Ein lachendes und ein weinendes Auge
Veröffentlicht am: 03. September 2003
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Michael Busack Geschäftsführender Gesellschafter,
Absolut Research GmbH
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Absolut anders sind in Deutschland und in der internationalen Hedgefonds-Industrie die Reaktionen auf den Gesetzentwurf zur Regulierung von Hedgefonds-Produkten in Deutschland. Dies ist nicht verwunderlich, da die verschiedenen Interessengruppen in unterschiedlichem Maße von den Vorschlägen betroffen sind und das leider nicht nur im positiven Sinne.
Generell ist der aufsichtsrechtliche Teil des Investmentmodernisierungsgesetzes – das zukünftige Investmentgesetz – ein großer Schritt für Deutschland in Richtung Hedgefonds-Liberalisierung. Die großen Freiheiten, die das Gesetz für „(Dach-)Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ schaffen wird, sind wichtig und notwendig, um eine deutsche Hedgefonds-Industrie anzusiedeln, aber auch, um den öffentlichen Vertrieb von internationalen Hedgefonds in Deutschland zu ermöglichen und somit privaten wie institutionellen Investoren Investment in diese Anlageform zu ermöglichen. Das Finanzministerium hat nach vielen Gesprächen mit Experten, der Branche und der Aufsicht die richtigen Entscheidungen getroffen. Dennoch gibt es auch hier Kritik im Detail. Beispielsweise können inländische Kapitalanlagegesellschaften Single-Hedgefonds nur in Form des Spezialfonds auflegen, der an eine limitierte Anzahl institutioneller Anleger vertrieben werden kann, was sie als Zielfonds für ausländische Dachfonds wenig brauchbar macht. Trotzdem gehören die inländischen Kapitalanlagegesellschaften zu den Gewinnern des Gesetzesentwurfs, da sich ihnen neue Geschäftsfelder mit attraktiven Margen eröffnen, die dringend benötigt werden. Ihre Wettbewerbsfähigkeit gegenüber ausländischen Anbietern wird gestärkt. Inländische Banken können ebenfalls neue und regulierte Produkte anbieten und sind weiterhin nicht in ihren Strukturierungsmöglichkeiten im Zertifikate-Bereich eingeschränkt, der in Zukunft an Wichtigkeit gewinnen wird. Inländische Asset Manager, die den Sprung in die Hedgefonds-Selbständigkeit wagen wollen, haben wichtige neue Möglichkeiten erhalten. Entweder können Sie ihre Strategien nun im Rahmen einer KAG ausüben, oder eine geringer mit Eigenkapital zu unterlegende Investmentaktiengesellschaft gründen, bzw. als Finanzportfolioverwalter agieren, da KAGs solche Dienstleistungen werden einkaufen können. Der institutionelle – und damit wichtigste – Anleger im Bereich Hedgefonds, sieht das Gesetz mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Neue Möglichkeiten der Diversifikation, gehen mit einem eingeschränkten Anlageuniversum einher, das sich auf Grund der im Gesetzentwurf geforderten Transparenzvorschriften und den steuerlichen Aspekten ergibt. Insbesondere für Versicherungen und damit in der Folge auch für Pensionskassen- und fonds wird es wichtig sein, sich langfristig eine optimierte Portfoliodiversifikation über die besten Produkte in diesem Segment zu schaffen.
Insbesondere die steuerlichen Aspekte im Gesetzentwurf haben zu starker und verständlicher Kritik geführt, die aber angesichts der Investmentbesteuerung in Deutschland nur schwer zu umgehen ist. Die Folge wird sein, dass Investoren nach Ausweichlösungen über strukturierte Produkte suchen werden, die sowohl was die Qualität als auch die steuerlichen Aspekte betrifft, ihnen optimale Resultate bringt. Die höheren Kosten werden hier im Zweifel getragen werden. Investoren sollten sich hier genau ansehen, was ihnen angeboten wird.
Als Fazit kann man festhalten, dass Deutschland mit der anstehenden Gesetzesänderung einen großen Schritt in Richtung einer auf absolute Erträge ausgerichteten Investmentmanagement- und Vermögensverwaltungsindustrie macht. Die steuerlichen Rahmenbedingungen sind jedoch den spezifischen internationalen Standards der Hedgefonds-Industrie unangemessen und müssen dringend in Richtung einer Gewinnbesteuerung verändert werden. Damit könnte primär die Qualität der Hedgefonds-Produkte im Vordergrund stehen, da alle Produkte, inländische wie ausländische, strukturierte wie nicht-strukturierte, öffentliche wie privat platzierte einer einheitlichen Besteuerung unterliegen. Das Beste, was dem Finanzplatz Deutschland passieren kann, ist, dass die institutionellen Investoren von den neuen Möglichkeiten profitieren. Nicht die Masse oder die pure Existenz von Hedgefonds-Produkten zählt für sie, nur die Qualität ist ihnen wichtig. Nur mit ihrer Akzeptanz werden sich Hedgefonds-Investments in Deutschland wirklich etablieren können und sich ein hiesiger Hedgefonds-Standort entwickeln.
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