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24. - 25. September 2008
aba-Seminar: Kapitalanlageprozess in betrieblichen Versorgungseinrichtungen



 
 
Verständnis und genaue Kenntnis gefordert
Von Michael Marks, Leiter BlackRock Solutions EMEA, und Steven Bayly, Managing Director, BlackRock Deutschland

Veröffentlicht am:  27. Juni 2008

Die Kreditkrise hat gezeigt, welche Folgen ein mangelndes Risikomanagement haben kann. Nichtsdestotrotz reicht es nicht aus, lediglich einen Risikomanager einzustellen und Daten zu sammeln. Ohne ein erstklassiges und akkurates Risikomanagement kann heute und in Zukunft kein institutioneller Investor mehr nachhaltig profitabel sein.

Die Milliardenverluste vieler Banken aufgrund der US-Hypothekenkrise haben gezeigt, welche Folgen mangelndes Risikomanagement haben kann. Es reicht aber nicht aus, einen Risikomanager einzustellen. Investoren sollten vor allem ihre Wertpapierbestände genau kennen. Denn die bisher aufgelaufenen Milliardenverluste werfen speziell die Frage auf, ob das Risikomanagement bei den betroffenen Instituten versagt hat – oder ob es überhaupt in ausreichendem Maße vorhanden war. Tatsächlich trifft wohl beides zu, wenngleich man anerkennen muss, dass auch das beste Risikomanagement nicht vollständig vor Verlusten schützt. Selbst wenn Risiken bekannt sind, können Investitionen in die falsche Richtung laufen, weswegen auch Unternehmen mit einem sehr guten Risikomanagement am Kapitalmarkt Geld verlieren können – die Frage ist nur, wie viel. Es spricht nichts dagegen, Risiken einzugehen, solange Anleger die Risiken verstehen und die angemessenen Erträge erhalten.

Genau an dieser Stelle aber lag in den letzten Monaten das Problem: Viele Investoren hielten den Kauf gewisser Kapitalmarktprodukte für ein solides Geschäft, da Ratings, Kapitalunterlegungsanforderungen und Ertragsaussichten attraktiv erschienen. Ein akkurates

Risikomanagement hätte dabei geholfen, die unterliegenden Risiken dieser Anlagen genau zu verstehen und die Verlustpotenziale zu begrenzen.


Vertrauen auf Rating-Agenturen nicht ausreichend


Viele Organisationen vertrauten zudem einzig den Aussagen von Rating-Agenturen. Das Rating eines Wertpapiers ersetzt aber das Risikomanagement nicht. Ergänzend zu Ratings sollten Investoren genau verstehen, in welche Produkte sie investieren. Dazu sollten die angebotenen Produkte fundamental analysiert und das Risiko-Ertrags-Profil genau abgewogen werden. Hierbei lohnt es sich, Risikomanagement-Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen oder eine eigene Risikomanagement-Einheit intern aufzubauen.


Risikoanalyse und Risikomanagement als langfristige Trends


Tatsächlich haben viele Finanzinstitutionen in den letzten Monaten Risikomanager („Chief Risk Officer“) eingestellt. Es ist nicht ersichtlich, ob dies auf den zunehmenden Einsatz von Derivaten und Hedgefonds-Strategien zurückzuführen ist oder ob die zunehmende Marktvolatilität manche Unternehmen bewogen hat, sich dem Thema Risiko verstärkt zu widmen. Klar ist, dass die Welt der Geldanlage komplexer geworden ist. Weil Portfolios und Kapitalmarktprodukte immer komplizierter werden, steigt auch der Aufwand für die Risikoanalyse.


Transparenz und Datenqualität


Dabei kommt es nicht nur auf den richtigen Risikomanager an. Ebenso wichtig sind Technologie- oder Informationsmanager („Chief Technology Officer“, „Chief Information Officer“) und damit verbundene Investitionen in die technische Infrastruktur, um Transparenz über alle Portfolios und Produkte hinweg zu schaffen. Damit tun sich viele Unternehmen schwer, etwa weil sie verschiedene Plattformen für diverse Kapitalmarktprodukte haben. Ohne hochqualitative und transparente Informationen kann aber kein Risikomanager effektiv arbeiten. Dabei sollte er sich nicht zu stark auf einzelne Parameter konzentrieren. Die einzelnen Risikomaße hängen vom jeweiligen Blickwinkel und unterliegenden Instrumenten ab. Strukturierte Kreditprodukte (Collateralized Debt Obligations) haben beispielsweise ein Zinsrisiko, das bei ihnen vorherrschende Risiko ist aber das Kreditrisiko. Investoren sollten von daher die multiplen Risiken in ihrem Zusammenwirken begreifen. Wer strukturierte Produkte wie CDO, CMO und ABS richtig verstehen und bewerten will, muss grundsätzlich analysieren, wie sich der zugrunde liegende Wert unter verschiedenen Bedingungen verhält und welche Auswirkungen dies auf das Risiko des Gesamtpapiers und seiner verschiedenen Tranchen hat.


Den Überblick behalten


Anleger sollten beim Risikomanagement die relevanten Modelle, aber auch ihre jeweiligen Grenzen verstehen. Gleichzeitig sollte ein Investor jedoch über ein gesundes Maß an Intuition verfügen. In den vergangenen Monaten etwa wurde deutlich, dass viele der eingesetzten Modelle für einige der im Zuge des Hypotheken-Booms in den USA neu entwickelten Kapitalmarktprodukte nicht taugten, weil sie nur mit sehr beschränkten Datensätzen arbeiteten.

Ein guter Risikomanager ist sich bewusst, dass Modelle kontinuierlich an neue Strukturen und Produkte im Markt angepasst werden müssen. Einige Organisationen waren in den letzten Monaten außerdem zu sehr auf mögliche Krisenszenarien in einzelnen Marktbereichen fokussiert. Dass mehrere oder beinahe alle Marktsegmente sich gleichzeitig schlecht entwickelten, traf die meisten Investoren unvorbereitet. Gerade Unternehmen, die bereits seit einiger Zeit Derivate nutzen, waren in dieser Situation im Vorteil – sie sind bereits mit der Komplexität von Risikomanagement vertraut.


Risikomanagement und Risikomessung


Risikomanagement beginnt mit Risikomessung. Risikomessung legt die Risikoexpositionen und die Beziehungen der unterschiedlichen Wertpapiergattungen zueinander offen. Die Aufgabe des Risikomanagers ist es dann, diese Ergebnisse im Portfolio Management umzusetzen. Weil Risikomanagement und Portfolio Management zusammengehören, sollte Risikomanagement nicht einfach ausgelagert werden. Sinnvoll ist dagegen die Auslagerung der Risikomessung an externe Dienstleister. Der Aufbau der nötigen Infrastruktur im eigenen Haus ist für Unternehmen und Investoren häufig zu kostenintensiv. Oft nutzen mehrere Unternehmen den gleichen externen Dienstleister. Damit kann der Anbieter eine kontinuierliche Qualitätskontrolle garantieren; zusätzlich wird das Einbringen neuer Ideen erleichtert.

Externe Risikomessung hat ihren Preis: Anbieter müssen kontinuierlich in Datensammlung und -aufbereitung, Modelle, Reporting-Werkzeuge und Personal investieren. Die letzten Monate haben jedoch gezeigt, dass es unter Umständen teuer werden kann, aus Kostengründen auf eine akkurate Risikoanalyse zu verzichten.

Manche Risikomanager verbringen den größten Teil ihrer Zeit damit, Daten zu sammeln, anstatt diese auszuwerten und Ergebnisse zu formulieren. Mitunter dauert es einige Monate, bis Unternehmen oder Investoren eine vollständige Transparenz über den Wertpapierbestand und dessen Risikoexpositionen herstellen können. Wer einen kompetenten Dienstleister nutzt, verfügt dagegen zeitnah über die für gutes Risikomanagement unabdingbare Transparenz.

Viele Unternehmen und Investoren betrachten Risiko Management und Risikomessung weiterhin als Nettokostenposition und unabhängig von der Alpha-Generierung. Dabei sind das Portfolio Management und das Risikomanagement zwei Seiten derselben Medaille, wie die Krise der letzten Monate gezeigt hat: Die eine Seite funktioniert langfristig nur in Abhängigkeit von der anderen. Diese Erkenntnis setzt sich langsam durch, der Markt für Risikomanagement-Dienstleistungen wächst kontinuierlich.

In der Vergangenheit haben viele Asset Manager in Teams investiert, die vorrangig Daten über das Risiko der Portfolios gesammelt haben. Heute können diese Unternehmen die Risk-Management-Funktion auslagern, um wirklichen Mehrwert bezüglich Risikomanagement zu schaffen.


Pensionsfondsrisiken richtig verstehen


Um das Risiko eines Pensionsfonds richtig zu erfassen, muss man mehr messen als nur die Differenzen zwischen dem Portfolio und den verschiedenen Markt-Benchmarks. Es ist zum Beispiel äußerst wichtig, dass man vergleichen kann, welche Barmittelflüsse aus Anlagen erzielt werden und welche Barmittel für Verbindlichkeiten abfließen. Risikomanagement im Pensionsfondskontext ist nur möglich, wenn man versteht, wie die beiden Seiten der Pensionsfondsbilanz in unterschiedlichen Situationen reagieren.


Lösungen möglich


Im Laufe der Jahre hat BlackRock Solutions (BRS) ein integriertes System von Investment-Management-Tools entwickelt, die sowohl von BlackRock selbst als auch von einem breiten Spektrum institutioneller Anleger verwendet werden. Das BRS-Risikomodell zielt darauf ab, das Risiko ganzheitlich zu betrachten, indem die wichtigsten Risiken – Zinsrisiko, Kreditrisiko und Liquiditätsrisiko – in proprietären Risikomanagement-Systemen integriert und die Risiken im wirtschaftlichen Kontext gesehen werden.

So können die Klienten ihr individuelles Wertpapierrisiko anhand von nicht weniger als 1.200 Zinsrisikofaktoren ermitteln. Wir wissen, dass die Geschichte sich nie exakt wiederholt und dass die Marktdynamik immer mehr zunimmt. Deshalb gestattet das Modell ein breites Spektrum verschiedener Marktbelastungen und hypothetischer Szenarien. Die Anleger können so analysieren, welche Auswirkungen bestimmte Investment-Ideen auf ihr bestehendes Portfolio sowie auf ihr Asset-Liability-Profil haben. Anders als bei „traditionellen“ Systemen ist es den Anlegern möglich, strukturierte Produkte zu analysieren und Modelle für vorzeitige Zahlungen und auf Bankhypotheken beruhende Wertpapiere zu bilden.


Risikomanagement in einer immer komplexeren Welt


Die Märkte werden immer komplexer – Branchentrends nehmen zu, wie etwa Derivatenutzung, verpflichtungsorientierte Geldanlage (Liability Driven Investing) sowie das Angebot an Portfolios, die unterschiedliche Anlageklassen beinhalten. Unternehmen und Investoren, die bereits über gutes Risikomanagement und eine akkurate Risikomessung verfügen, werden auch weiterhin ihre Infrastruktur der steigenden Komplexität anpassen müssen. Diejenigen, die dies noch nicht getan haben, sollten sich schnellstmöglich dem Thema widmen: Ohne gutes Risikomanagement kann heute und in Zukunft niemand mehr nachhaltig profitabel investieren. Und Risikomanagement ohne Risikomessung betreiben zu können, ist illusorisch.


In Zusammenarbeit mit: BlackRock (Deutschland)


ANSPRECHPARTNER

Steven Bayly
Managing Director

BlackRock (Deutschland) GmbH
Altenhofstraße 1
D-80331 München

Tel.: +49 (0) 89 44 44 62 510
E-Mail: steven.bayly@blackrock.com
www.blackrockinvestments.de



Abbildung: Proprietary Risk Management Integration;
Quelle: BlackRock.


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