So richtig nachhaltig
Von Michael Lennert
Veröffentlicht am: 27. Juni 2008
|
|
Michael Dittrich,Abteilungsleiter Verwaltung, Deutsche Bundes-stiftung Umwelt
|
Jetzt ist es amtlich. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt setzt bei ihren Investments auch zukünftig ganz überwiegend auf nachhaltige Anlagen. Hierzu wurde extra eine zweijährige Studie beim Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Zusammenarbeit mit der Universität Stuttgart in Auftrag gegeben, die untersuchte, inwieweit sich die Anlageerfolge von nachhaltigen und von konventionellen Anlagen unterscheiden.
Die Ergebnisse liegen jetzt vor. „Eines der Hauptergebnisse liegt sicher darin, dass man sich bei marktbreiten Socially-Responsible-Investment-Indizes (SRI) keine Sorgen machen muss, dass die längerfristige Performance schlechter ausfällt als bei konventionellen Aktienanlagen“, sagt Michael Dittrich, Abteilungsleiter Verwaltung bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU).
Dennoch – müsste die potenziell erzielbare Performance nicht per se besser sein, eben weil in nachhaltig wirtschaftende Unternehmen investiert wird? „Sicher, aber wenn man es erreicht, dass die Ergebnisse mindestens gleich gut sind, dann hat man ja schon einmal den zusätzlichen Nutzen, dass das Vermögen unter ethischen, ökologischen und sozialen Gesichtspunkten sinnvoll angelegt wird. Das ist auch ein Added Value“, erklärt Dittrich weiter.
80 Prozent nachhaltige Anlagen
Konkret sieht das nachhaltige Engagement bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wie folgt aus: Die Stiftung hat sich selbst auferlegt, dass 80 Prozent der Aktien und 80 Prozent der Corporates in einem von vier gängigen SRI-Indizes enthalten sein müssen. Dazu beobachtet sie beispielsweise den Dow Jones Sustainability Index (DJS World), den FTSE4Good Global 100, den Ethical Index Global und den Advanced Sustain-ability Performance Index (Aspi). Darüber hinaus investiert sie in nachhaltige Themen wie Wasser oder Mikrokredite. „Einen kleinen Wermutstropfen gibt es dennoch. Leider bilden die genannten Indizes nur große Titel ab. Deswegen haben wir uns ein Fenster offengelassen, da wir auch an Small und Mid Caps interessiert sind, die bei einigen der großen Indizes nicht weiter im Fokus stehen“, erklärt der Abteilungsleiter Verwaltung weiter. Hier sei man gerade dabei, noch zusätzliche Bewertungsmethoden zu Rate zu ziehen.
Über 20 Prozent Aktienanteil
Die Stiftung erzielte im vergangenen Jahr eine Performance von rund 5,1 Prozent und legt ihr Kapital wie folgt an: höchstens 73,5 Prozent werden in festverzinsliche Anlagen, bis maximal 21,5 Prozent des Vermögens in Aktien und bis maximal 5 Prozent in Immobilien. Nicht investiert wird dagegen in alternative Anlagen wie Hedgefonds und Private Equity, ebenso wenig wie in direkte Derivate.
Hierbei wurden im Jahre 2007 52,5 Millionen Euro für Förderprojekte zur Verfügung gestellt sowie eine Rücklage in Höhe von 61,5 Millionen Euro gebildet. Anders formuliert bedeutet dies auch, dass unter Berücksichtigung der stillen Reserven ein vollständiger realer Kapitalerhalt erreicht wurde.
„Sicherlich wird es in der Zukunft eine der größten Herausforderungen für uns sein, dass wir auch bei steigenden Inflationsraten eben diesen realen Kapitalerhalt leisten können. Denn bei einem Stiftungsvermögen von 1,8 Milliarden Euro und einer Inflationsrate von beispielsweise drei Prozent kann man sich unschön ausrechnen, dass wir alleine 54 Millionen Euro für die Rücklagenbildung brauchen, nur um den reinen Kapitalwert zu erhalten. Das ist schon ganz schön anspruchsvoll, insbesondere dann, wenn man gleichzeitig zwischen 50 und 60 Millionen Euro Fördermittel zur Verfügung stellen will“, erläutert Dittrich und verweist dabei darauf, dass dies unter anderem ein Grund dafür sei, dass Stiftungen etwa im Vergleich zu anderen institutionellen Investoren wie beispielsweise Versicherungen einen durchschnittlich höheren Anteil ihres Vermögens in Aktien investieren.
Niedrigzinsumfeld und Inflation ein Schnippchen schlagen
Doch wie reagiert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt auf mögliche höhere Inflationsraten, denn diese Gefahr ist derzeit ja durchaus gegeben? „Grundsätzlich versuchen wir natürlich über ein Engagement in strukturierte Produkte im verzinslichen Bereich, Genussscheine, Corporate Bonds, aber natürlich insbesondere mit Aktien dem Niedrigzinsumfeld ein Schnippchen zu schlagen. Zudem setzen wir in geringem Umfang Inflation Linked Bonds ein, investieren in Rohstoffe über börsennotierte Aktien und überlegen uns derzeit unser Immobilien-Engagement leicht auszuweiten. Aktuell beträgt der Anteil des Immobilien-Exposures drei Prozent des Portfolios und wird indirekt in geschlossene Immobilienfonds mit überwiegendem Schwerpunkt in Deutschland und in geringerem Umfang in Europa investiert“, erklärt der Abteilungsleiter, der darauf verweist, dass die Stiftung keine Overlay-Strukturen und Wertsicherungskonzepte einsetzt, eben gerade wegen der sehr langfristig ausgerichteten Anlagestrategie. Für ihn sind Wertsicherungskonzepte nur dann sinnvoll, wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt einen bestimmten Vermögensstand erhalten will. „Um dies zu erreichen, muss man dann natürlich auch Produkte einsetzen, die Ertrag kosten. Gleichwohl denken wir, dass wir wegen unserer langfristig orientierten Anlage auch einmal schwache Börsenphasen überstehen und durch die so vermiedenen Kosten solcher Konzepte am langen Ende besser fahren“, sagt Dittrich.
Druckerfreundliche Version
Als E-Mail verschicken
weitere Artikel
|