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Der Teufel steckt weiter im Engelsgewand

Veröffentlicht am:  07. November 2007

„Und so streiten sich die beiden um mein Gewissen. Und ob ihr es glaubt oder nicht, mir geht es echt beschissen. Doch wenn sich der Teufel und der Engel anschrein, entscheid ich mich für ja ... ähh ... nein, ich mein JEIN.”

So ähnlich wie dem Sänger in diesem Auszug aus dem Lied „Jein” der Popcombo „Fettes Brot” muss es Pensionseinrichtungen in Deutschland gehen, gerade wenn es um den Einsatz von Derivaten geht. Hier sagt der Teufel, und wohlgemerkt nicht der Engel: „Du bist immerhin eine langfristige Einrichtung und kannst Dir Derivate erlauben, ja Du musst sie Dir erlauben können.” Und der Engel warnt: „Lass bloß die Finger von dem Teufelszeug, eine Unterdeckung kannst Du Dir nicht erlauben.”


Keine Zeit für Teufelszeug


Das ist in den Ländern anders, in denen eine zeitweilige Unterdeckung erlaubt, zumindest aber toleriert ist. Dort plädiert der Engel für die Argumente des Teufels und man nutzt die Vorteile, die wirklich langfristiges Investieren so mit sich bringt.

Aber nicht ohne Grund sind wir in Deutschland, und hier zählen die Engelsargumente. Das ist für eine Pensionskasse auch rational, schließlich ist eine Unterdeckung passé, ganz offiziell von der Aufsicht verordnet. Was soll also ein Investor wie die 6,5 Milliarden Euro schwere Bayer Pensionskasse (die insgesamt 13 Milliarden Euro steuert, weil sie auch für andere Einrichtungen anlegt) anders machen, als „Derivate so wenig wie möglich einzusetzen und damit keine zusätzlichen Risiken einzugehen, obwohl ich selbst kein Gegner von Derivaten bin“, wie der verantwortliche Bayer-Angestellte Dr. Stefan Nellshen auf der 2. Risikomanagement-Konferenz der Union Investment am 23. November preisgab. Der Anleger mutiert zur gespaltenen Persönlichkeit, aber wenigstens unter der Aufsicht der Anstalt. Viel mehr ist zu der verordneten Malaise eigentlich gar nicht mehr zu sagen.

Da passen auch die Ergebnisse der frisch gedruckten Studie „Risiko- und Anlagepräferenzen institutioneller Investoren“ ins Bild, die WHU-Professor Lutz Johanning auf derselben Veranstaltung vortrug: Danach ist die sogenannte „Verlusthöhenaversion“ der befragten 217 Anleger – 162 deutsche und 55 internationale – im Durchschnitt deutlich höher als in der vergleichbaren Studie im Jahr 2005. Die Verlusthöhenaversion drückt dabei „die Präferenz aus, anlegerspezifische Worst-Case-Verluste zu vermeiden“. Das mag zwar auch darauf zurückzuführen sein, dass die Anleger zwischen Mitte Juli und Mitte August, also zum Anfang der Subprime-Krise, antworten mussten. Verluste zu vermeiden ist aber für deutsche Anleger signifikant wichtiger als für internationale, wie Johanning ebenfalls zeigte.


Aversion frisst Hirn

Über einen Schluss der Studie darf sich also niemand wundern: „Kapitalanlagen mit einem geringen Verlustbudget, also mit einer hohen Verlusthöhenaversion, ziehen grundsätzlich auch geringe Abweichungsrisiken nach sich, und somit bleiben bestimmte Renditepotenziale verschlossen.“ Der Teufel steckt weiter im Engelsgewand.

MRO

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