Die amerikanischen Aktienmärkte haben sich in diesem Jahr unerwartet gut entwickelt. So hat der S&P500 Index seit dem Tiefpunkt Anfang März um mehr als 20% zugelegt, noch besser schneidet der Nasdaq ab. Diese Aufwärtsbewegung liegt zum großen Teil daran, dass die Märkte nach der dreijährigen Baisse unseren Indikatoren zufolge deutlich unterbewertet waren. Und dies gilt immer noch. Außerdem sehen die Märkte mittlerweile technisch besser aus. Zum ersten Mal seit Herbst 2000 liegt der S&P500 Index deutlich über seinem 52-Wochendurchschnitt. Unser Taktisches Asset Allocation Modell empfiehlt deshalb nach wie vor, US-Aktien gegenüber Staatsanleihen deutlich überzugewichten. Aktien haben auf die kurze Sicht also noch etwas Raum zum Steigen. Danach erwarten wir aber eher eine Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte. Denn die US-Wirtschaft wird weiter nur zögerlich wachsen. Dies liegt daran, dass sich die hoch verschuldeten US-Unternehmen mit Investitionen zurückhalten: Beliefen sich die Schulden (Bankkredite, Anleihen etc.) der amerikanischen Unternehmen Mitte der 90er Jahre noch auf 80% des Bruttoinlandsprodukts, so ist diese Schuldenstandsquote während der Boomjahre in der zweiten Hälfte der 90er Jahre auf fast 100% gestiegen. Das ist im historischen Vergleich viel zu hoch. Deshalb drängen die Rating-Agenturen die Unternehmen, vor allem im Telekom-Sektor, ihre Schuldenstände zu senken. Die dazu notwendigen Mittel schaffen die Unternehmen dadurch, dass sie sich mit Investitionen zurückhalten. Das erklärt das zögerliche Wachstum der US-Wirtschaft mit Raten von lediglich 2%. An dieser Wachstumsschwäche wird sich so schnell nichts ändern, denn es wird mindestens noch ein Jahr dauern, bis die US-Unternehmen ihre Schulden auf ein akzeptables Niveau gesenkt haben.
Nordamerika: Einer der auffälligsten Faktoren der letzten neun Monate war die von Deflationsangst getriebene, scheinbar rastlose Suche nach Renditen. Nachdem Staatspapiere mit vernünftiger Rendite schwieriger zu finden waren, wurden Anleger in den Randbereich zu riskanteren Anlagen gedrängt. Dadurch ist die Spanne der Unternehmensanleihen gegenüber Schatzpapieren seit Oktober letzten Jahres um mehr als die Hälfte geschrumpft. Wenn jedoch die Anleger in dem durch die Angst vor Konjunkturschwäche und möglicher Deflation geprägten Umfeld größere Risiken eingehen, so lässt dies vermuten, dass dadurch erhebliche Probleme aufgeschoben werden, die sich dann in der zweiten Jahreshälfte zeigen werden.
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