dienstleister?

Pätzold: Wir sind erst mal recht zufrieden mit unserem Nachhaltigkeitsansatz. Auf der einen Seite verfolgen wir einen Negativkriterienansatz und schließen bestimmte Unternehmen wie beispielsweise Fracking-Unternehmen aus. Das hat im vergangenen Jahr zu einer Outperformance unserer Anlagen geführt und bestärkt uns darin, diesen Weg weiterzugehen. Auf der anderen Seite sind wir dabei unsere Kundenprodukte zumindest Artikel-8-konform zu gestalten. Generell erwarten wir von den Dienstleistern, dass diese die von uns gewünschten ESG-Konzepte individuell abbilden können. Zudem erwarten wir, dass unsere ESG-Konzepte kontinuierlich überwacht sowie Verstöße gegen diese uns zeitnah gemeldet werden.

Wie ist es bei Ihnen, Frau Münch?

Münch: Wir haben ein relativ großes ESG-Team, welches derzeit sehr damit beschäftigt ist, dass alle unsere Fonds sukzessive mindestens auf die Anforderungen des Artikels 8, wenn nicht gar auf die des Artikels 9 der EU-Offenlegungsverordnung umgestellt werden.

Wie zufrieden sind Sie mit ESG-Ratings, die Sie am Markt angeboten bekommen?

Münch: Wir erstellen unser eigenes ESG-Reporting. Das vielleicht als Feedback an die Verwahrstellen. Diese kommen natürlich auch immer auf uns zu und sagen, wir haben ausgezeichnete ESG-Ratings oder -Reportings, aber da bin ich bei Frau Zyrus. Eine berechtigte Frage lautet hier sicher: Wie nachhaltig ist es als Verwahrstelle, Dienstleistungen anzubieten, die es am Markt bereits gibt? Dahinter muss ich fairerweise ein Fragezeichen setzen.

Nehmen wir an, Sie führen einen Beauty-Contest durch. Welche Kriterien sind für Sie bei der Auswahl eines Verwahrstellenanbieters wichtig?

Münch: Im Großen und Ganzen ähneln sich die Anbieter sehr, haben ähnliche Dienstleistungen und ähnliche Servicepakete. Ich persönlich lege besonderen Wert auf einen konkreten Ansprechpartner, der mich als Kunden versteht, der meine Anforderungen versteht und der weiß, wie er mein Anliegen in seiner Organisation navigieren muss, um es zu lösen. Das ist für mich ein relevanter Soft-Faktor. Und natürlich spielt auch der Preis eine entscheidende Rolle.

Pätzold: Wir schauen auch auf den Preis, aber vorrangig auf das Gesamtbild. Im Großen und Ganzen müssen die Prozesse stimmen. Daneben beurteilen wir die Bereitschaft des Anbieters, auf kundenindividuelle Wünsche einzugehen und schauen darauf, wie die Liquidität verzinst wird. Grundsätzlich auschlaggebend ist unsere finale Einschätzung, ob wir mit dem Anbieter vertrauensvoll und auf Augenhöhe arbeiten können.

Zyrus: Neben dem Gesagten fällt mir der Spruch ein: Billig ist nicht immer preiswert. Da die Modelle für institutionelle Investoren am Markt teilweise recht komplex sind, würde ich persönlich immer dafür plädieren, ein möglichst transparentes Preismodell zu wählen. Gut, in diesem Fall ist dieser Anbieter vielleicht nicht immer der preiswerteste, dafür aber für den Kunden berechenbarer. Ich bin auch bei Herrn Pätzold, wenn er sagt, Vertrauen ist das Allerwichtigste. Zudem plädiere ich für Ehrlichkeit. Ehrlichkeit in dem Sinne, dass, wenn ich zum Kunden gehe und ihm Dienstleistungen anbiete, ich ihm ehrlich sage, was ich kann und was ich nicht kann. Darüber hinaus würde ich auch die Analyse der Eigentümerstruktur und das Commitment des Anbieters zum Geschäft in Deutschland nicht vernachlässigen.

Frau Althoff, welche Dienstleistungen werden im Moment von Seiten der Kunden besonders nachgefragt?

Althoff: Besonders nachgefragt werden derzeit alternative Anlageformen wie Private Equity, Private Debt, erneuerbare Energien oder Infrastruktur. Daneben erfahren Themen wie Collateral und Cash Management eine konstante Nachfrage. Wiederum ein weiter zunehmendes Interesse verspüren wir bei der Wertpapierleihe.

Wurzer: Das Outsourcing von Aktivitäten, speziell auf der Fonds-Admin-Seite ist definitiv ein Thema, das wir im Moment vermehrt sehen. Wir sehen auch häufiger, dass Kunden Fonds auflegen, bei denen sie Wertpapiere und Alternatives in einer Struktur bündeln. Gleichzeitig werden wegen der Negativzinsphase alle möglichen Optionen intensiv geprüft, um Cash so vielversprechend wie möglich anzulegen. Wir arbeiten beispielsweise sehr eng mit Amundi zusammen, die diesbezüglich recht erfolgreich drei verschiedene Ansätze in dem Cash-Segment fahren. Eine revolutionäre Entwicklung sehe ich dieses Jahr gleichwohl nicht. Dieses Jahr geht es vielmehr darum, Feinheiten von existierenden Produkten und Serviceleistungen anzupassen.

Fragen Sie etwas Spezielles nach, Herr Pätzold?

Pätzold: Die Wertpapierleihe ist bei uns auch ein Thema. Krypto-Währungen hingegen sind für mich wie Tulpenzwiebeln in Holland. Sie sind eigentlich nur Volatilität, weder Wertaufbewahrungsmittel noch schützen sie vor Inflation, und überhaupt nicht nachhaltig.

Wurzer: Man muss ja unterscheiden zwischen den Krypto-Währungen und der Tokenisierung von Wertpapieren. Das ist noch mal was anderes. Und ich denke, das wird definitiv kommen. Ich glaube, da führt auch kein Weg dran vorbei.

Pätzold: Wo ist der Mehrwert?

Wurzer: Der Mehrwert entsteht dadurch, dass alles im elektronischen Format abläuft – Stichwort Digitalisierung. Das ist mittlerweile auch von der BaFin sowie vom Regulator in Luxemburg anerkannt. CACEIS ist zu diesem Zweck auch bereits in diversen Projekten, wie jenem mit der Banque de France, et cetera engagiert. Viele andere Unternehmen, wie zum Beispiel auch eine Citi Group, Morgan Stanley und ähnliche, haben eben aus diesem Grund auch schon Zweckgesellschaften gegründet, um unabhängig von vom Tagesgeschäft losgelöst entwickeln beziehungsweise testen zu können.

Schuerhoff: Interessant ist hier zudem noch ein anderer Aspekt. Das Fonds-Standortgesetz wird es ja Spezialfonds ermöglichen, bis zu 20 Prozent in Kryptowährungen zu investieren. Natürlich stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, was der Gesetzgeber unter Kryptowerten im Detail versteht: Sind das Bitcoins, Ether, tokenisierte Schuldverschreibungen oder andere Vermögensgegenstände? Nichtsdestotrotz ist dies ein eindeutiges Signal, diesen Bereich zu fördern.

Lassen Sie uns den Blick in die Zukunft richten. Welche Themen werden Sie in der Zukunft besonders beschäftigen?

Zyrus: Durch die Übernahme der Aktivitäten eines Wettbewerbers im vergangenen Jahr sind wir zur größten deutschen Verwahrstelle auf der Sachwerteseite geworden. Das war in der Pandemie ein ordentliches Pfund, und wir wollen bei den Alternative Investments weiter wachsen. Dabei haben wir festgestellt, dass wir das Thema Digitalisierung noch energischer vorantreiben müssen. Auch deswegen, weil man auf der Sachwerteseite viele nicht standardisierte Transaktionen begleitet und weniger industrialisiert arbeitet als auf der Wertpapierseite. Das nächste große Thema, mit dem wir uns beschäftigen werden, ist das Krypto-Verwahrgeschäft. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich die gesamte Verwahrlandschaft dadurch noch mal ändern wird. Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, sich rechtzeitig zu positionieren.

Schuerhoff: Da es sich hierbei um eine Vielzahl von Themen handelt, bitte erlauben Sie mir, wenn ich mich auf wenige Schlagworte konzentriere. Natürlich werden es weiter die ESG-Themen sein, dabei insbesondere die Datenverfügbarkeit, die Herstellung von Konsistenz im Reporting oder aber auch die Harmonisierung mit der Taxonomie und den konkretisierenden Verordnungen. Dann das gesamte Thema rund um die Nutzung von Distributed-Ledger-Technologie, also Krypto-Verwahrung, Lizenzerwerb auf Verwahrstellenseite. Und ich denke, wichtige Themen werden die Optimierung und die stetige Verbesserung von Schnittstellen, von Interfaces, die Automatisierung und die Nutzung von verschiedenen Techniken sein, ob das jetzt Ticketing-Systeme sind, wie sie Frau Althoff angesprochen hat, oder eben Robots im Bereich des Auslesens von Verträgen oder im Dokumenten-Management auf der Immobilienseite. Auch in Zukunft wird es eine Menge Möglichkeiten geben, Prozesse zu verbessern.

Welche Projekte stehen bei Ihnen die kommenden zwölf Monate auf der Agenda?

Wurzer: Konkret werden wir in den nächsten zwölf Monaten einen großen Fokus darauf legen, zwei Plattformen in Deutschland auf den Markt zu bringen. Das ist auf der einen Seite die ALTO-Plattform. ALTO steht für „Amundi Leading Technologies and Operations“ und ist eine „Rundum-sorglos-Plattform“, die für Investoren die ganze Bandbreite der Wertschöpfungskette an Dienstleistungen – von der Pre-Trade-Analyse, der Ausführung der Trades über das Settlement bis zum Clearing, der Verwahrung oder dem Risiko- und Performance-Reporting sowie ESG-Reporting – abdeckt. Der große Vorteil der Plattform ist dabei, dass man nicht alle Dienstleistungen nutzen muss, sondern sie selektiv je nach Bedarf zusammenstellen kann. Auf der anderen Seite geht es um die TEEPI-Plattform, welche es unseren Investoren (kostenlos) und Asset Manager (gegen Gebühr) Kunden einerseits den Kauf und Verkauf von Fondsanteilen ermöglicht und andererseits den Fondsanbietern alle für den KYC-Prozess möglichen und nötigen Daten und Informationen auf einer separaten Seite innerhalb dieser Plattform abzuspeichern. Zusätzlich dazu kommen noch das Go-Live unserer gemeinsam mit Broadridge aufgesetzten SRD-II-Lösung sowie die Auflage des in Deutschland ersten geschlossenen Sondervermögens mit unserem Partner Kontora.

Frau Althoff, wie lauten Ihre Pläne für das kommende Jahr?

Althoff: Ein großes Thema für uns wird weiter das Derivate-Clearing sein. Daneben wird das Insourcing von Middle-Office und Backoffice-Dienstleistungen weiter für uns zentral sein. Hier sehen wir nebenbei einige Anbieter, die darüber nachdenken oder auch schon wirklich initiieren, Teile dieser Wertschöpfungskette beispielsweise an uns abzugeben. Nicht zu vergessen die Talent- und Mitarbeiterförderung. Das sind Aufgabenstellungen, die ich mir persönlich sehr auf die Fahne geschrieben habe. Frau Münch sagte das bereits absolut richtig, das Management wird hier weiter sehr stark gefragt sein. Gerade in Zeiten der Unsicherheit und des nachhaltigen Agierens gilt es, die Mitarbeiter zu stärken, dafür zu sorgen, dass sie im Haus bleiben und mit Freude ihre Arbeit erledigen.

Vielen Dank für das Gespräch. 

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