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Auch historisch nicht nur quantastisch
Von Maik Rodewald

Veröffentlicht am:  03. Mai 2008

Die Subprime-Krise hat die Macken von Quant-Ansätzen offenbart. Wenn es turbulent wird an den Märkten, zeigen sie einen hohen Gleichlauf. Da Quants gerne hebeln, haben sie noch stärker gelitten als nötig. Andererseits gilt auch: Je rationaler das Marktumfeld, desto erfolgreicher sind sie. Deshalb wird ihre Zeit auch wieder kommen.

Was ist eigentlich ein Quant, und was ist das Gegenteil? Wann sind Quants besser, wann traditionelle Asset Manager? Wie haben Quants tatsächlich in der Subprime-Krise abgeschnitten, und warum war das Jahr 2007 wirklich so schlecht? Es sind Fragen, die man mit „Wir glauben” beantworten kann oder mit Statistik. dpn hat Letzteres versucht. Zunächst: Das Gegenteil von quantitativ ist nicht fundamental, sondern traditionell. Das Beratungsunternehmen alpha portfolio advisors grenzt die Begriffe nach drei Kriterien ab:

Renditeprognose: Beim traditionellen Investment-Ansatz wird jede einzelne Aktie sequenziell analysiert und die Information subjektiv beurteilt. Beim quantitativen Ansatz werden relevante Daten für sämtliche Aktien im Querschnitt simultan prognostiziert und die Information mithilfe eines Modells verarbeitet.

Risikosteuerung: Beim traditionellen Ansatz sollen heuristische Regeln für Diversifikation sorgen. Beim Quant-Ansatz wird das Risikobudget gesteuert, mittels eines Risikomodells wie etwa Barra.

Portfoliokonstruktion: Beim traditionellen Ansatz werden Titel und Branchen über- und untergewichtet. Beim Quant-Ansatz wird die erwartete Wertschöpfung durch Portfoliooptimierung maximiert.


Der Vergleich der mittleren aktiven Renditen zeigt, dass traditionelle Asset Manager über die vergangene Dekade sechs Jahre besser abgeschnitten haben – darunter auch im Jahr 2007 (siehe Abbildung). Einzig das Jahr 1998 war – gemessen an den eingestellten Composites in der alpha-Manager-Datenbank – noch schlechter. Laut Jochen Kleeberg, Partner von alpha, waren die Quants in den rational geprägten Aktienmarktphasen erfolgreicher.

Er verweist auf eine weitere Beobachtung: In der Krise zeigen die Quants einen relativ hohen Gleichlauf, da „viele im Grunde auf die gleichen Daten zurückgreifen und ähnliche Schlüsse ziehen” – einer der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden 2007. Denn er macht bei vielen Quant-Portfolios einen Hang zu Value-Titeln wie etwa Finanzwerte aus. Ein Übergewicht dieser vermeintlich niedrig bewerteten Papiere tat also „doppelt weh”.

Quants, darunter auch Strategien wie Equity Market Neutral, litten auch darunter, dass die Investoren Liquidität brauchten. Ein Teufelskreis – sinkende Bewertungen und Mandatskündigungen – provozierte den nächsten: Die Volatilität stieg und Quant-Manager mussten ihren teilweise hohen Hebel abbauen („Deleveraging”), so dass auch die traditionellen Ansätze solcher Häuser schlecht abschnitten. Einige haben sich bis heute nicht davon erholt.

In der nächsten dpn beleuchten wir ausführlich, wie Quant-Management in der Zukunft aussehen könnte und was Asset Manager derzeit anbieten. Eines ist sicher: Quant-Anbieter werden versuchen, die attraktiven Margen durch das Performance-Loch zu schleifen.





Abbildung: Der Vergleich der beiden Investment-Stile basiert auf Daten der Manager-Datenbank der alpha portfolio advisors GmbH. Zum Stichtag der
Berechnung im April 2008 wurden 179 (quantitativ) und 557 Composites (aktiv traditionell) von insgesamt 230 Asset Managern für Aktien Europa, USA und Japan untersucht.


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