Wenn der Coiffeur zweimal klingelt
Von Maik Rodewald
Veröffentlicht am: 27. Juni 2008
Frank Schirrmacher ist ein umstrittener Mann. Aber der FAZ-Herausgeber kann auf eine große Leistung verweisen: Er hat als Erster wirksam thematisiert, wie uns das Altern unerbittlich zum Umdenken zwingen wird. Die ersten Unternehmen reagieren bereits, und der Begriff Demografiemanagement wird populär.
Auch die Fondsbranche denkt mit, und so verkünden wir – exklusiv! – die ersten sensationellen Überlegungen: In 20 Jahren sollen wieder 60-jährige Friseure Investmentfonds administrieren.
Wieso, um Himmels willen, sollten Friseure Fonds administrieren, und weshalb stehen sie vor einem Comeback? Ganz einfach: Vor 20 Jahren gab es quasi nur ungelernte Friseure in der Fondsbuchhaltung. Das sagte uns jedenfalls kürzlich einer, der es wissen muss, ein Administrator der ersten Stunde.
Nehmen wir also an, ein solcher Friseur zählte gerade 20 Lenze, weil er in der Schule zweimal sitzen geblieben war und seinen – damals 18-monatigen – Bundeswehrdienst hinter sich gebracht hatte. Dann nahm ihn eine deutsche Kapitalanlagegesellschaft (KAG) unter ihre Fittiche. Er lernte schnell, schließlich musste er keine Swaptions oder Equity Swaps verbuchen, sondern bloß Aktien und Renten. Langsam wurde das Geschäft aber anspruchsvoller und spätestens Ende der 90er konnte der dann 30-jährige Coiffeur gegen die Bankkaufleute und Studierten nicht mehr anstinken.
Was er damals nicht ahnen konnte: In etwa 20 Jahren, also 2030, wird sich das Blatt wenden. Dann ist der geburtenstärkste Jahrgang, 1964, gerade im Ruhestand – und die Arbeitskräfte werden knapp. Will Deutschland seine Wirtschaftskraft erhalten, müssen auch die Älteren morgens ins Büro statt auf den Golfplatz. Die ältesten Fondsbuchhalter sind dann – genau! – die Friseure. Mit 60 Jahren entsprechen sie dem Idealprofil: erfahren, nicht zu teuer und treu, weil sie noch lange arbeiten müssen, um im Alter auch nur einen Bruchteil der Pension eines Klaus Zumwinkels zu bekommen.
Den Administrationsplattformen – ob sie dann noch KAGen heißen oder nicht – spielt das in die Hände, weil sie schon heute mit Investmentbanken um junges Personal konkurrieren. So halten sie in ihrem ohnehin engmargigen Geschäft auch ihre Kosten im Griff. Das ist Demografiemanagement at its best!
Indes: Das wird noch nicht reichen. Um profitabel zu bleiben, müssen die Administratoren schnell ihre Preise anheben. Und wie das geht, können sie ebenfalls von Schirrmacher lernen. Mit der FAZ und der Sonntagszeitung hat er es gerade vorgemacht.
Herzlichst, Ihr
Maik Rodewald, Chefredakteur
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