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24. - 25. September 2008
aba-Seminar: Kapitalanlageprozess in betrieblichen Versorgungseinrichtungen



 
 
In den Fußstapfen der US-Endowments
Von Maik Rodewald

Veröffentlicht am:  27. Juni 2008
— André Heimrich, BVK, Leiter Kapitalanlagen

„Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich davon überzeugt war.“ Daniel Just, der hier zitiert wird, spricht über die nächste Investition der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), die unter dem Begriff „Alternative Anlagen” firmiert: Wald. Fast ein Prozent der 45 Milliarden Euro schweren Kapitalanlage der Münchner soll in den kommenden Jahren in Timber (der Modebegriff für Wald) fließen, 150 Millionen zum Start.

Der Optimierer, so der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Just, hätte Timber in der strategischen Anlageplanung noch sehr viel stärker gewichtet – genauso wie das Anlagethema Infrastruktur (strategisch neu mit 2 Prozent eingeplant), die zweite Entdeckung der BVK, die noch in diesem Jahr mit 300 Millionen Euro dotiert werden soll, in eine Kombination aus Singlefonds und Dachfonds. Für die Wald-Investments wird demnächst der Consultant ausgesucht, danach die Asset Manager. Das Projekt Infrastruktur ist dagegen fast abgeschlossen.


Ein Viertel alternative Investments


Beide, Timber und Infrastruktur, stehen unterm Strich als wichtige Einzelergebnisse der regulären Überprüfung der strategischen Anlagepolitik fest, wie schon vor zwei Jahren unterstützt von Mercer Investment Consulting. Doch aus dem Betrachten des großen Ganzen muss man schließen, dass hier etwas viel Bedeutenderes vor sich geht – eine schleichende Revolution. So addieren sich die Anlagen der Rubrik „Alternative Investments“ beim größten der zwölf Versorgungswerke der BVK mittlerweile auf 24 Prozent. Selbst wenn man die 3 Prozent abzieht, die auf High Yield und Emerging Market Bonds entfallen, bleiben über 20 Prozent. Zum Vergleich: Die Aktienquote beträgt nur knapp 10 Prozent. Damit füllt die BVK die Fußstapfen von Yale und Harvard immer mehr aus, deren Endowments regelmäßig als positiver Kontrast zur trüben deutschen Anlagewirklichkeit Institutioneller zitiert werden.

Und laut André Heimrich, dem Leiter Kapitalanlagen, ist das nicht die Ausnahme, sondern die Regel: „Unsere alternativen Investments haben mittlerweile eine sehr wichtige Bedeutung. Die Aktienquote selbst wurde bereits peu à peu reduziert. Taktisch ist derzeit auch kein weiterer Ausbau geplant. Strategisch sollen jedoch insbesondere die Nicht-Euro-Investments stärker ausgeweitet werden. Die Zukunft lautet: stärkere globale Diversifizierung in den traditionellen Anlageklassen und weiterer Ausbau der alternativen Anlagen, wozu die BVK freilich einiges zählt, auch Immobiliendirektanlagen und -fonds. Letztere werden in den kommenden beiden Jahren ebenfalls ausgebaut; seit kurzem ist die Deutsche-Bank-Tochter Rreef mit einem neuen Mandat betraut, das zunächst in Asien und den USA anlegen soll.


Methode statt Emotion


Die Sympathiewelle der BVK-Oberen für Hedgefonds (Just: „Bei Hedgefonds laufen wir schon deutlich in die Öffnungsklausel hinein.“) und alles, was man unter alternativen Investments summieren will, ist keiner Emotion, sondern Methode geschuldet: Sie folgt aus der Asset-Liability-Analyse und der Optimierung der Anlageklassen. Die Einhaltung der Risikolimite und der Anlagegrenzen erfolgt durch das 2006 eingeführte Ampelsystem. Obwohl bei der neuen Anlageplanung einige Details verändert wurden – zum Beispiel optimierte man die Anlagestruktur nach der „runderen“ Michaud- statt der „härteren“ Markowitz-Methode, die extremere Ergebnisse produziert –, habe sich „die Ampel“ laut Just und Heimrich „in Theorie und Praxis bestens geschlagen“. Das gelte auch für die Entscheidung, neben Prognosen für Marktentwicklungen („Beta“) simultan auch solche für Überschussrenditen („Alpha“) und deren Gleichläufe in die Rechenmaschine einzuspeisen – ein Vorgehen, das in der Finanzwelt durchaus auch auf kritisches Echo stieß. Eine entscheidende Rolle im Ampelsystem der BVK spielt die Frage, um wie viel Prozent der Wert der Masterfonds fallen kann, damit ein Versorgungswerk einen definierten Kapitaldeckungswert nicht unterschreitet. Das Ampelsystem dürfte in seiner Komplexität wohl immer noch einzigartig in Deutschland sein.


Auch wenig Wald tut gut


Zurück zum Wald: Das vermeintlich geringe Gewicht von nur einem Prozent wirft selbstverständlich reflexartig Fragen zur Rentabilität dieser Entscheidung auf. Dreht man den Spieß um und fragt nach den Opportunitätskosten, produziert das überraschende Antworten: „Ohne diese unkorrelierten Asset-Klassen würde das Portfolio ganz anders aussehen.“ Will heißen, Heimrich & Co. sind froh, dass das Prozentpünktchen mit an Bord genommen wurde. Herwig Kinzler von Mercer erklärt, warum: „Man kann natürlich jede geringe Gewichtung als solche hinterfragen. Aber wenn ich bereit bin, ein Alternative-Portfolio von 15 Prozent aufzubauen, dann muss ich auch wirklich streuen. Und das führt dazu, dass alle Alternatives in Summe doch ein deutlich stabileres Portfolio ergeben.“



„Die Münchner Stress-Alternative“ – so überschrieb dpn im September 2006 den ausführlichen Bericht über das neu eingeführte Ampelsystem der BVK. Mehrfach wurde uns bestätigt, wie hilfreich diese Gesamtschau war, um die Einführung eines derart detaillierten Risikobudgetierungsmodells nachvollziehen zu können. Schicken Sie eine Email an „dpn@ft.com“ (Betreff „dpn-Dossier Risikomanagement“) und wir senden Ihnen diesen wegweisenden Artikel als PDF zurück.   

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