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Agrar-Rohstoffe: Unschuldige Investoren?
Von Michael Lennert

Veröffentlicht am:  27. Juni 2008

Die Preissteigerungen bei Agrar-Rohstoffen waren in den vergangenen Monaten fulminant. Auch institutionelle Investoren, die in Agrar-Rohstoffe investierten, standen nur auf einer Seite, der Gewinnerseite. Dennoch scheiden sich die Geister.

Denn eine umstrittene Frage lautet derzeit sicherlich: Sind es die institutionellen Investoren vielleicht sogar selbst, die diese – wie böse Zungen behaupten – „spekulativen Preissteigerungen“ verursachen, sind die Preissteigerungen wirklich fundamental getrieben, und wie nachhaltig ist diese Entwicklung?

Fragen, auf die die Nachhaltigkeitesexperten der Bank Sarasin in ihrer jüngsten Studie Antworten geben. So zeigt ihre Analyse zum einen auf, dass bei Agrar-Rohstoffen für den derzeitigen Preisanstieg vor allem fundamentale Angebots- und Nachfragefaktoren verantwortlich sind: Das weltweite Bevölkerungswachstum und der wachsende Wohlstand in den Schwellenländern seien hierfür starke Treiber. Zum anderen kommen der aktuelle Anstieg der Produktionskosten hinzu, die wachsende Nachfrage nach Biokraftstoffen sowie vermehrt zu verzeichnende Ernteausfälle.

Gleichzeitig würden einige Faktoren darauf hinweisen – beispielsweise dass der Preis für nicht börsengehandelte Rohstoffe mindestens genauso stark gestiegen ist wie der Preis für börsengehandelte Rohstoffe –, dass „Finanzspekulationen“ bei dem seit mehreren Monaten zu beobachtenden Preisanstieg nur eine geringere Rolle spielen und lediglich für kurzfristige Preisausschläge verantwortlich seien.


Sarasin rät dennoch von Weizen- und Mais-Investments ab


So weit, so gut. Denn, und jetzt kommt es: Interessanterweise rät Sarasin in derselben Studie jedoch gleichzeitig von einem derzeitigen Investment in Weizen und Mais ab. Und zwar mit folgender Argumentation: Hintergrund sei, dass diese beiden Agrar-Rohstoffe für die Ernährungssicherung in vielen Ländern sehr wichtig seien und die Preissteigerungen bei Weizen und Mais unmittelbare soziale Konsequenzen für die Ernährung ärmerer Bevölkerungsgruppen haben. Gleichzeitig würden sich durch ihre Importabhängigkeit auch die sozioökonomischen Umstände in vielen Ländern verschärfen.


Unschuldige Hedgefonds


„Finanzinvestoren bringen vor allem Liquidität in diese Märkte“, sagt wiederum Domenico Truncellito, Sprecher beim Hedgefonds-Anbieter Man Investments. Truncellito wehrt sich insbesondere dagegen, dass schon wieder die „bösen“ Hedgefonds den schwarzen Peter an den Preissteigerungen bei Agrar-Rohstoffen zugeschoben bekommen, und verweist darauf, dass gerade Hedgefonds ja nicht nur auf steigende Preise setzen. „Ich kenne keine empirischen Untersuchungen, die einen validen Zusammenhang zwischen dem Engagement von Hedgefonds und den Preissteigerungen an den Agrar-Rohstoffmärkten aufzeigen. Diese Trends sind eindeutig fundamental getrieben“, erklärt Truncellito weiter.

„Auch wir sehen aktuell ein starkes Interesse seitens institutioneller Investoren, wobei zunehmend aktive Management-Lösungen nachgefragt werden“, sagt Peter Fanconi, CEO bei Harcourt. Fanconi rät interessierten Investoren am besten über breit diversifizierte Commodity-Futures-Produkte in Rohstoffe zu investieren. Diese bieten alle Vorzüge eines Rohstoff-Investments, wie Dekorrelation zu traditionellen Anlagen, Inflationsschutz, und begrenzen das Risiko.

Doch wie beurteilt Fanconi die sozial verantwortlichen Aspekte eines Engagements?


Nachhaltige Aspekte betrachten?


„Sozial verantwortliche Aspekte sind vielschichtig zu betrachten. Dabei ist der große Preisanstieg sicherlich im Zentrum der Diskussionen“, sagt er. Für ihn seien die hohen Preissteigerungen jedoch eher unter dem Blickpunkt von staatlichen Lenkungen, Angebotsprotektionismus oder fehlenden Investitionen in die (Förder-)Infrastruktur und die damit entstandenen Angebotsängsten zu sehen. Stellt sich somit die Frage, ob sozial verantwortliche Fragestellungen ein Investment in einen bestimmten Rohstoff dadurch beeinflussen sollten? „Nein. Ein Vermeiden von Investments in Rohstoffe im Allgemeinen und Soft Commodities im Speziellen wäre unter diesem Gesichtspunkt nicht gerechtfertigt“, sagt Fanconi.




Abbildung: Indizes der Weltmarktpreise für verschiedene Rohstoffgruppen; Quelle: US Department of Agriculture.


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