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Ungleicher Wettbewerb in neuer Runde
Von Von Clemens Schuerhoff und Maik Rodewald

Veröffentlicht am:  11. März 2008
— Jörg Ambrosius, State Street, Geschäftsführer

Die Strukturen bilden sich immer deutlicher heraus: Deutschlands Weg führt hin zum ultimativen Administrator. Strategisch wäre es das Ende des deutschen Investmentdreiecks Kunde-Depotbank-KAG. Custodians haben die besten Karten, doch wer hat das Zeug zum Super-Administrator? Die dpn-Umfrage liefert einen Zwischenstand.

Der deutsche Markt für Depotbank- beziehungsweise Custody-Dienstleistungen ist härter umkämpft denn je. Darauf weist auch die rekordhohe Beteiligung an der diesjährigen dpn-Umfrage hin: Insgesamt sind es 14 Adressen, die allein hierzulande fast 2,6 Billionen Euro in Fonds plus Direktanlagen (Assets under Custody) und 700 Milliarden nur in Fonds (Assets under Depotbank) verwahren.

Die Zahl der Ausschreibungen nimmt zu. Das zeigt, dass institutionelle Kunden bestehende Depotbankbeziehungen stärker hinterfragen und durch Neuausschreibungen optimieren wollen. Dabei steht der Preis nicht allein im Vordergrund, sondern die adäquate Gesamtdienstleistung einer Depotbank. Das läuft häufig auf eine Bündelung von Anlagen sowohl bei Fonds als auch bei den begehrten Direktanlagen hinaus. Diese Bündelungsfunktion entspricht mittlerweile genau dem Geschäftsfeld von Master-Kapitalanlagegesellschaften – daher steht sie in direkter Konkurrenz zu den Custodians.

Die heißen Themen der Custodians bei den Mehrwert-Dienstleistungen heißen Transaktionskostenanalysen, Wertpapierleihe, Risikoanalysen und Pension Pooling. Das Dauerthema bleibt die – ständige – Verbesserung der internen Prozesse, zum Beispiel bei den Aufgaben Anteilpreisabstimmung, Datenbankpflege und Schnittstellenflexibilität. Die detaillierten Antworten aller Teilnehmer können ab Mitte März bei dpn@ft.com bestellt werden (Stichwort: „dpn-Umfrage Custodians 2008”).

State Street bleibt Krösus, aber JPMorgan holt auf

Neu teilgenommen haben in diesem Jahr die WGZ Bank und die Apotheker- und Ärztebank. Künftig neu dabei ist die Caceis Bank Deutschland GmbH, in der die Abwicklung- und Verwahrung der Hypovereinsbank aufgegangen ist, die in der Tabelle ab Seite 31 aber noch unter UniCredit Markets & Investment Banking firmiert.

Alle Teilnehmer verwahren insgesamt rund 476 Milliarden Euro von Spezialfonds, also knapp 70 Prozent des Spezialfondsmarktes. Hier sind die drei mit Abstand größten Spieler State Street (90 Milliarden; Vorjahr: 95), gefolgt von JPMorgan (86,4; VJ: 82,1) und der BHF/BNY (82,7, VJ: 82), wobei einzig JPMorgan signifikant gewachsen ist; Krösus State Street wiederum hat 5 Milliarden eingebüßt.

Deutlich mehr Dynamik gibt es in der Volumenliga darunter, nämlich bei BNP Paribas, die mit plus 5 auf 34,4 Milliarden Euro den absolut größten Satz machten, und bei HSBC (+2,2 auf 28,2 Milliarden Euro) – unberücksichtigt der Adressen BNY Mellon oder der Landesbank Rheinland-Pfalz/LBBW, die infolge der Fusionen nicht zum Vorjahr vergleichbar sind. Prozentual gesehen machte die Citigroup den größten Sprung – plus 17 Prozent, von allerdings sehr geringer Basis.

Den Markt mit institutionellen deutschen Anlegern dominieren also große, internationale Adressen. Da sich aber auch recht viele noch gute Chancen ausrechnen, auch zu den ultimativen Administratoren in Deutschland zu zählen, ist der hiesige Markt noch ausreichend weit von oligopolistischen Strukturen entfernt, und die Preise sehr kompetitiv – zumal doch noch einige Adressen wie etwa das neue Duo LRP/LBBW mitspielen, die sich jetzt schon als spezialisierte Anbieter verstehen.

Ob sich das ändert, hängt davon ab, wieviele Konzernzentralen die laufenden, massiven IT-Investitionen künftig absegnen werden, die auf dem Weg zum Super-Administrator noch anfallen. Denn von ihm ist letztlich eine vollendete Investment-Controlling-Funktion gefordert, die alle Bedürfnisse erfüllt: Performance- und Risikoauswertungen unterschiedlichster Spielarten, flexible und individuelle Datenbereitstellung, Ausnutzung aller Ertragsmöglichkeiten, Integration von Direktbeständen, Abbildung aller Investment-Vehikel bei gleichzeitig hoher Qualität der Kundenbetreuung und genauer Kenntnis des Umfelds des Kunden – eine äußerst anspruchsvolle Aufgabe, zumal die Profitabilität gewahrt sein muss, und zwar nach internationalen Maßstäben. Mit welch unterschiedlichen Voraussetzungen die Adressen den künftigen Weg beschreiten, zeigt bereits ein Blick auf die Personalstärken, der noch ungetrübter wird, wenn man sie ins Verhältnis zu den Assets under Custody setzt.

Ohne Basisgeschäft gibt es auch
keine Mehrwert-Dienstleistungen

Die Basisdienstleistungen des Depotbankgeschäfts sind und bleiben die wesentlichste und stabilste Ertragskomponente für solche Anbieter, die auf genügend Volumen kommen. Für die Depotbanken besteht dabei die Herausforderung, die steigende Anzahl der Märkte, Produktinnovationen und zunehmend komplexe Investmentprozesse effizient und fehlerfrei abzubilden. Operativ heißt das, dass Entscheidungen über Fondsbuchhaltungssysteme, Lagerstellenstrukturen, Softwareapplikationen, Markt- und Stammdatenversorgung und vor allem über qualifiziertes Personal getroffen werden müssen. Dieses interne Set-up bildet die Grundlage der Geschäftsbeziehung zu institutionellen Kunden und gleichzeitig die Basis für die Mehrwert-Dienstleistungen.

Von den Mehrwert-Dienstleistungen besonders unter den Nägeln brennt den Custodians die Wertpapierleihe. Gerade ihr Potenzial hält Jörg Ambrosius, Geschäftsführer der State Street Bank GmbH, für ausbaufähig: „Die Wertpapierleihe wird noch zu wenig genutzt, weil viele Marktteilnehmer in Deutschland noch nicht in der Lage sind, diese Geschäfte abzuwickeln. Dabei ist primär das Agency Lending gemeint, wo der Wertpapierleihe-Agent mit verschiedenen Kontrahenten arbeitet. Wichtige Faktoren für Anbieter der Wertpapierleiheprogramme sind Größe (Anzahl und Volumen verleihbarer Papiere, Anzahl Kontrahenten, weltweite Abwicklung) und Systemunterstützung der Wertpapierleihe-Programme.

Daneben ist ebenfalls ein steuerliches Know-how erforderlich, um beispielsweise Möglichkeiten von Doppelbesteuerungsabkommen auszunutzen. Steuerlich positive Effekte beispielsweise aus Leihegeschäften über Dividendentermine sind neben der Leihgebühr und Zinserträgen aus hinterlegter Liquidität eine wesentliche Ertragskomponente der Wertpapierleihe.

Vollständig und flexibel

Christoph Rosemeyer von der Citi beschreibt den Status quo des Marktes wie folgt: „Institutionelle Investoren suchen eine vollständige Produktlösung, die es Ihnen erlaubt, alle Investments unabhängig von der Vehikel-Struktur (Spezialfonds, Publikumsfonds, Direktinvestments) abbilden zu können. Hier sind Asset Manager und Custodians gefragt, gemeinsam entsprechende Lösungen zu schaffen. Asset-Pooling-Strukturen erlauben hier große Flexibilität; über sie können mehrere Investoren gemeinsam ihre lokalen und internationalen Investments zusammenfassen und damit effizient verwalten lassen. Hohe Bedeutung kommt zukünftig auch dem Zahlungsverkehr zu, da ein größerer Teil der Versorgungsempfänger im Ausland die Leistungen empfangen wird. Flexible und kostengünstige, grenzüberschreitende Lösungen werden die Nachfrage mehr und mehr bestimmen.” Rosemeyer bestätigt überdies den allgemeinen Trend zum Übergang zu Defined-Contribution-Lösungen.

Weitgehend einig sind sich die Adressen bei der Einschätzung der Mehrwert-Dienstleistung „Commission Recapture”: Ihre Zeit ist wohl vorbei, da Preisabsprachen im Handel durch Mifid zum Sterben verurteilt sind. Stark im Kommen sind daher Transaktionskostenanalysen, wobei der Markt noch nach dem sinnvollen Umfang sucht – tut es eine Liste der Transaktionen mit Angabe von Kursen und Gebühren einer bestimmten Periode, oder wird ein umfangreiches Transaktions-Reporting analog zum Transition-Management-Reporting zum Gebot der Stunde?

Fazit: Die Richtung stimmt – die Spannung bleibt

Unbestritten ist, dass Deutschland ein Konzentrations- und Bereinigungsprozess ins Haus steht. Wieviele deutsche Nischenanbieter sich werden halten können, ganz unabhängig von der Zahl der künftigen Super-Administratoren, ist noch völlig offen. Solch spezialisierte Depotbanken haben immerhin den kaum zu beziffernden Vorteil gewachsener Kundenstämme. „Trotz aller technischen und prozessualen Aspekte ist die Nähe zum Kunden wichtig. Depotbankgeschäft ist keine lapidare Technik“, beschreibt Joachim Hüfken die Aussichten für sein Haus, die Landesbank Rheinland-Pfalz, die es in Deutschland zusammen mit der LBBW nunmehr auf immerhin 420 Milliarden Euro Assets under Custody bringt, davon 32,7 Milliarden von Spezialfonds.

Das Fazit: Die Custody-Landschaft bleibt also extrem spannend – auch wenn die Richtung und der Weg vorgezeichnet sind.

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