Die Euro-Zone verzeichnet chronisch schwaches Wachstum, dessen Schwäche unter den entwickelten Ländern nur von Japan übertroffen wird. Während in Frankreich das Wachstum geringfügig besser ausfiel, war das Wachstum in Deutschland erheblich schlechter. Nachfrage existiert praktisch nicht, das Vertrauen ist auf einem Mehrjahrestief; und der Export ist durch einen erstarkten Euro geschwächt. Angesichts dieser Lage kam die jüngste Zinsentscheidung der EZB nicht überraschend. Die Inflationsrate ist zum ersten Mal im Jahr wieder unterhalb ECBs Zielmarke von 2% gesunken und es sieht so aus, als dass die Rate angesichts des Umtauschkurses und der andauernden ökonomischen Schwäche noch tiefer sinkt. Möglicherweise werden die Zinssätze jedoch um weitere 50 Basispunkte gesenkt werden müssen, um die Konjunktur in der Euro-Zone wieder anzukurbeln. Unserer Einschätzung nach wird die EZB in den nächsten Monaten nicht umhinkommen, die Zinsen weiter zu senken. Wachstumswerte zeigen weiterhin bessere Performance als wertorientierte Aktien, was vermuten lässt, dass die Märkte ab dem Sommer wieder auf etwas mehr Wachstum hoffen. Solange die Konjunkturbedingungen so fragil bleiben, ist ein solches Szenario jedoch unwahrscheinlich. Die Geldmenge ist zwar gestiegen, aber noch nicht so weit, dass wir unsere pessimistische Einschätzung der Aktienmärkte aufgeben würden. Dennoch: In Europa sind die Aussichten für die Aktienmärkte etwas günstiger als in den USA. Die Bewertungen sind niedriger, und es besteht mehr Spielraum für eine lockerere Geld- und Haushaltspolitik.
Europa: Der Markt spekuliert wieder über die Aussichten, dass die Zentralbanken in aller Welt ihre Geldpolitik in den kommenden Monaten weiter lockern. Die jüngsten Äußerungen Herrn Duisenbergs, dass Deflation in einem Mitgliedstaat der Währungsunion nur geringe Auswirkungen auf die Union insgesamt habe, lässt nicht nur großes Vertrauen in die Anpassungsmechanismen der Euro-Zone erkennen, sondern schließt auch, was ganz der geldpolitischen Haltung der EZB entspricht, die Annahme aus, dass eine rückläufige Gesamtnachfrage in der deutschen Volkswirtschaft negative Multiplikatoreffekte haben könnte. Somit sind weitere Zinssenkungen in der Euro-Zone noch vor September wohl eher unwahrscheinlich.
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