We live in VOODOO TIMES
Veröffentlicht am: 03. Mai 2008
„Finance und Portfolio Management sind auf dem Stand der Medizin vor dreihundert Jahren – mit Quacksalber und Voodoo.” Zugegeben, ein wenig schmeichelhaftes, fast radikales Zitat.
Es stammt aber nicht von Skeptikern aus der deutschen Altersversorgungsszene und auch nicht aus den Reihen der schadenfreudigen Assekuranz (Sie wissen schon, wegen des Subprime-Desasters). Nein, gesagt hat es ein Banker, ein Beautiful Mind, der noch nie ein Blatt vor den Mund genommen hat.
Nun scheint er aber endgültig recht zu bekommen. Jetzt fehlt nur noch, dass die Fondsgesellschaften, die gerade einen der gefühlten hundert Afrikafonds oder ähnliche Investment-Gelegenheiten an den Mann bringen wollen, demnächst mit jedem Anteil gleich auch einen sogenannten „Gad” kostenlos dazugeben. Ein solcher Voodoo-Talismann aus Echthautpergament hat ein tolles Risiko-Chance-Profil (er ist nicht teuer und bringt viel), wenn man den Internetforen dazu glauben darf: Da gibt es zum Beispiel einen Fessel-Gad, der eine nicht erwiderte Liebe zurückbringt. Er soll auch eine erobern können, die sich widersetzt.
Die Redaktion von dpn empfiehlt Afrikafonds- und Gelegenheitsanbietern allerdings etwas Seriöseres: den Reichtums-Gad. Er verspricht genau das, was draufsteht, und erfüllt damit nebenbei auch das Fonds-Mantra „Produktwahrheit und -klarheit”. Ein angenehmer Zusatzeffekt: Wenn er funktioniert, kann man sich den Fessel-Gad sowieso sparen und die Liebe auch so holen – was das Risiko-Chance-Profil für den Anleger nahezu unschlagbar gut macht.
Doch nun Schluss mit der Ironie. Immerhin stimmt die Story der Volkswirte und in Afrika wächst nicht nur die Bevölkerung, sondern auch die Wirtschaft stark. Es gibt zwar noch Piraten vor Somalia, aber mehr Chinesen, die die Wirtschaft ankurbeln, als Bürgerkriegsparteien, die Wachstum hemmen. Und es gibt einige mahnende Stimmen, Deutschland verschlafe den afrikanischen Boom – wie ein Leipziger Afrikanistik-Professor schon vor einem Jahr in DIE ZEIT schrieb.
Wahr ist: Ein riesiger arabischer Staatsfonds fragte vor kurzem einen großen deutschen Emerging-Markets-Investor, ob er für ihn mehrere hundert Millionen Dollar in Afrika verwalten wolle. Eine hiesige Zusatzversorgungskasse musste jüngst von einer Depotbank wissen, wie viele Länder sie denn in Afrika abdecken könne. Wahr ist auch: Afrika ist die einzige Region dieser Erde, in der sich noch nicht zu viel Geld tummelt.
Doch das wird nicht so bleiben. Die Liquidität organisiert sich gerade und wird auch das tiefste Schwarzafrika wuchtig überschwemmen. Dann hilft den Renditen wirklich nur noch eines: Voodoo.
Herzlichst, Ihr
Maik Rodewald, Chefredakteur
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