Universal Investment verfolgt ambitionierte Pläne für die nächsten fünf Jahre. Michael Lennert sprach darüber mit Katja Müller, Chief Customer Officer (CCO) bei Universal Investment.

Frau Müller, können Sie ein Update zu Universal Investment geben?

Katja Müller: Universal Investment geht es sehr gut. Wir haben alle Ziele, die wir uns im vergangenen Jahr vorgenommen haben, erreicht. Somit stehen unsere Segel richtig im Wind. Auf einzelne Punkte hierzu werden wir im Laufe des Interviews bestimmt noch näher eingehen.

Werden wir. Wofür steht Universal Investment?

Müller: Universal Investment steht für eine zuverlässige KVG, die Administrationsdienstleistungen über alle Asset-Klassen, also das Wertpapiergeschäft, Immobilien und alternative Asset-Klassen, aus einer Hand anbietet. Und zwar für zwei Kundengruppen: institutionelle Investoren und Fondsinitiatoren. Das ist das, was uns seit mehr als 50 Jahren ausmacht und worin wir eine sehr große Expertise haben. Wir erleben seit ungefähr zehn Jahren eine verstärkte Tendenz hin zu alternativen Anlagen. Diese Entwicklung wurde noch einmal richtig geboostert durch die Niedrigzinsen. Dieser Trend hält nach wie vor an, wobei unsere Kunden diversifizierter werden.

Im Immobilienbereich zum Beispiel reicht es nicht mehr, nur in Immobilien in Deutschland und Europa zu investieren, sondern unsere Kunden wollen jetzt beispielsweise auch in Asien oder in Amerika Immobilien erwerben. Wir sind ein Partner, der diese Wünsche ermöglicht. Gleiches gilt auch für die alternative Seite. Waren es am Anfang einfache Fund-of-Funds-Strukturen, die nachgefragt wurden, sind es mittlerweile sehr oft Direct Investments, in die institutionelle Investoren investieren. Auch hier haben sich sowohl die Anforderungen und das Know-how unserer Kundschaft als auch unsere Administrationsplattform sehr professionalisiert.

Eine neue Nachfrage verspüren wir beim Thema der digitalen Assets. Unsere Kunden interessieren sich sehr dafür. Das heißt natürlich jetzt nicht, dass alle institutionellen Investoren Kryptoanleger werden. Die Investoren interessieren sich gleichwohl besonders für die Technologie, die dahintersteht, also die Blockchain, und wollen diesbezüglich stets up to date bleiben, aber zum Teil auch in die ersten digitale Assets investieren. Auch dafür haben wir bereits 2020 unsere digitale Investmentplattform UI Enlyte gegründet.

Welche Dienstleistungen werden derzeit besonders nachgefragt?

Müller: Die sogenannten Core-Dienstleistungen bestehen in unserem Hause darin, mannigfache Administrations- und Reporting-Dienstleistungen anzubieten. Bei den Zusatzdienstleistungen im Wertpapiergeschäft geht es beispielsweise darum, der institutionellen Kundschaft ein Risiko-Overlay anzubieten, damit diese in der Lage ist, Risikosteuerungsstrategien zu fahren. Risiko-Overlay-Strategien werden von unseren institutionellen Investoren
insbesondere nachgefragt und eingesetzt, um sich gegen Volatilitäten in den Märkten zu schützen. Bei den alternativen Asset-Klassen legen unsere Kunden wiederum besonders Wert darauf, dass die alternativen Produkte sauber administriert werden und dass sie über ein Gesamt-Reporting verfügen, damit sie stets verfolgen können, wie der alternative Anteil in die Gesamtallokation eingebettet ist, welchen Performance-Anteil er erwirtschaftet
und wie das Rendite-Risiko-Profi l oder die Risikokennzahlen beschaff en sind.
In diesen Dienstleistungen liegen unsere Kernkompetenzen. Daneben spielen für uns die regulatorischen Anforderungen des Investors und der investierten Assets sowie die Herausforderung, dies unter einen gemeinsamen Hut zu bekommen, sprich die passende Struktur und das dazu passende Vehikel für den Kunden zu finden, eine sehr zentrale Rolle.

Was für Trends sehen Sie derzeit bei den institutionellen Investoren?

Müller: Zum einen alles, was mit dem Thema der Digitalisierung zu tun hat. Dabei sind Kryptowährungen nur ein ganz kleiner Bestandteil. Grundsätzlich geht es hierbei um die Technologien, die dahinterstehen, und Fragen dazu. Also beispielsweise: Wie funktionieren digitale Wertpapiere? Wie kann man diese erwerben? Wie bekommt eine Plattform das administriert? Kann man in digitale Asset-Klassen investieren? Und wenn ja, in welche? Mit diesen
Digitalisierungsthemen beschäftigen sich die institutionellen Anleger derzeit sehr und mit UI Enlyte bieten wir hier Lösungsansätze. Zum anderen gehen die Institutionellen bei den einzelnen Asset-Klassen immer mehr in die Tiefe und diversifizieren diese weiter. Das Spektrum der Anlagen wird somit stets größer, beispielsweise indem diese bei den alternativen Anlagen in Venture Capital oder in Timber investieren. Wir als Plattform müssen natürlich in der
Lage sein, dies alles administrativ abbilden zu können.

Und Sie können das alles?

Müller: Ja, wir können das. Das ist unser Anspruch und darauf sind wir stolz. Der institutionelle Kunde ist natürlich auch gefordert, den passenden Asset Manager dazu zu finden. Beispielsweise wenn er in Timber in Südamerika investiert. Das ist gleichwohl nicht unser Part, aber administrieren können wir es.

Wie spüren Sie neue Ideen am Markt auf?

Müller: Man muss immer ein Ohr am Markt haben. Neue Investment-Ideen entstehen jedoch vor allen Dingen bei den Asset Managern. Wir sind auch aufgrund unserer institutionellen Kunden mit fast 500 Managern verbunden. Aus diesen Gesprächen erfährt man einiges. So entstand zum Beispiel die Idee von Direct-Debt-Investments. Daneben muss man stets ein Ohr bei der Regulatorik haben. Ein Beispiel hierfür ist wie bereits schon gesagt die Erlaubnis der BaFin, in bestimmten Spezialfonds auch ein Krypto-Exposure zu integrieren. Auf dem Papier klingt das einfach. Administrativ muss man dies jedoch erst mal darstellen und umsetzen können. Das ist nicht lapidar. Ebenso wie zukünftig die Darstellung von digitalen Fonds. Wir haben hier frühzeitig die richtigen Weichen gestellt. Aber natürlich versuchen auch wir unser Produktangebot in Bezug auf die Wertschöpfungsbreite und -tiefe
sinnvoll zu erweitern. Deswegen haben wir zum Beispiel UI labs, eine ehemalige IT-Tochter von Lupus alpha, gekauft. Das Ziel hierbei war die Bereitstellung eines aktiven Management-Tools für unsere Kunden sowie die Erweiterung unserer Front-Office-Lösungen.

Wie entscheidend ist der Standort für die Bereitstellung der Administrationsdienstleistung?

Müller: Deutschland ist als Domizilierungsstandort unser Heimatstandort. Hier sind wir sehr erfolgreich. Das wird
auch so bleiben. Dazu kam bereits vor 20 Jahren Luxemburg. Luxemburg ist wegen der dortigen Administrationsmöglichkeiten für alternative Anlagen besonders wichtig für uns. Was sich darüber hinaus
immer mehr abzeichnete, ist die Tatsache, dass die institutionellen Kunden, aber auch die Fondsinitiatoren vermehrt über einen dritten Standort nachdenken. Deswegen haben wir uns vergangenes Jahr entschieden, in den irischen Markt einzusteigen durch die Übernahme der dortigen Fondsverwaltungsgesellschaft vom Bankhaus Metzler. Aus der institutionellen Perspektive muss man dazu sagen, dass alle drei Standorte EU-reguliert
sind. Trotzdem gibt es Nuancen im Detail. Beispielsweise schauen Fondsinitiatoren, wenn sie frankophil sind, eher nach Luxemburg, während UK-Manager eher über irische Fonds nachdenken. Daneben werden in Irland beispielsweise auch viele ETFs aufgelegt. Jeder Standort hat seine Berechtigung.

Was machen Sie Ihrer Ansicht nach besser als Mitbewerber?

Müller: Wir können alle Asset-Klassen für die Kunden administrieren. Das kann nicht jeder. Das ist schon mal ein absoluter USP. Was macht uns sonst noch besonders? Wir sind konzernunabhängig. Und wir sind nicht nur konzernunabhängig. Wir sind grundsätzlich unabhängig. Unsere DNA sind KVG-Dienstleistungen und die Administration. Wir bieten keine Verwahrstellenservices an. Wir bieten kein aktives Asset Management an. Somit gibt es überhaupt keine potenziellen Interessenkonflikte in die eine oder andere Richtung. Was macht uns noch besonders? Wir haben eine sehr leistungsstarke IT-Tochter mit 70 Mitarbeitern. Daneben haben wir eine eigene Inhouse-Rechtsabteilung sowie eine eigene Inhouse-Steuerabteilung. Wir machen keine eigene Steuerberatung. Aber wir können den Kunden darlegen, welche Auswirkungen verschiedene Konstruktionen, Fondsvehikel oder -strukturen haben. Dies wird sehr geschätzt. Wir können zudem die Wertschöpfungskette aufbrechen und bieten maßgeschneiderte Kundenlösungen für verschiedene Kundenbedürfnisse an. Das ist gerade ein großer Trend im
Markt. Beispielsweise haben wir kürzlich einen großen Kunden gewonnen, der wollte von uns keine KVG-Dienstleistungen, sondern nur die Administration. Das ist völlig in Ordnung für uns.

Sie wurden vom Private-Equity-Unternehmen Montagu übernommen? Ich könnte mir vorstellen, dass Montagu Ihnen sportliche Ziele vorgibt. Stellt dies ein Problem für Sie dar?

Müller: Private Equity ist nicht gleich Private Equity. Montagu ist ein Eigentümer, der durch gründliche Analysen und gezielte Investments, Unternehmen zu ihrem vollen Potenzial führt. Wir haben beide die gleiche Historie und wurden 1968 gegründet. Ein Fakt, der für ein langjähriges Dasein am Markt spricht. Das Wichtigste aber: Die Kundschaft von Montagu sind institutionelle Kunden. Unsere Kunden sind institutionelle Kunden. Deswegen
herrscht absolute Interessengleichheit. Bei uns wie bei Montagu steht der Kunde im Fokus, das langfristige Wachstum und nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung. Montagu hat uns mit Geld und Wissen noch mal einen richtigen Schub gegeben, um in Innovation investieren zu können. Das macht Montagu wirklich grandios.

Welche Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit bei Universal Investment?

Müller: Sie sprechen ein sehr wichtiges Thema an. ESG ist ein Thema, das unsere Kundschaft sehr bewegt. Einerseits in Bezug auf die Regulatorik, andererseits in Bezug auf nachhaltiges Verhalten. Hierbei
geht es nicht nur um die Anlagen als solche, sondern um die Ausstrahleffekte auf die Unternehmen als Ganzes. Das hat Universal zum Anlass genommen, ein ESG-Office zu gründen, welches direkt dem CEO unterstellt ist. Darüber helfen wir unseren Kunden ESG-regulatorisch compliant zu bleiben und diskutieren inhaltliche Themen, die ESG-relevant sind. ESG ist eines der Topthemen für unser Haus.

Welche Wachstumsziele verfolgen Sie?

Müller: Wir schauen uns vieles an. Tatsächlich ist es Teil unserer Wachstumsstrategie, dass wir wirklich aktiv suchen. Dabei geht es für uns nicht primär um die Frage des Kaufpreises, sondern auch um die Frage der Qualität, der Kultur und wie ein Unternehmen bezüglich der Strategie zu uns passt. Grundsätzlich suchen wir nach
Unternehmen, die unsere Wertschöpfungskette in der Breite und in der Tiefe erweitern und ergänzen. Wir erwarten einen Mehrwert, auch in Bezug auf eine Internationalisierung. Sie werden die nächsten Monate und Jahre sicherlich noch einiges von uns hören.

Sie betonten mehrmals das Thema Regulatorik. Welchen Stellenwert hat die Regulatorik für Sie?

Müller: Das Thema Regulierung ist immens wichtig für uns. Wir unterliegen als Haus rund 400 verschiedenen Regelwerken, wobei mindestens 30 neue gerade in der Mache sind. Eine Tatsache, der wir auch in unserer Unternehmensstruktur Rechnung tragen. Wir haben beispielsweise mit Frank Eggloff einen Chief Regulatory Officer, der diese Themen ganzheitlich vereint. Grundsätzlich glaube ich, dass wir einen Gesetzgeber haben, der wirklich mit Augenmaß misst. Vieles war auch notwendig. Ich vertraue einfach unserem Gesetzgeber, dass er keine Überregulation zulässt.

Beispielsweise erlebe ich die BaFin bei den digitalen Themen als sehr offen und kommunikationsbereit. Gleichwohl wäre es sicher sinnvoll, wenn es noch zu einer stärkeren europäischen Harmonisierung kommen würde, aber auch zu einer nationalen Harmonisierung, bei der die Regelwerke noch besser aufeinander abgestellt sind. Das wäre ein Wunsch von uns.

Wenn Sie in die Zukunft schauen, wie sieht Universal Investment in fünf Jahren aus?

Müller: Wir werden weiterhin ein kerngesundes Unternehmen mit viel Leidenschaft sein. Ein wichtiger Arbeitgeber, der nicht nur in Deutschland, sondern auch in Luxemburg, Irland, Großbritannien und Polen tätig ist. Wir wollen europäisch wachsen, international wachsen und an vielen Standorten vertreten sein. Daneben, da bin ich mir sicher, werden wir unsere Assets mindestens verdoppeln. In den letzten acht Jahren haben wir sie verdreifacht.
Ich hoffe auch auf einen großen Schub in der Digitalisierung. Und last, but not least hoffe ich, dass wir in fünf Jahren weiterhin zufriedene Kunden und zufriedene Mitarbeiter haben werden. Das sind die beiden wichtigsten Assets.

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