Politik verkennt die Bedeutung
Von Achim Pütz
Veröffentlicht am: 07. November 2007
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Autor: Achim Pütz
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Mit dem Investmentmodernisierungsgesetz hat sich der Gesetzgeber dazu bekannt, Hedgefonds als „Sondervermögen mit zusätzlichen Risiken“ in das Investmentgesetz aufzunehmen. Nach mehr als dreijähriger Praxiserfahrung bietet sich jetzt die Chance, die erkannten Schwachstellen der Hedgefonds-Regulierung zu korrigieren und den Fonds-Standort Deutschland zu stärken.
Der Gesetzesentwurf der Bundesregierung zur Änderung des Investmentgesetzes lässt jedoch die wesentlichen Forderungen der Industrie unberücksichtigt. Die im Regierungsentwurf vorgeschlagenen Änderungen reichen nicht aus, um Hedgefonds auch am Produktionsstandort Deutschland zu etablieren und dessen Wettbewerbsfähigkeit in diesem Bereich zu stärken. Investoren bleibt ein attraktives deutsches „Sondervermögen mit alternativen Anlagestrategien“ verwehrt, wenn diese Asset-Klasse weiterhin einer Beschränkung hinsichtlich des Anlagespektrums unterworfen ist und partiell hinter den internationalen Standards zurückbleibt. Würden einzelne Regeln praxisgerechter gestaltet, könnte die deutsche Hedgefonds-Regulierung gar international Maßstäbe setzen.
Hedgefonds nur als Investment-Vehikel für risikofreudige Anleger?
Wie schon die gesetzliche Bezeichnung deutlich macht, wird von Hedgefonds leider immer noch das Bild spezieller Investment-Vehikel für besonders risikofreudige und renditeorientierte Anleger gezeichnet. Tatsächlich aber dient die Anlage in Hedgefonds aufgrund der geringen Korrelation zu traditionellen Anlageformen vor allem der Verringerung von Risiko und Volatilität des Gesamtportfolios eines Anlegers. Es geht bei Hedgefonds-Investments also gerade nicht darum, höhere Risiken einzugehen, um höhere Renditen zu erzielen, sondern vielmehr um die Beimischung von Hedgefonds in klassische Wertpapier-Portfolios. Tendenziell kann festgestellt werden, dass die Volatilität durch die Beimischung von Hedgefonds-Investments sinkt und dies bei gleichbleibenden oder sogar steigenden Erträgen. Deshalb werden auch Wertpapier-Portfolios deutscher Investoren zukünftig drei statt wie bisher nur zwei Säulen aufweisen: Aktien, Rentenfonds und Hedgefonds. So haben manche Versicherer die in der Anlageverordnung vorgesehene Hedgefonds-Quote von fünf Prozent ihres Vermögens bereits ausgeschöpft. Sie werden voraussichtlich weiter aufstocken, wenn dieser Grenzwert doch noch – wie ursprünglich geplant – auf zehn Prozent erhöht wird.
Positive Effizienz-Wirkung
Auf die Effizienz der Finanzmärkte üben Hedgefonds eine positive Wirkung aus. So tragen sie etwa an den Märkten für den Transfer von Kreditrisiken zu einer Verbesserung der Handelbarkeit und zu exakteren Bewertungsmethoden bei. Im Ergebnis erlauben Hedgefonds eine breitere Streuung und effizientere Allokation der Kreditrisiken im Finanzsystem. Auch in anderen Märkten, wie dem Renten-, Devisen- oder Aktienmarkt, können Hedgefonds durchaus eine stabilisierende und effizienzsteigernde Wirkung haben. Der Grund liegt darin, dass Hedgefonds Gewinnchancen ausnutzen, die durch Marktunvollkommenheiten und Marktversagen entstanden sind, durch Arbitrage diese fehlerhafte Preisbildung korrigieren und so die Liquidität der Märkte verbessern.
Eine weitere wichtige Rolle spielen Hedgefonds bei der Finanzierung von Unternehmen: Durch den Erwerb von Schuldverschreibungen und Anteilen stellen diese Investoren den Unternehmen auf direktem Wege Liquidität zur Verfügung; zudem können sie durch ihre Beteiligungen Einfluss auf das Management nehmen und die Marktdisziplin erhöhen sowie den Banken die Diversifizierung ihres Kreditrisikos ermöglichen, indem sie diesen Kreditrisiken abnehmen.
Entwicklung während der Subprime-Krise
Hervorzuheben ist auch die positive Performance der Hedgefonds im Jahr 2007: Hedgefonds, repräsentiert durch den HFRI Fund Weighted Composite Index, weisen ein Ergebnis von 9,14 Prozent seit Jahresbeginn auf. In einem kurzen Betrachtungszeitraum haben sich Hedgefonds selbst in Zeiten der Subprime-Krise gut behaupten können. Nach einem – für alle Anlageklassen – schwachen August haben sich Hedgefonds im September bereits wieder erholt und weisen eine durchschnittliche Performance von 2,98 Prozent auf, so dass für das dritte Quartal 2007 eine Performance von durchschnittlich 1,58 Prozent zu verzeichnen ist.
Im Rahmen der Diskussion um mehr Transparenz geht bislang völlig unter, dass Hedgefonds in Deutschland bereits einer umfangreichen Regulierung unterliegen und eine hohe Transparenz ihrer Tätigkeiten gewährleistet ist. Hedgefonds unterliegen den allgemeinen investmentrechtlichen Transparenz-, Verhaltens- und Organisationspflichten. Vor diesem Hintergrund muss es das Ziel der Bundesregierung sein, das deutsche Investmentrecht mit Blick auf Hedgefonds zu optimieren, um den regulierten Hedgefonds-Standort Deutschland einerseits attraktiv für die Auflage von Hedgefonds, andererseits aber auch für die Ansiedlung von Hedgefonds-Managern zu machen.
Autor: Achim Pütz ist Anwalt und Partner bei SJ Berwin LLP sowie Erster Vorsitzender beim Bundesverband Alternative Investments e.V. (BAI).
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