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IASB-Chairman Sir David Tweedie rudert zurück
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IAS 19: Angst vor der eigenen Courage?
Veröffentlicht am: 14. Dezember 2009
Das International Accounting Standards Board (IASB) unter Sir David Tweedie rudert zurück. Auf dem Board-Meeting am 17. November in London hielt man zwar daran fest, künftig im IAS 19 keine Wahlmöglichkeiten mehr zuzulassen, doch die erfolgswirksame Sofortamortisation steht wohl nicht mehr auf der Tagesordnung. Status ist nun, den Korridor abzuschaffen und dafür Buchung gegen Eigenkapital unter Schonung der Gewinn- und Verlustrechnung vorzuschreiben. Damit würde eine wie auch immer geartete Sorie-Methode – den US-GAAP folgend nun OCI-Methode (Other Comprehensive Income) getauft – zum Maßstab bei Bewertung von Defined Benefit Obligation und Plan Assets. Unterdessen scheinen Wirtschaft und Industrie in Deutschland für die Folgen einer Sofortamortisation nicht nur erfreulich sensibilisiert, sondern auch nahezu einer Meinung: In einer dpn-Umfrage lehnen 27 von 29 Großunternehmen, Versicherern, Beratern und Instituten die Sofortamortisation ab, darunter alle 15 an der Umfrage teilnehmenden Dax-Unternehmen. Von diesen bevorzugen zehn die Sorie-Methode, fünf halten dem Korridor die Stange. Einhelliger Tenor der Ablehnung ist der Verweis auf unangemessene Volatilität im Ergebnis, die eine stichtagsbezogene Bewertung langlaufender Verpflichtungen mit Schätzunsicherheiten zum Zeitwert brächte. Lediglich ein Berater und ein Asset Manager – beides kleinere Häuser – würden erfolgswirksame Sofortamortisation begrüßen.
Manche könnten sich indes auch einen Standard nach US-GAAP-Vorbild vorstellen, wie ihn Norbert Seeger, Professor an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg, und Dr. Benedikt Köster, Leiter Group Pensions Deutsche Post, in ihrem Beitrag „Das IAS 19-Projekt – Die Denkpause nutzen!“ in der letzten Ausgabe der dpn ins Spiel gebracht haben. Laut FAS 132 gibt eine zeitverzögerte Erfolgswirksamkeit mittels Recycling beispielsweise den Zinswirkungen die Chance, sich im Zeitverlauf auszugleichen. Nebeneffekt wäre schnellstmögliche Konvergenz zwischen IFRS und US-GAAP.
Auch das renovierte deutsche Handelsrecht, das auf der Passivseite über durchschnittlichen Marktzins diskontiert und auf der Aktivseite Zeitwert befiehlt, wurde als Alternative genannt. Ausdrücklich würde beispielsweise Professor Reinhold Höfer Ähnliches im IAS 19 begrüßen, da dies besser mit dem Langfristcharakter der DBO harmonierte und die Nebenrechnungen im Korridor entfielen.
Trendverstärkend wäre die Sofortamortisation auch für die bAV an sich. Roger Jost, Geschäftsführer der Kleylein & Cie. Actuarial Services, warnt: „Für viele Unternehmen wäre die Konsequenz, sich aus Defined-Benefit-Plänen noch stärker zurückzuziehen. Zukünftig würde bAV allenfalls in Form extern finanzierter Defined-Contribution-Plänen möglichst frei von Garantien angeboten.“ Das Institut der Versicherungsmathematischen Sachverständigen für Altersversorgung hielte dies für „sozialpolitisch schädlich.“ Bleibt die Frage, welchen Tod man für Bilanzwahrheit und -klarheit stirbt. Alle drei Methoden haben Vor- und Nachteile. Beste Vergleichbarkeit stellt die erfolgswirksame Sofortamortisation her, zum Preis unsachgerechter Methodik mit inhärenter Vola. OCI und Korridor glätten Ergebnisse, verzerren aber nicht minder. Wie dem auch sei, Professor Raimund Rhiel, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Pensions im Deutschen Rechnungslegungs Standards Committee und mit der Welt des IASB bestens vertraut, weiß: „Solange beim IASB nichts fest beschlossen ist, kann sich alles noch schnell ändern.“
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