Deutschland muss Europas SRI-Vorreiter werden
Von Von Maik Rodewald
Veröffentlicht am: 14. Dezember 2009
Die dauernde Erfüllbarkeit der Versicherungsverträge oder die adä-quate Altersversorgung für die Berechtigten sind typische Aufgaben von Pensionseinrichtungen. Doch haben eine Pensionskasse wie die Höchster Pensionskasse (mit 90.000 Versicherten von über 300 Unternehmen), eine Zusatzversorgungseinrichtung für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes (wie die VBL mit 1,8 Millionen Pflichtversicherten und mehr als einer Million Rentnern) oder ein Versorgungswerk der ersten Säule darüber hinaus eine gesellschaftliche Verantwortung?
Falls ja, dann muss eine solche Einrichtung schon längst beantworten können, wie sie mit dem ihr anvertrauten Vermögen den Kampf gegen den Klimawandel unterstützen kann. Falls nein, dient sie immerhin noch Teilen der Gesellschaft. Und das bedeutet: Kapital möglichst sicher anzulegen und dennoch eine „adäquate“ Rente zu erwirtschaften. Dabei dürfe es auf den letzten Basispunkt freilich nicht ankommen, hört man immer wieder. Dieselben Personen, und hier beginnt das Paradox, sind um das Argument nicht verlegen, „nachhaltige“ oder „SRI“-Investments hätten bisher nicht belegen können, dass sie es wert seien, sich damit zu beschäftigen.
Selbst wer dieses wachsweiche Argument – mit mehr oder weniger gutem Gewissen – definitiv für sich unterschreiben kann, sollte noch einmal nachdenken: Jeder Euro, der jetzt nicht gegen den Klimawandel eingesetzt wird, wird dem Rentner später in Potenz wehtun. Nur ein Narr kann glauben, die Pensionäre müssten sich an den Kosten für die steigenden Notfalloperationen und Aufräumarbeiten des Klimawandels nicht beteiligen. Im Gegenteil: Die dann Jungen werden gerade sie und ihre Ersparnisse in Haft nehmen.
Aus der Verantwortung, sich mit nachhaltigem Investieren zu beschäftigen, kann sich also – so oder so – niemand stehlen. Wer es doch tut, handelt kurzfristig und gegen die Interessen seiner künftigen Rentner – und das als langfristig ausgerichtete Pensionseinrichtung. Die Argumente vieler Investoren, es gebe weder eine Definition für „Nachhaltigkeit“ noch Standards für konformes Investieren, sind falsch und faul. Deutschland sollte als führende Nation Europas endlich vorpreschen und seinen Status als SRI-Entwicklungsland verlassen.
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