Guter Rohstoff, schlechter Rohstoff
Veröffentlicht am: 03. Mai 2008
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Dr. Viola Markert,CYD Research,Managing Partner
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Rohstoffe werden zunehmend elementarer Bestandteil von institutionellen Portfolios. So auf jeden Fall lautete der Haupttenor einer Befragung auf der „4th Annual Commodities Investors Conference“ von Barclays Capital in Barcelona, bei der rund 260 institutionelle Investoren befragt wurden.
Denn obwohl rund 65 Prozent der Befragten die derzeit hohen Rohstoffpreise als das Hauptübel für ein Rohstoff-Investment ansehen – momentan investieren laut Umfrage 70 Prozent der Investoren nur maximal 5 Prozent ihres Portfolios in Rohstoffen –, geben immerhin 65 Prozent der Investoren an, in den kommenden drei Jahren mindestens 5 Prozent bis sogar mehr als 10 Prozent ihrer Portfolios in Rohstoffe investieren zu wollen.
Interessant: Mehr als die Hälfte der Inves-toren will in den Agrarsektor (53 Prozent) investieren, einfach weil hier 2008 die höchs-ten Renditen erwartet werden, gefolgt von der Viehzucht mit 16 Prozent aller Nennungen, Edelmetallen (13 Prozent), Energie mit immerhin noch 12 Prozent aller Nennungen und den Industriemetallen mit 6 Prozent.
Schon zu gut gelaufen?
„Für uns sind Rohstoffe ein sinnvoller Bestandteil der strategischen Asset Allocation, den es natürlich auch zeitnah zu beobachten gilt, da wir derzeit Rohstoffe zwar nicht negativ, aber doch vorsichtiger als noch vor kurzer Zeit einschätzen“, sagt Marcus Burkert, Leiter Consulting bei Feri Institutional Advisors. Burkert empfiehlt institutionellen Investoren eine Beimischung von bis zu fünf bis zehn Prozent, am besten aktiv gemanagt und breit gestreut, und zwar breit gestreut sowohl auf Rohstoff- als auch auf Manager-Ebene. Bemischungen unter fünf Prozent lehnt er ab, da dann die diversifizierende Wirkung im Portfolio irgendwann nicht mehr spürbar sei.
„Gleichwohl, wenn ein Inves-tor gerade mit dem Gedanken spielt, neu zu investieren, sollte er sich natürlich auch Gedanken darüber machen, ob er für ein Rohstoff-Investment ausreichend Risikobudget zur Verfügung stellen kann oder ob es nicht sinnvoller ist, das vorhandene Risikobudget an anderer Stelle einzusetzen”, sagt der Feri-Experte weiter.
Aktiv sticht passiv
„Ich sehe derzeit eine Tendenz, dass vermehrt institutionelle Investoren ihre Rohstoff-Engagements von passiven Anlageformen in aktive umschichten“, sagt wiederum Dr. Viola Markert, Managing Partner bei CYD Research in Zürich, und verweist hierbei auf zwei potenzielle Möglichkeiten: Entweder der institutionelle Anleger entscheidet sich ganz für einen aktiven Manager, oder er investiert quasi in einen aktiven Index oder anders ausgedrückt in einen Enhanced-Index. „Enhanced Indexing bringt derzeit sicherlich noch etwas. Wenn aber immer mehr Investoren in diese Anlageformen investieren, werden die Märkte entsprechend effizienter und die Möglichkeit, zusätzliches Alpha zu erwirtschaften, wird zurückgehen“, erklärt Markert, die hierbei auch Nachteile des Enhanced Indexing anspricht. Der gewünschte Hedge-Effekt, also beispielsweise der Inflationsschutz oder Schutz vor geopolitischen Risiken, sei einfach weniger stark ausgeprägt wie bei klassischen Rohstoffen, da Enhanced-Index-Produkte vornehmlich in längere Laufzeiten investieren, geopolitische Risiken beispielsweise jedoch eher am kürzeren Ende auftreten.
Nicht nur Long-Only in Betracht ziehen
Summa summarum würde Markert derzeit ein Long-Only-Rohstoff-Exposure nicht weiter ausbauen, auch vor dem Hintergrund, da ihrer Ansicht nach viele aktive Manager momentan einen größeren Teil Cash halten, da sie eine Korrektur befürchten. „Ich spreche nicht von einer Bubble, es gibt bei Rohstoffen keine Referenzpreise wie beim Aktienmarkt. Gleichwohl halte ich es derzeit eher für sinnvoll, in ein Long-Short-Produkt zu investieren, einfach um eine weitere niedrig korrelierte Renditequelle im Portfolio zu haben. Obwohl auch klar ist, dass dies dann kein klassisches Rohstoff-Investment mehr ist“, erklärt Markert, die übrigens die zeitweise doch stark ausgeprägte Volatilität bei Rohstoffen nicht als besonders gravierendes Problem ansieht. Denn sicherlich seien einzelne Rohstoffe recht volatil. Es gebe auf der anderen Seite jedoch etliche Studien, die belegen, dass Rohstoffe in der Summe nicht volatiler sind als ein Investment in US-Large-Caps. „Es sind eben weniger Komponenten drin, weil es gar nicht so viele aktiv gehandelte Rohstoff-Futures gibt. Die sind aber schön unkorreliert zueinander. Und das ist ja gerade der Reiz“, sagt Markert.
ML

Abbildung: Befragung, „4th Annual Commodities Investors Conference“; Barclays Capital.
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