Mathematik und Musik haben viele Gemeinsamkeiten. Wohl darum haben zahlreiche Mathematiker vor Beginn ihres Studiums lange überlegt, für welches der beiden Fächer sie sich entscheiden sollten. „Ich mache Musik, aber zum Musikstudium hat es bei mir nicht gereicht“, sagt der promovierte Mathematiker und Aktuar Paul Kolvenbach. Der Rheinländer – er stammt aus Zülpich – ist Chef des Beratungs- und Dienstleistungsunternehmens für bAV Longial GmbH in Düsseldorf. Ihn habe es gereizt, „sich mit auf den ersten Blick unverständlich und unlösbar erscheinenden Aufgaben zu beschäftigen und dann durch intensive Arbeit eine Lösung zu finden“. Und er wollte „Mathematik für die Praxis, für die Wirtschaft“ machen. Darum hat Kolvenbach bei seinem Studium in Köln Versicherungsmathematik und Betriebswirtschaftslehre kombiniert.
Im Vergleich zu den großen internationalen Beratungsunternehmen mit ihren deutschen Tochtergesellschaften ist die Longial – zur Ergo gehörig – mit einem zweiten Standort in Hamburg und knapp 70 Mitarbeitern ein Kleinbetrieb. Betreut werden rund 1.000 Kunden, von der Ein-Mann-GmbH über berufsständische und betriebliche Versorgungswerke bis zu Großunternehmen. Die Geschäfte laufen gut. 2012 haben sie Honorare in Höhe von rund 8,5 Millionen Euro eingebracht. „Gesetzgeber und Gerichte sorgen dafür, dass in den bestehenden Systemen gut zu tun ist“, sagt Kolvenbach.
Von allen Versorgungsangeboten biete die bAV sowohl für die Arbeitnehmer als auch die Arbeitgeber die meisten Vorteile, aber sie habe leider nicht den Stellenwert, den sie haben müsste und haben könnte, meint Kolvenbach. Vor allem komme sie in den kleinen und mittleren Unternehmen nicht richtig voran. „Das liegt auch daran, dass zuviel problematisiert wird.“ Wegen der verschiedenen Durchführungswege und der vielen steuerlichen Regelungen sei die Materie kompliziert, sie werde jedoch von den Beratern noch einmal „kompliziertgeredet“. Das schrecke unerfahrene Arbeitgeber ab, „deren Betriebe über keine eigene Finanzabteilung verfügen und oft nicht einmal eine Personalabteilung haben“. Er kritisiert außerdem die Neigung mancher Berater, die bAV als reinen steuerlichen Vorteil für den Arbeitgeber zu verkaufen. Irgendwann gebe es die große Überraschung. „Denn bAV ist auch ein Kostenfaktor. Sie finanziert sich nicht von allein.“ Generell werde ihre Verbreitung seit einiger Zeit erschwert. Wegen der niedrigen Zinsen ist „Kapitaldeckung im Moment nicht gerade in“. Jetzt werde von einer Gegenbewegung gefordert, alle Gelder für die Altersversorgung in die gesetzliche Rentenversicherung zu stecken. „Die funktioniert ja auch. Da gibt es die Umlage, aber gar keine Zinsen“, sagt Kolvenbach. Für die Altersversorgung hält er die „richtige Mischung beider Systeme“ für sinnvoll. Für die bAV wäre es auch gut und an der Zeit, die Rahmenbedingungen wenigstens etwas zu verbessern. Beispielsweise müssten die unterschiedlichen Obergrenzen der einzelnen Durchführungswege fallen gelassen werden. „Dann kann man in einem Durchführungsweg mehr machen. Das vereinfacht und fördert die betriebliche Altersversorgung.“
Am 13. April wird Paulgerd Kolvenbach 60 Jahre alt.
