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Pascal Bazzazi: Die Inflation in der modernen HGB-Bilanz

Veröffentlicht am:  01. September 2008
— Pascal Bazzazi

Betriebliche Vorsorgesysteme müssen sich mit der Inflation auf beiden Seiten der Bilanz auseinandersetzen. Auf der Passivseite wirkt die Geldentwertung über die Annahmen der Renten- und Gehaltstrends nach IFRS dabei nur mittelbar auf die Bilanzen der Unternehmen.

Dämpfte beispielsweise der Anstieg des Rechnungszinses um 20 Basispunkte im zweiten Quartal 2008 die Pensionsverpflichtungen einerseits, hat andererseits laut Rauser Towers Perrin der Anstieg der Inflationserwartungen von 2,5 auf 2,8 Prozent diesen Effekt im Dax glatt überkompensiert.

Mit einer Größenordnung von bis zu acht Milliarden Euro muss man hier rechnen.

Doch auf der Passivseite sind Gegenmaßnahmen schwierig. Rechnungszins und Inflationserwartung entziehen sich schließlich dem Einfluss der Unternehmen. Anders auf der Aktivseite, wo das Liability Driven Investment nach Maßnahmen verlangt. Neben Swaps bieten sich Inflation Linker an, doch sind diese teuer, was angesichts der über 3,5 Billionen Euro an Deckungsmitteln allein in der europäischen bAV nicht verwundert. Bleiben Sachwerte, um schlicht einen Wertzuwachs oberhalb der Inflationsrate zu erzielen. Defensive, aber Cashflow-starke Werte wie Versorger oder zunehmend auch Investments in Infrastruktur sind hier erste Wahl, ebenso wie Immobilien. Dass auch defensive Sachwerte nicht konjunkturunabhängig sind, könnten Pensionseinrichtungen angesichts ihrer langen Anlagehorizonte dabei eigentlich gelassen sehen. Doch über die Fair-Value-Bewertungen der internationalen Rechnungslegung schlagen Wertschwankungen des Planvermögens nahezu unmittelbar auf das Ergebnis durch. Eine Pensionseinrichtung als Langfristanleger muss damit qua Rechnungslegung auf kurzfristige Wertschwankungen infolge der Inflation Rücksicht nehmen.

Auf der Passivseite drücken Renten- und Gehaltstrends, auf der Aktivseite verhindert die Volatilität der Fair-Value-Bewertung gelassenes Aussitzen. Daran wird man sich gewöhnen müssen: Ist die Inflation bisher vor allem Thema für die Pensionseinrichtungen der nach IFRS bilanzierenden Unternehmen, wird sie sich über Pensionsverpflichtungen und Planvermögen nach dem Inkrafttreten des Bilanzrechts-Modernisierungsgesetzes mit Macht auch in die Bilanzen des deutschen Mittelstandes drängen.

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