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Mikrokredite: Schöne neue Welt?

Veröffentlicht am:  11. März 2008

Der Mikrofinanzsektor weist eine immense Finanzierungslücke auf – und zwar rund 250 Milliarden US-Dollar. Das prognostiziert die Deutsche Bank Research in der aktuellen Studie „Mikrofinanz-Investments – eine sozial verantwortliche Anlage mit großem Potenzial“ und rechnet gleichzeitig bis zum Jahr 2015 mit einem Anstieg des Anlagevolumens auf rund 20 Milliarden US-Dollar.

Wachstumspotenzial ist somit auf jeden Fall vorhanden, insbesondere auch dadurch, dass Mikrofinanzierungsmodelle zunehmend öffentlich diskutiert und wahrgenommen werden. Beispielsweise erhielt Professor Muhammed Yunus 2006 hierfür den Friedensnobelpreis.

Positive Eigenschaften nicht leugbar

Eine, die an die Zukunft von Mikrokrediten glaubt und diese schon als quasi neue Asset-Klasse ansieht, ist Edda Schröder, die Geschäftsführerin von Invest in Visions und Initiatorin von Mikrokreditfonds. Diese investieren in sogenannte Mikrokreditinstitute, auch MFI genannt, die vor Ort Kleinstkredite zwischen 25 und 2.000 Euro an arme Menschen vergeben, die bei einer Bank mangels Sicherheit niemals einen Kredit bekommen würden. „Man kann eindeutig feststellen, dass das Interesse steigt“, sagt Schröder und verweist auf derzeit rund 100 Mikrokredit-Finanzvehikel, die Investoren zur Verfügung stehen, denn die Vorteile von Mikrokredit-Investments lägen eindeutig auf der Hand.

„Mikrokredit-Investments zeichnen sich durch ein attraktives Risiko-Rendite-Profil aus, das von stetigen, stabilen Erträgen, zwischen vier und sechs Prozent per annum, einer geringen Volatilität, rund 0,47 Prozent, niedrigen Korrelationen zu anderen Asset-Klassen und geringen Kreditausfallraten bei den Endkunden gekennzeichnet ist“, sagt sie und legt dabei dar, dass rund 98 Prozent der vergebenen Kleinkredite zurückgezahlt würden. Ein wirklich beachtlich hoher Wert.

Beide Seiten der Medaille betrachten

Gleichwohl, wo es Licht gibt, gibt es auch Schatten. „Ja, es stimmt. Für manche institutionelle Investoren ist die potenzielle Rendite trotz niedriger Ausfallraten zu niedrig. Das liegt sicherlich zum einen an den höheren Kosten derartiger Fonds, so sind etwa Total Expense Ratios von 3 Prozent und mehr durchaus üblich, und zum anderen aber auch an den unterschiedlichen Tranchen und den daraus resultierenden Risiken, die ein Investor bereit ist zu tragen“, erklärt sie und verweist deswegen auf einen entscheidenden Fakt: die „richtigen“ Mikrokreditinstitute im Investitionsprozess auszuwählen.

Und noch zu den Kosten: Die seien unter anderem deswegen so hoch, weil es sich hierbei eben nicht um einen Plain-Vanilla-Prozess handelt, wir bewegen uns in einem ineffizienten Markt. Es muss ein hoher Research-Aufwand betrieben werden, da beispielsweise die Mikrofinanzinstitute in den Emerging Markets regelmäßig besucht werden müssen. Diese wiederum haben relativ hohe Personal- und administrative Kosten durch die hohe Stückelung und Diversifikation der Kunden und Mikrokredite.

Doch nicht nur das, nicht zu unterschätzen sind auch Risiken wie das Illiquiditätsrisiko, da oftmals keine Marktpreise verfügbar sind, weil die MFI in der Regel nicht an der Börse notiert sind und in vielen Fällen nur bei Fälligkeit oder vorher festgelegten Terminen veräußert werden können. Zudem gibt es Investments, die keine regelmäßigen Dividenden und Zinserträge abwerfen, nicht zu unterschätzen sind auch Währungsrisiken, wenn ein Währungshedging nicht möglich oder schlicht zu teuer ist, sowie spezifische Länder- oder politische Risiken.

„Der Investor muss sich über seine Prioritäten und das Risiko im Klaren sein, welches er bereit ist zu tragen. Ist er das, profitiert er von allen Vorzügen einer aufstrebenden Asset-Klasse“, sagt Florian Meister, Berater des mittlerweile über 400 Millionen Euro schweren European Fund for South East Europe (EFSE), und verweist darauf, dass der Investor ja die Möglichkeit habe, über die infrage kommenden Tranchen selbst zu verhandeln. Gleichwohl gibt er auch zu, dass derzeit insbesondere verbriefte Kreditportfolios aufgrund der aktuellen Kreditkrise sicherlich nicht ganz en vogue sind.

Letztendlich Hard Facts entscheidend

So weit, so gut. Doch inwieweit sind derartige Mikrokredit-Investments bereits in den Portfolios deutscher institutioneller Investoren angelangt? „Wir haben Mikrokredite derzeit noch nicht auf dem Radarschirm. Einfach weil eine Anlage in das Rendite-Risiko-Profil unserer Investitionen passen muss. Bei Mikrokrediten bin ich mir unsicher, auch weil es sich für mich um keine liquide Asset-Klasse handelt. Sicherlich, man hat den positiven Aspekt eines ethischen Investments, ausschlaggebend sind letztendlich jedoch ganz allein die harten wirtschaftlichen Kriterien“, sagt Claudia Meier, Leiterin Handel und Eigenanlagen bei der Sparkasse Nürnberg, die darauf verweist, dass ihre Sparkasse vornehmlich lokal konzentriert engagiert ist, sprich den Fokus ja gerade auf das regionale Kreditgeschäft mit all seinen Herausforderungen richtet.

Auch deswegen sei die Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft nicht sehr hoch, Mikrokredite im eigenen Depot mittelfristig höher zu gewichten. ML

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