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Im Projekt Europa

Veröffentlicht am:  03. Mai 2008
— Michael Fuss

Administration macht Spaß, wenn das Volumen stimmt und steigt. Was liegt da näher, als auch über die Grenzen zu schauen? Aber nicht nur über Ländergrenzen, auch über die Grenzen des traditionellen Geschäftsmodells. Mancher redet gar von strategischen Partnerschaften mit Investoren – wie Michael Fuss.

Fragen: Clemens Schuerhoff
Antworten: Michael Fuss, Head of Distribution Master-KAG, Deutsche Asset Management

 

dpn: Herr Fuss, welche ist die größte Herausforderung für die Master-KAG-Branche in den nächsten zwei Jahren?


Fuss:
Ganz klar der Trend, das Produkt Master-KAG nach Europa zu transportieren. Das Stichwort lautet Pooling – sei es die Königsdisziplin Cross-border Asset Pooling oder einfaches virtuelles Pooling für multinationale Unternehmen. Das ist für uns das große Thema im Jahr 2008.


dpn: Welche Tendenzen stellen Sie bei den Mehrwertdienstleistungen von Master-KAGen fest?


Fuss:
Das Aufbrechen der Wertschöpfungskette haben wir jetzt lange genug gespielt. Wir als Master-KAG schlüpfen in die Rolle des strategischen Beraters für den Kunden. Das beginnt bei Overlay-Themen und umfasst vereinzelt sogar die Allokationsberatung. Das Extrem ist, was in den vergangenen Jahren in Holland mit dem Schlagwort Fiduciary Management eine große Welle ausgelöst hat: Man macht fast alles für einen Investor - von der Definition des Risikobudgets bis zum finalen Reporting.


dpn: Sollte sich eine Master-KAG nicht lieber ganz auf die Administration konzentrieren, statt sich mit dem Drumherum zu verzetteln?


Fuss:
Ich sehe im Moment eher den Trend zu strategischen Partnerschaften zwischen Master-KAG und Investor, in denen auch wieder andere Dienstleistungen als nur die reine Administration abgerufen werden, also auch Asset Management. Wichtig ist, dass die verschiedenen Dienstleistungen einfach und transparent gepreist sind.


dpn: Welche dieser Dienstleistungen werden teurer, welche billiger?


Fuss:
Bei der reinen Administrationsgebühr ist nach unten nicht mehr viel Luft. Da sind wir nicht mehr weit von der Nulllinie weg. Bei den Mehrwertdienstleistungen sind höhere Preise möglich – aber nur, wenn der Kunde den Mehrwert auch messen kann. Ein Beispiel ist die Performance-abhängige Vergütung für eine erfolgreiche Manager-Auswahl.


dpn: Gibt es bei der Integration von Direktanlagen neue Entwicklungen?


Fuss:
Der Bewertung kommt jetzt in diesen Tagen eine größere Bedeutung als bisher zu. Ansonsten sehe ich da aber keinen neuen Trend. Klar ist die Anforderung der Investoren, Übersichtlichkeit über alle Kapitalanlagen herzustellen – also inklusive Direktanlagen.


dpn: Wann erreichen wir in Deutschland das Haltbarkeitsdatum für Spezialfonds? Oder ist das bloßes Wunschdenken von Custodians?


Fuss:
Über das Verfalldatum von Spezialfonds wird seit vielen Jahren schon diskutiert. Ich halte das für Spekulation. Die jüngsten Änderungen des Investmentgesetzes lassen eher vermuten, dass das Haltbarkeitsdatum deutlich verlängert wurde.


dpn: Wie schätzen Sie den Trend hin zu institutionellen Publikumsfonds ein und wie hoch ist der Anteil der von Ihnen verwalteten Publikumsfonds in Masterfonds?


Fuss:
Wir können da keinen großen Trend erkennen. Es werden über Publikumsfonds Sonderthemen und exotischere Anlageklassen beigemischt, wobei wir immer deutlich unterhalb der Zehn-Prozent-Grenze des Gesamtfonds bleiben. Meist sind die Volumina zu gering, um ein eigenes Segment zu bilden, dann ist ein entsprechend vergüteter Publikumsfonds ein sinnvolles Vehikel.


dpn: Ist Fondsadministration für Sie ein deutsches oder ein europäisches Thema?


Fuss:
Die Vorteile einer Master-KAG sind auch unabhängig von diesem rein deutschen Fondsvehikel relevant. Die Investoren haben den Anspruch an Anbieter, egal ob Custodian, Asset Manager oder Master-KAG, dass sie ihnen helfen, ihre Kapitalanlagen übersichtlich zu machen und darüber konsolidiert zu berichten - ganz gleich in welchem Vehikel sich das abspielt.


dpn: Welcher ist der wichtigere Faktor im Master-KAG-Geschäft, Mensch oder Maschine?


Fuss:
Viele technische Dinge werden mittlerweile zu Recht vorausgesetzt. Die reine Fondsadministration bietet perspektivisch allerdings wenig Gelegenheit für Master-KAG-Anbieter, sich auf Dauer zu differenzieren.

Wo wir mit reiner Administration nur eine Basisdienstleistung verkaufen, brauchen wir vor allem eine gute Maschine. Wo es in Richtung Fiduciary Management geht, ist der Mensch als Berater und Koordinator unersetzbar. Dort werden sich die Master-KAG-Anbieter noch stärker differenzieren.

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