Rudolf Siebel
Veröffentlicht am: 10. November 2003
Branchenstandards dienen dazu, die Geschäfte von Unternehmen einfacher, schneller und effizienter zu machen. Der europäische Fondsmarkt ist noch immer ein Markt mit fragmentierter Infrastruktur, unterschiedlichsten Geschäftsmodellen, diversen Aufsichtsbehörden und vielen Sprachen. Die Situation an den Kapitalmärkten seit Mitte 2000 drückt auf die Erträge und zwingt zu noch mehr Kostenkontrolle. In vielen KAGen werden die Geschäftsprozesse auf den Prüfstand gestellt, optimiert und teilweise auf Dritte ausgelagert.
Der Einsatz von Anlageberatern (Advisor) oder die Auslagerung des Fondsmanagements (Asset Manager) ist in vielen KAGen Praxis. Einzelne KAGen arbeiten mit einer Vielzahl von Analgeberatern, Managern, Brokern und Depotbanken zusammen. Dazu kommen die Informationsangebote an Anleger, Performancemessungs- und Ratingagenturen sowie die Aufsicht.
In jeder einzelnen Geschäftsbeziehung müssen die Verträge, „Service Level Agreements“ und die Wege der Datenübertragung bilateral definiert werden. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Schnittstellen wird mit großem Aufwand und unter Inkaufnahme erheblicher operationeller Risiken gepflegt. Die notwendigen Geschäftsabläufe sind selten automatisiert. Von einer industrialisierten Fertigungstiefe – wie sie die Autoindustrie kennt – ist die Investmentbranche noch weit entfernt.
Voraussetzung für eine einfache, effiziente und sichere Kommunikation mit den Geschäftspartnern der (Master-)KAG sind hinreichend standardisierte Abläufe. Daher beschäftigt sich der BVI auf Initiative unserer Mitglieder und anderer Marktteilnehmer mit dem Thema der Standardisierung der Geschäftsprozesse im Portfoliomanagement und im Anteilscheinhandel.
Ziel des BVI ist, eine einheitliche, zwischen den Beteiligten abgestimmte Standardisierung dieser Geschäftsprozesse im Sinne von Market Practices zu erreichen. Die Market Practice für das Portfoliomanagement soll die verschiedenen in Deutschland verwendeten Geschäftsmodelle von Brokern, Beratern und Managern abbilden und die Inhalte und Modalitäten der Datenübertragung vereinheitlichen. In verschiedenen BVI-Arbeitskreisen werden die Market Practices derzeit abgestimmt. Die Resultate sollen im nächsten Jahr vorliegen. Finden sich parallel dazu ausreichende Teilnehmer für ein Pilotprojekt, kann die EDV-technische Umsetzung zeitnah getestet werden. Einem vom Markt akzeptierten Standard bei der Datenübertragung zwischen Asset Manager, Custodian und Master-KAG steht dann nichts mehr im Weg.
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