Go for Gold
Von Michael Lennert
Veröffentlicht am: 27. Juni 2008
|
|
Dr. Ute Geipel-Faber, Geschäftsführerin, Invesco Real Estate
|
Immobilien können jetzt auch Gold gewinnen! Silber und Bronze ist natürlich auch möglich. Nein, das ist kein Witz, das sind Tatsachen. Der Grund: Um die Immobilienwirtschaft zu stärken, haben die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) ein nachhaltiges Qualitätszertifikat, das „Deutsche Gütesiegel nachhaltiges Bauen“ entwickelt, welches für Bauwerke jeglicher Art, also vom Bürohochhaus über Einfamilienhäuser bis hin zu Infrastrukturbauten wie Tunnel und Brücken, ausgelegt ist.
Nachhaltigkeit als Maßstab
In die Gesamtbewertung des Gütesiegels fließen dabei sechs Kriterien ein, und zwar Ökologie, also die Schonung von Ressourcen, Ökonomie, hier sollen insbesondere die Lebenszykluskosten eine tragende Rolle spielen, aber auch soziokulturelle und funktionale Aspekte sowie Technik und Prozessqualität. Das Gütesiegel wurde gerade auf der „Consense”-Messe in Stuttgart vorgestellt, steht den Marktteilnehmern nach einer mehrmonatigen Testphase voraussichtlich Anfang 2009 zur Verfügung und bietet drei Qualitätsstufen: Gold, Silber und Bronze.
Das Ziel des Ganzen: Den Investoren sollen eine schnellere Vermarktung, geringere Leerstände, höhere Mieten und vor allem ein nachhaltiger Wertbestand winken.
Damit zieht Deutschland international endlich nach, denn für die Bewertung der Umweltverträglichkeit – oder weiter gefasst der Nachhaltigkeit von Gebäuden – gibt es bereits rund zehn Systeme, unter anderem in Großbritannien, Frankreich, Japan und den USA. Zu den bekanntesten zählt das nordamerikanische Leed (Leadership in Energy and Environmental Design), das Gebäude nach einem Punktschema bewertet.
Eine entscheidende Frage hierbei lautet natürlich jetzt: Wenn beispielsweise große Konzerne oder Regierungsstellen künftig nur noch zertifizierte Objekte kaufen wollen, wie wirkt sich dies auf die Finanzierung und die Bewertung von internationalen Fonds aus, wie auf das Investitionsverhalten von institutionellen Investoren, und gibt es gar mittelfristig eine Zwei-Klassen-Immobiliengesellschaft, sprich: Bleiben Investoren letztendlich sogar auf nicht nachhaltig zertifizierten Immobilien mehr oder minder sitzen?
Klarer Wettbewerbsvorteil Gütesiegel
„Nach kritischer Auseinandersetzung mit den international etablierten Standards wie Leed oder Breeam haben wir gesehen, dass Deutschland ein eigenes Zertifizierungssystem benötigt – ein System, das die Besonderheiten des hiesigen Marktes berücksichtigt und die Qualität einer Immobilie in all ihren Facetten abbildet. Für Investoren wie Union Investment spielt der Aspekt der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit naturgemäß eine herausgehobene Rolle. Anmietentscheidungen werden auch in Deutschland in zunehmendem Maße unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien getroffen: Zertifizierte Immobilien haben hier einen klaren Wettbewerbsvorteil”, sagt Dr. Reinhard Kutscher, Vorstandssprecher Union Investment Real Estate AG. Mit dem neuen Zertifizierungssystem würde der deutsche Immobilienmarkt weiter an Transparenz gewinnen - zum Vorteil der Nutzer und der Investoren.
Eindeutige Bewertungsstandards fehlen
„Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde schützt nicht nur das Klima - mehr Energie-effizienz senkt Kosten und beeinflusst damit den Wert der Immobilie. Gleichwohl gibt es darüber hinaus noch weitere Kriterien wie Standort, Infrastruktur, Flächen-effizienz, Repräsentativität et cetera", sagt Barbara Knoflach, Vorstandsvorsitzende bei SEB Asset Management. Was bislang fehlt, sei ein eindeutiger Bewertungsstandard für Nachhaltigkeitsaspekte, um die ökologische Qualität einer Immobilie auch wirtschaftlich erfassbar zu machen. „Wir gehen davon aus, dass die Mietpreis- und Wertentwicklung energiesparender Immobilien positiver ausfallen wird als für herkömmliche Gebäude, die ansonsten dieselben Lage- und Qualitätsstandards haben", sagt Knoflach.
Mittelfristig attraktive Investitionsidee
„Nachhaltigkeit ist kein Modetrend, sondern verspricht einen zukunftsträchtigen Mehrwert im Immobilien-Asset-Management“, sagt wiederum Dr. Ute Geipel-Faber, Geschäftsführerin bei Invesco Real Estate in München, die jedoch darauf hinweist, dass Nachhaltigkeit weitgehend immer noch ein schwammiger Begriff sei. Hier bestünde auf jeden Fall noch Informationsbedarf. Eine Lösung für Geipel-Faber: Die Nachhaltigkeit auf das Wesentliche zu reduzieren. „Sicherlich ist Nachhaltigkeit bei Immobilien kurzfristig zudem ohne Zweifel ein Kostenfaktor. Mittelfristig ist es allerdings die Basis für attraktive Investitionsideen“, erklärt sie weiter und stimmt auch damit überein, dass durch Zertifizierung Maßstäbe bezüglich Bewertungsgrundlagen und Transparenz gesetzt werden. Und diese sei auf jeden Fall unabdingbar für das Entstehen eines Marktes für Nachhaltigkeit.
Druckerfreundliche Version
Als E-Mail verschicken
weitere Artikel
|