Projekt Bulle
Veröffentlicht am: 07. November 2007
Wer dem Dax in nicht allzu ferner Zeit 10.000 Punkte prognostiziert, geht als Bulle durch. Keine Frage, der Ex-Mackie Dr. Sebastian Klein hat so seinen eigenen Kopf, und darin spukt eine magische Zahl: 100 Milliarden. So viel soll die Cominvest bald verwalten. Das Projekt läuft – und institutionelle Anleger sollen mitziehen.
Fragen: Maik Rodewald
Antworten: Dr. Sebastian Klein, Cominvest, Sprecher der Geschäftsführung
Sie wollen Sebastian Klein zum Reden bringen? Dann fangen Sie mit Finanz-Analphabetismus in Deutschland an, und er ist schnell bei Ihnen. Er plädiert für ein Schulbuch Asset Management, ja sogar für ein eigenes Schulfach, wobei er vielleicht auch an seine Tochter denkt, die sich wahrscheinlich für andere Dinge als für Aktien und Renten interessiert, und an seinen Vater, einen Schuldirektor. Selbst hat er viel geschrieben, vor allem in seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der WHU: zum Beispiel ein Buch über die Strategien der Großbanken in den neuen Bundesländern. Seine Karriere verlief bisher wie im Bilderbuch: Als der heute 39-jährige Klein 1996 seinen Dr. rer. pol. von der WHU in der Tasche hatte, stieg er gleich bei einer ersten Adresse ein: McKinsey in Frankfurt. Die harte Wirklichkeit an den Märkten erlebte er bei Sal. Oppenheim, von 2000 bis 2003.
MRO
dpn: Herr Dr. Klein, das überrascht mich jetzt: Ihr Büro sieht eher aus wie ein Besprechungszimmer, nur ein kleiner Laptop und ein Telefon auf dem Tisch. Ziehen Sie hier bloß das Projekt Cominvest durch?
Dr. Sebastian Klein: Die strategischen Kernaufgaben des Projekts haben wir 2006 erarbeitet und in den Folgemonaten erfolgreich umgesetzt. Dabei sah mein Büro durchaus anders aus. Jetzt geht es darum, die Erfolge weiter auszubauen. Dafür steht jetzt die kommunikative Aufgabe im Mittelpunkt.
dpn: Oder haben Sie das Spartanische, Effiziente aus Ihrer Zeit bei McKinsey mitgenommen?
Dr. Klein: Meine Mission hier bei der Cominvest ist es, zu wachsen. Wir wollen in drei Jahren 100 Milliarden Euro verwalten, gleich verteilt auf das Geschäft mit institutionellen und privaten Kunden. Das geht nicht, wenn Sie nur die Zitrone pressen, sprich: die Effizienz erhöhen und Kosten senken. Und um dieses Ziel zu erreichen, hilft mir sicherlich, was ich bei McKinsey gelernt habe, nämlich analytisch zu denken und das Ergebnis von oben nach unten zu kommunizieren und umzusetzen.
dpn: Neben den 100 Milliarden Euro haben Sie in den diversen Medien auch die Marke von 10.000 Dax-Punkten ausgerufen. Bei so vielen Nullen könnte das glatt eine Nullnummer werden.
Dr. Klein: Ich bin fest davon überzeugt, dass es auf Basis der fundamentalen Gewinnentwicklung der Unternehmen weltweit am Aktienmarkt weiter nach oben geht. Ob wir unser Volumenziel erreichen, haben wir zum großen Teil selbst in der Hand. Wenn wir überdurchschnittliche Performance abliefern und mit guten Produkten auftreten, sehe ich keinen Grund, warum wir unser Ziel nicht erreichen sollten.
dpn: Wieso geben Sie Volumenziele aus? In den vergangenen Jahren sprach die Branche von Erträgen und Cost-Income-Ratios.
Dr. Klein: Ich kann Sie beruhigen, wir haben auch sehr definitive Vorgaben für Ertrags-, Margen- und Cost-Income-Ziele. Als ich Ende 2005 das Ruder bei der Cominvest übernommen habe, mussten wir aber auf fünf Jahre in Folge mit Mittelabflüssen zurückblicken, jeweils zwischen zwei und vier Milliarden pro Jahr. Wir mussten also Volumen hereinholen, denn es nutzt Ihnen nichts, wenn der Ertrag wächst, aber Ihre Basis schmilzt. Deshalb auch das plakative Volumenziel. Wir haben 2006 wieder um zwei Milliarden Euro netto zugelegt, dieses Jahr sind wir schon bei einem Plus von etwa drei Milliarden. Wir sind also auf dem richtigen Weg.
dpn: Wie wird Ihr institutionelles Geschäft in fünf Jahren dann aussehen?
Dr. Klein: Wie es in fünf Jahren aussieht, kann ich Ihnen nicht sagen. Wir haben bis 2010 geplant. Dann werden wir für Institutionelle statt heute über 30 mindestens 50 Milliarden Euro verwalten, der Anteil von Aktien und Alternatives in den Kunden-Portfolios wird deutlich höher sein als heute, und wir werden höchst individuelle Portfolios betreuen.
dpn: Wenn Aktien wirklich so gut abschneiden, wie Sie postulieren, hören sich die 20 Milliarden, die Sie die nächsten drei Jahre von Institutionellen einsammeln wollen, doch gar nicht so viel an.
Dr. Klein: Das sehe ich anders. Ich finde, das ist sehr ambitioniert, genauso wie das geplante Wachstum im Privatkundengeschäft. Um dort auf ebenfalls 50 Milliarden Euro zu kommen, müssen wir noch stärker wachsen. Deshalb freut es mich, dass wir in diesem Jahr bei Privatkunden schon schön zugelegt haben.
dpn: Seitdem Sie bei der Cominvest am Ruder sind, hat das institutionelle Geschäft stärker zugelegt als das Privatkundengeschäft. Spricht das dafür, dass Institutionelle doch die klügeren Anleger sind?
Dr. Klein: Die institutionellen Anleger haben bereits sehr früh erkannt, welche Fortschritte wir gemacht haben, und dies mit entsprechenden Zuflüssen goutiert. Mittlerweile realisieren das auch immer mehr Privatanleger und vertrauen uns ihr Geld an.
dpn: Ihr Weg führte Sie über Oppenheim zur Commerzbank, ins Private Banking. Welche Station Ihrer Karriere hat Sie am stärksten geprägt – und wie drückt sich das heute aus?
Dr. Klein: Das ist schwierig zu sagen. Ich wollte immer gerne Aufgaben übernehmen, mit denen ich etwas verändern konnte, und das konnte ich bei allen Adressen. Private Banking habe ich bei Oppenheim gelernt, und meine wichtigste Erkenntnis lautete: Wer wirklich gutes Private Banking machen will, der muss mehr können, als nur Beziehungen zu managen – um ein solides Asset Management, das seine Stärken vor allem in der Asset Allocation hat, kommt man nicht herum.
dpn: Mit Asset Management kamen Sie erst bei Oppenheim in Kontakt, auch promoviert haben Sie über ein völlig anderes Thema: Fremdkapital-Marketing. Was kam dabei heraus?
Dr. Klein: Dass Emittenten durch zielgerichtetes Marketing entweder mehr Fremdkapital platzieren oder ihre Finanzierungskosten reduzieren können. Das Thema ist gerade durch die Subprime-Krise wieder hochaktuell: Für einen Emittenten gibt es Informationskosten, und wenn er sie über rechtzeitige Information senkt, hat er einen Wettbewerbsvorteil. Es macht also Sinn, Bondholder Relations zu betreiben. Letztendlich war meine Aufgabe, die Denkweise und Instrumente des Marketings wie etwa die Markt- und Investoren-Segmentierung auf den Finanzmarkt anzuwenden. Hier gibt es auch noch eine ganze Menge zu tun: Die Finanz- und Bankenbranche hinkt anderen Industrien hinterher, wenn es darum geht, zeitgemäße Marketing-Instrumente einzusetzen.
dpn: Als Akademiker können Sie bestimmt auch ein Fachbuch über Asset Management besonders empfehlen?
Dr. Klein: Das fällt mir schwer, dieses Buch müsste erst noch geschrieben werden. Zwei Themen interessieren mich besonders: Erstens, wie man heute Alpha erzielen kann, welche Alpha-Quellen nachhaltig sind und welche opportunistisch. Das wäre ein Buch für die Branche. Zweitens, und vielleicht noch viel wichtiger, wie wir in Deutschland eine Aktienkultur aufbauen können, und zwar bereits schon bei unseren Schülern. Es ist doch widersinnig, wenn man sich vergegenwärtigt, dass es genau zwei Anlegergruppen gibt, an denen der Dax-Anstieg von 2.300 auf 8.000 Punkte in den vergangenen vier Jahren vorbeigegangen ist: an deutschen Privatanlegern und deutschen Institutionellen. Ja, ein Schulbuch über Asset Management, das würde ich wärmstens empfehlen.
dpn: Welche jüngste Anregung durch die Wissenschaft haben Sie bei der Cominvest umgesetzt?
Dr. Klein: Sie erwarten jetzt wahrscheinlich, dass ich Ihnen einen tollen theoretischen Ansatz für das Portfolio Management nenne. Nein, viel einfacher: Die jüngste Anregung ist, dass wir uns rückbesinnen auf das, was uns stark gemacht hat, und weshalb es die Asset-Management-Industrie überhaupt gibt: Alpha. Ein Asset Manager, der kein Alpha produziert, darf theoretisch gar nicht existieren.
dpn: Aber in der Praxis existieren solche Manager, und sie halten sich auch hartnäckig am Leben – wie zum Beispiel auch die Cominvest. Sie galt als Haus, das mit der Benchmark ins Bett geht.
Dr. Klein: Umso besser, dass es nicht mehr so ist. Ich bin sicher, dass der Markt uns bald – wenn nicht jetzt schon – wieder als Adresse wahrnimmt, an der man nicht vorbei-kommt. Tatsache ist, dass wir nachweislich signifikantes und stabiles Alpha bei Aktien produzieren können. Wir sind über alle Aktienprodukte gerechnet seit Jahresanfang 150 Basispunkte vor der Benchmark, und das seit etwa drei Jahren. Thomson Extel hat uns nicht ohne Grund ausgezeichnet – als die Fondsgesellschaft in Deutschland mit der besten Research-Plattform.
dpn: Dann können Sie ja das erste Buch schreiben, das Sie angeregt haben.
Dr. Klein: Wir produzieren lieber Alpha für unsere Anleger.
dpn: Vor jeder Rendite und vor jedem Alpha steht die Investition. Wie viel investieren Sie künftig, und wie?
Dr. Klein: Bis 2011 investieren wir in den Umbau der Cominvest 100 Millionen Euro, knapp ein Drittel davon in das, was ich Skill nenne. Das machen wir aber sehr selektiv: Es kommt darauf an, die echten Experten für uns zu gewinnen. Das Thema Rohstoffe haben wir nur deswegen erschlossen, weil wir dafür die beste Fondsmanagerin der vergangenen zehn Jahre gewinnen konnten: Ute Speidel.
dpn: Skill kann man auch kaufen. Werden Sie spezialisierte Investment-Boutiquen übernehmen?
Dr. Klein: Portfolio Management werden wir selbst aufbauen. Meine Maxime ist: Man sollte nur das verkaufen, wofür man selbst eine sehr große Kompetenz hat. Wir sind eher daran interessiert, uns Zugang zu qualifiziertem Vertrieb zu verschaffen. Deshalb haben wir auch die Mehrheit an der Münchner Kapitalanlage übernommen, über die wir beispielsweise unsere Dachfonds vertreiben. Aber jetzt frage ich Sie einmal: An welche Art Investment-Boutique denken Sie?
dpn: Zum Beispiel an einen Quant-Manager. Erfolgreich Algorithmen in einen Investment-Ansatz zu verpacken, das verkauft sich doch in Deutschland fast von selbst.
Dr. Klein: Das stimmt, schließlich machen wir das auch! Mit Dr. Klaus Reimer haben wir seit Anfang des Jahres einen der führenden Quants in Deutschland in unseren Reihen. Das entspricht klar unserer Strategie, die Besten für uns zu gewinnen.
dpn: Wie wichtig soll quantitatives Management bei Ihnen werden, und wie viel Euro steuert Ihre Quant-Gruppe?
Dr. Klein: Quantitative Asset Allocation ist gerade in den Märkten ein wichtiges Instrument für uns, in denen wir mit fundamentaler Analyse nicht vor Ort präsent sein können oder wollen. Viele Rentenmärkte sind zum Beispiel annähernd effizient; dort kommt man mit Fundamentalanalyse nicht sehr weit. Die Quant-Gruppe um Dr. Reimer steuert derzeit etwa 1,5 Milliarden Euro.
dpn: Wir haben schon ziemlich viel über Alpha geredet. Welche sind denn Ihre persönlichen Alpha-Quellen der Zukunft?
Dr. Klein: Nach wie vor europäische Aktien, und zwar eher die kleinen bis mittelgroßen kapitalisierten Werte. Die Credit-Märkte bieten ganz klare Alpha-Quellen, auch wenn das Fahrwasser derzeit etwas unruhig ist. Wenn man heute mutig ist und sich ein erstklassiges europäisches ABS-Portfolio zusammenbaut, dann hat man gute Chancen für Alpha. Wir sehen schon institutionelle Anleger, die mit uns Kaufgelegenheiten diskutieren. Nicht vergessen dürfen wir die Emerging Markets, gerade in einer Phase wie zurzeit, in der wir zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg extrem hohe Wirtschaftswachstumsraten weltweit haben. Sonst gab es eigentlich immer einen kranken Patienten in den Triademärkten. Einen Bezug zu Emerging Markets hat auch eine weitere Alpha-Quelle mit Zukunft: Rohstoffe.
dpn: Und wie gehen Sie das Thema Emerging Markets an?
Dr. Klein: Das Thema besetzen wir bereits! Im ersten Schritt aber nicht durch Einzeltitel-Auswahl, sondern durch richtiges Timing der Investition in diesen Ländern. Wir selektieren die Länder, und spezielle Asset Manager vor Ort wählen die Einzeltitel aus.
dpn: Eine weitere Alpha-Quelle wäre vielleicht auch, die USA zu shorten, oder?
Dr. Klein: Nein. Ich habe immer davor gewarnt, die Vereinigten Staaten zu unterschätzen. Wir haben die USA momentan gegenüber Europa und Asien eher untergewichtet, insofern haben Sie schon recht.
Ich halte aber trotzdem an meiner Aussage fest, dass wir keinen nachhaltig kranken Mann in der Weltwirtschaft haben. Wir glauben derzeit nicht an eine Rezession in den USA.
dpn: Long-Only ist nicht mehr das Thema. Das sagte an dieser Stelle Herr Bierbaum von Oppenheim in unserer Juli/August-Ausgabe. Stimmt das?
Dr. Klein: Nicht uneingeschränkt. Selbstverständlich, für Anbieter gibt es Alpha-Chancen auf der Short-Seite und bei Wertsicherungsstrategien. An erster Stelle steht für mich aber ein Geschäftsmodell, in dem als Fundament das Alpha long-only erzielt wird.
dpn: Wie gut ist die Cominvest in der Disziplin Shorting? Das ist ja nicht so einfach, wenn man wenig Erfahrung damit hat.
Dr. Klein: Deshalb lassen wir uns bewusst Zeit, dieses Wissen aufzubauen. Bei uns wird das in einem eigenständigen Team entwickelt, das auch für ein mögliches Hedgefonds-Produkt zuständig sein wird. Eines kann ich Ihnen versichern: Wir versuchen nicht, langjährige Long-Only-Manager über Nacht zu Spezialisten für das Shorting zu machen.
dpn: Sie erwähnten Rohstoffe. Ist das ein Thema, dass an deutschen Institutionellen in der Breite wieder vorbeigehen könnte, ebenso wie Aktien?
Dr. Klein: Möglicherweise, mich stimmt aber zuversichtlich, dass sich derzeit viele institutionelle Anleger sehr intensiv mit uns darüber unterhalten, wie sie nachhaltig in Rohstoffe investieren sollen. Wie sie sind auch wir davon überzeugt, dass das keine Mode ist, sondern ein langfristiger Trend. Auch mittelgroße Institutionelle fangen an sich zu überlegen, wie sie nachhaltig eine Rohstoff-Allokation aufbauen.
dpn: Wie sollten Anleger denn in Rohstoffe gehen? Passiv, aktiv long-only oder via Hedgefonds?
Dr. Klein: Unser Rat ist relativ einfach: Investiere in liquide Instrumente, die Du kennst, also in Rohstoffaktien. Es gibt keinen Grund, die Aktie nicht zu wählen. Es gibt genug interessante Rohstoffaktien, gerade von solchen Unternehmen, die Infrastruktur liefern. So verbindet man Liquidität mit Partizipation.
dpn: Die Bayerische Versorgungskammer hat gerade wieder in Rohstoffe investiert – Rohstoffaktien hat sie aber so weit wie möglich ausgeschlossen, weil sie mehr von der Aktienmarkt-Entwicklung getrieben werden als von der Rohstoffpreis-Entwicklung. Und damit fällt ein wichtiges Argument für Rohstoffe weg: die geringe Korrelation zu Aktien.
Dr. Klein: Das stimmt teilweise für Aktien von Rohstoff-Produzenten. Es stimmt oft nicht für Titel von Unternehmen, welche die Infrastruktur für die Förderung oder Erschließung von Rohstoffen bereithalten.
dpn: Einen Rohstoff-Hedgefonds wird es von der Cominvest also nicht geben?
Dr. Klein: Nein. Bei Hedgefonds werden wir künftig sowieso einen anderen Weg gehen als viele andere. Hedgefonds haben sich in Deutschland weder bei Privatkunden noch bei Institutionellen richtig durchgesetzt. In der zweiten Jahreshälfte 2008 werden wir eine Hedgefonds-Konstruktion anbieten, die verschiedene Alpha-Quellen unseres Hauses nutzen und insbesondere unsere Research-Plattform einbinden wird. Aber wir reden schon wieder über Produkte …
dpn: … selbstverständlich, wieso nicht?
Dr. Klein: Weil wir auf dem Weg zu einem wirklichen Lösungsanbieter sind. Nehmen Sie das Beispiel Rohstoffe. Unsere Gespräche mit Kunden fangen nicht an mit: Herr Pensionskassenleiter, wir hätten da einen Spezialfonds.
dpn: Sondern? Geben Sie uns doch ein Beispiel!
Dr. Klein: Man überlegt gemeinsam mit dem Kunden, ob er Rohstoffe über einen Spezialfonds oder über einen Publikumsfonds abdecken soll und wie er das Marktrisiko eindämmen kann, beispielsweise über eine CPPI-Struktur oder eine andere Wertsicherung. Unsere etwa 40 institutionellen Betreuer werden viel mehr beraten und maßschneidern als früher, unterstützt vom Produkt- und Portfolio Management.
dpn: Häufig wollen Anleger lieber direkt mit ihrem Portfolio Manager sprechen, nicht mit ihrem zugewiesenen Betreuer. Die Union Investment macht das mittlerweile so und sammelt damit offenbar sehr gute Erfahrungen. Wie ist das bei der Cominvest?
Dr. Klein: Unsere Portfolio Manager gehen extrem häufig zu den Kunden. Ein Cominvest-Kunde hat einen Betreuer und daneben einen Portfolio Manager. Diesen Team-Ansatz verfolgen wir weiter.
dpn: Der Personalumschlag ist gerade bei großen Häusern, nicht nur deutschen, ziemlich hoch – nach dem Geschmack vieler Institutioneller unangenehm hoch. Wie lange gehen Sie mit gutem Beispiel voran und bleiben der Cominvest treu?
Dr. Klein: Mindestens so lange, bis unsere Ziele erreicht sind, also der Turnaround der Cominvest erfolgreich abgeschlossen ist, und bis wir 100 Milliarden Euro zählen. Wichtiger für unsere Kunden ist aber, wie stabil unser Portfolio Management ist. Meine Antwort: extrem stabil; fast alle unsere Bereichsleiter sind seit über 15 Jahren bei uns.
dpn: In den vergangenen Jahren standen Sie nach unseren Informationen bei Investment Consultants nicht besonders hoch im Kurs. Wie viel Prozent Ihrer Mandate haben Sie in diesem Jahr durch Consultants erhalten – und wie viel sollen es werden?
Dr. Klein: Prozentual will ich das nicht beantworten. Aber die Consultants werden bedeutender, keine Frage. Der Track Record, den wir seit drei Jahren bei Aktien und seit zwei Jahren bei Renten aufgebaut haben, wird uns aber künftig helfen.
dpn: Sie prophezeien, die Portfolios werden individueller. Der Anspruch, vieles maßzuschneidern bedeutet aber auch, dass Asset Management teurer wird. Werden gerade die preisbewussten Deutschen das bezahlen?
Dr. Klein: Es gibt zwei institutionelle Kundengruppen in Deutschland: Die einen, in der Regel die größeren Kunden, entwickeln ihr Gesamtkonzept selbst und geben sehr klare Mandatsvorgaben vor. Die anderen lassen sich auch von Asset Managern beraten – und gerade die sind sehr wohl bereit, gute Leistung zu honorieren.
dpn: Gibt es einen Mythos, den Sie für Ihre Kunden gerne entlarven wollen?
Dr. Klein: Dass man mit Aktien nur passiv verdienen kann. Es ist ganz anders: Mit Aktien kann man selbst bei Large Caps eigentlich nur aktiv Geld verdienen. Unsere Buy-Side-Analysten treffen etwa 1.000-mal pro Jahr Vorstände, Geschäftsführer und Finanzchefs von Unternehmen. Unsere Outperformance bei Aktien haben wir nicht nur mit klein- und mittelkapitalisierten Titeln erzielt, sondern auch durch großkapitalisierte.
dpn: Und auf Ihre Antwort zur letzten Frage bin ich sehr gespannt: Was hat Sie noch kein Journalist gefragt?
Dr. Klein: Ich finde erstaunlich, dass ich fast immer nur zum Publikumsfondsgeschäft gefragt werde, immerhin sind die Mittelaufkommen der Branche aus dem institutionellen Geschäft viel stärker gestiegen als aus dem Privatkundengeschäft. Und gerade institutionelle Anleger kaufen ja mittlerweile auch in großem Stil Publikumsfonds. Das geht an der Öffentlichkeit aber weitgehend vorbei.
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