Der Siegeszug der passiven Anlageformen
Von Götz Kirchhoff, Sprecher des Vorstands, Barclays Global Investors (Deutschland) AG
Veröffentlicht am: 07. November 2007
Nicht immer halten die aktiven Fondsmanager, was sie versprechen, und die Anleger sind vielfach enttäuscht von deren Anlageergebnissen. Eine mögliche Lösung sind Exchange Traded Funds. Sie haben die effizienteren Handelseigenschaften, verfügen über ein Höchstmaß an Transparenz, zudem sind die Gebühren sehr niedrig.
Sie gehören zu den Gewinnern der Finanzbranche: passive Geldanlagen. So gibt es in Deutschland rund 200.000 Zertifikate, davon alleine 2.000 Indexzertifikate. Hinzu kommen rund 260 an Xetra gelistete börsengehandelte Indexfonds, die sogenannten Exchange Traded Funds (ETFs). Kontinuierlich gewinnen sie Marktanteile. Ein Grund für den Siegeszug der Passiven: Nicht immer halten die aktiven Fondsmanager, was sie versprechen, und Anleger sind vielfach enttäuscht von deren Anlageergebnissen.
Viele aktiv gemanagte Investmentfonds –wissenschaftliche Studien belegen das eindrucksvoll – schaffen es langfristig nicht, die Rendite des gewählten Vergleichsindex nach Kosten zu übertreffen. Tendenziell gilt: Je länger der Anlagezeitraum, desto weniger aktive Fonds liegen vor ihrer Benchmark. Anders passive Investments: Nicht den Vergleichsindex zu schlagen, sondern ihn nachzubilden, ist ihre Strategie und sie fahren damit gut.
Investiert wird in die Aktien oder Anleihen, aus denen sich ein Index zusammensetzt. Die jeweilige Gewichtung entspricht der des Index. Damit erzielen passive Investments vor Kosten die durchschnittliche Marktrendite. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das ist oftmals mehr, als ein aktiver Fonds schafft – gerade nach Abzug der Kosten, die bei aktiv gemanagten Produkten zudem deutlich höher sind als bei passiven.
Asset Allocation statt Stock Picking
Auch unter Diversifikationsaspekten empfiehlt sich die passive Geldanlage. Denn eine selektive Einzeltitel-Auswahl, sei es, dass der Anleger diese selbst vornimmt oder durch einen Fondsmanager vornehmen lässt, trägt ein deutlich höheres Risiko als das Investment in einen breit diversifizierten Index.
Die Wahl der richtigen Indizes entscheidet dabei maßgeblich über den Anlageerfolg eines Gesamtportfolios: Asset Allocation statt Stock Picking heißt die Devise, um ein nach Diversifikations- und Korrelationsgesichtspunkten optimales Portfolio zu gestalten. Diesen Ansatz bestätigt auch die nobelpreisgekrönte Moderne Portfoliotheorie von Harry Markowitz, William Sharpe und Merton Miller. Vor diesem Hintergrund sollten passive Investments auch in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen, wobei ETFs das größte Entwicklungspotenzial aufweisen. Dafür sprechen mehrere Argumente.
Abbildung 1: ETFs sind in den vergangenen Jahren zu einem Siegeszug angetreten – Anleger haben mittlerweile eine breite Auswahl an Produkten; Quelle: Barclays Global Investors (Deutschland) AG.
ETFs sind äußerst transparent
Spätestens mit der Mifid (Markets in Financial Instruments Directive) rücken die Themen Transparenz und Kosten verstärkt in den Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Die EU-Richtlinie zielt auf einen verbesserten Anlegerschutz, verstärkten Wettbewerb und die Harmonisierung des europäischen Finanzmarktes. Zwei wesentliche Forderungen der Mifid sind hohe Transparenz und „Best Execution“. In der Praxis heißt das: Der Finanzberater muss dem Anleger die Kosten seines Investments weitgehend offenlegen und er muss für den Kunden für die günstigs-te Ausführung von Aufträgen sorgen.
ETFs sind hier bestens gewappnet, denn sie erfüllen diese Anforderungen schon immer. Die vollständige Portfolio-Zusammensetzung und alle Kostenkomponenten sind transparent. Kurz: Wer einen ETF erwirbt, weiß genau, was er in welcher Zusammenstellung kauft und was das kostet. Der Kurs kann an jedem Börsentag laufend kontrolliert werden. Mindestens alle 60 Sekunden wird der faire Wert des ETFs berechnet, der sogenannte indikative Nettoinventarwert (iNAV). Dividenden kommen dem Anleger zugute, unabhängig davon, ob der Indexfonds einen Preis- oder Performance-Index abbildet.
Hohe Liquidität, geringe Kosten
Die sogenannten Market Maker, meist Großbanken, ermöglichen institutionellen Anlegern zwei Handelswege: über die Börse oder direkt mit dem Market Maker im außerbörslichen Handel, also Over-the-Counter (OTC). Im Börsenhandel stellen die Market Maker zudem fortlaufend verpflichtende Geld- und Briefkurse. Selbst an Tagen mit geringen Börsenumsätzen ist so eine hohe Liquidität bei sehr engen Spreads garantiert. Die Kosten des ETFs sind gleichzeitig sehr gering. Einen Ausgabeaufschlag kennen ETFs nicht, lediglich bei Indexanpassungen, Kapitalmaßnahmen der abgebildeten Unternehmen oder Zins- und Dividendenmanagement fallen Transaktionskosten im Fonds an. Die Kosten für den Handel der Fondsanteile zahlt der Anleger über den Spread – je enger der Spread, umso günstiger der ETF. Da die Anlage- und Handelsvolumina in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind und die Market Maker entsprechend immer bessere Preise stellen können, werden die Spreads tendenziell geringer. Bei Swap ETFs wird die UK Stamp Duty vermieden und damit werden geringere Spreads auf der Briefseite erreicht.
Anders bei Zertifikaten: Sie sind in der Regel sehr komplizierte Finanzprodukte. Viel komplizierter, als sie aussehen, hinsichtlich ihrer Berechungsmethoden, aber auch, was die Kosten betrifft.
Wer beispielsweise ein Indexzertifikat auf einen Preisindex kauft, verzichtet oftmals auf die ausgeschüttete Dividende der Aktien. Einbehalten wird diese vom Emittenten, um das Zertifikat zu finanzieren. Kauft ein Anleger Garantiezertifikate, bekommt er zwar sein eingezahltes Geld zurück, auf eine mögliche höhere Rendite verzichtet er jedoch, schließlich muss diese Garantie finanziert werden. Zudem gilt die Garantie oft nur für das Ende der Laufzeit. Wer zwischendurch verkaufen will, trägt Verlustrisiken. Mit der hohen Flexibilität des Open-End-Produkts ETF, die einen permanenten An- und Verkauf während des gesamten Börsentags erlaubt, ist das nicht zu vergleichen.
Abbildung 2: ETFs bieten zahlreiche Vorteile gegenüber anderen Investment-Vehikeln; Quelle: Barclays Global Investors (Deutschland) AG.
Kein Emittentenrisiko
Im Vergleich zu Zertifikaten haben ETFs zudem den Vorteil, dass kein Emittentenrisiko besteht. ETFs sind – wie jeder Investmentfonds - Sondervermögen. Das Anlegervermögen ginge selbst beim Konkurs eines Anbieters nicht verloren. Das ist für langfristig orientierte Anleger von hoher Bedeutung und gerade für institutionelle Investoren ein wesentlicher Grund, ETFs den Zertifikaten vorzuziehen, müssen sie sich bei Letzteren doch gegebenenfalls zusätzlich absichern.
Auch die letzte Bastion der Zertifikate, die Produktvielfalt, bröckelt. Längst haben ETFs aufgeholt und bieten effizienten Zugang zu einer Reihe hoch spezialisierter und bislang nur schwer zugänglicher Märkte. Es gibt ETFs auf REITs, Corporate Bonds, Emerging Markets, Private Equity sowie ETFs auf Dividendenstrategien, mittels derer die Outperformance breiter Indizes möglich wird.
Von Rohstoffen ...
So können Anleger mit dem iShares Dow Jones AIG Commodity (DE) in börsengehandelte Waren und Rohstoffe – sogenannte Commodities – investieren und so an deren Wertzuwächsen partizipieren. Commodities entwickeln sich weitgehend unabhängig von herkömmlichen Anlageformen wie Aktien und Anleihen. Sie leisten deswegen einen guten Beitrag zur Portfolio-Diversifikation. Hinzu kommt: Bei zunehmender Inflationsrate gehen die Rohstoffpreise in der Regel ebenfalls nach oben. Commodity-Investments bieten damit eine gewisse Inflationsabsicherung. Für institutionelle Anleger, deren Auszahlungsprofil an die Entwicklung der Inflation gekoppelt ist, führt daher kein Weg an einem solchen Investment vorbei.
Zwar ist auch über Zertifikate, die die Wertentwicklung eines Rohstoff-Indizes abbilden, ein Commodity-Investment grundsätzlich möglich. Aber im Vergleich zu ETFs sind Zertifikate aufgrund der geringen Liquidität nur eingeschränkt handelbar. Darüber hinaus hat die Bafin bislang zum Erwerb von Zertifikaten auf Commodities noch keine Stellung genommen. Insofern besteht keine Rechtssicherheit. Der Commodity-ETF erfüllt dagegen die Ucits III-Vorgaben und ist gemäß Anlageverordnung geeignet für das Sicherungsvermögen.
... bis zu Wasser
Mit dem iShares S&P Global Water können Anleger auf einen wichtigen Makrotrend unserer Zeit setzen – die weltweite Wasserversorgung. Das Thema wird in Zeiten stetigen Bevölkerungswachstums und daraus resultierender wachsender Knappheit dieses lebenswichtigen Elements weiter an Bedeutung gewinnen. Mit diesem ETF können Anleger sehr einfach in Unternehmen investieren, die im Bereich Wasserversorgung und -infrastruktur tätig sind oder Anlagen und Ausrüstung für die Wasserwirtschaft herstellen.
Abbildung 3: ETFs bieten Effizienzvorteile entlang der gesamten Wertschöpfungskette; Quelle: Barclays Global Investors (Deutschland) AG.
Optimales Instrument für zahlreiche Anlagestrategien
Die Beispiele zeigen: Mittlerweile lassen sich nahezu alle Asset-Klassen und Strategien kostengünstig und effizient über ETFs abbilden. ETFs sind aber noch wesentlich mehr. Sie sind ein optimales Instrument für eine effiziente Umsetzung der eigenen Anlagestrategien:
- ETFs eignen sich sehr gut für die Umset- zung von Core-Satellite-Strategien im Rahmen der strategischen Asset Allocat- ion. Einzelne Märkte lassen sich mit ETFs exakt und transparent abbilden und die breite Auswahl an Produkten sorgt für ei- ne umfassende Diversifizierung.
- Ihre günstige Kostenstruktur und die flexible, sichere Verfügbarkeit machen ETFs zu einem idealen Instrument für das Cash Management.
- Gleiches gilt für handelsintensive Sektor- Rotations-Strategien, die gute Handel- barkeit sowie die genaue Abbildung des dem Indextracker zugrunde liegenden In- dex erfordern. Über Long-Short-Strate- gien lassen sich mit Sektor-ETFs die unterschiedlichen Entwicklungen in den einzelnen Branchen ausnutzen.
Größter Pluspunkt der ETFs ist jedoch der reduzierte Verwaltungsaufwand. Aufwendige Dokumentations-, Margin- oder Sicherheitsleistungen entfallen bei den börsennotierten Index-Trackern. Darüber hinaus entstehen bei ihnen keine Roll-over-Kosten, wie sie etwa bei der Verlängerung von Positionen bei Futures fällig werden. Denn ETFs sind klassische Open-End-Produkte, haben also eine unbegrenzte Laufzeit. Bereits ab dem dritten Rolltermin sind sie deutlich kostengünstiger als Futures. Zudem werden ETFs als ein einziges Wertpapier behandelt und bieten so Klarheit und Eindeutigkeit bei der Bilanzierung. Zertifikate hingegen gelten als strukturierte Produkte, ihre Wertpositionen müssen einzeln ausgewiesen werden.
Passiv ist in – ETFs haben die Nase vorn
Tatsächlich bieten passive Geldanlagen den Anlegern sehr viele Vorteile, weswegen sie aktiven mehr und mehr den Rang ablaufen dürften. Neue Herausforderungen wie die Kapitalmarkt-Richtlinie Mifid setzen dabei zusätzliche Impulse – durch die Forderung nach Offenlegung der Provisionen, nach mehr Transparenz, nach Best Execution. Insbesondere ETFs haben hier gegenüber anderen passiven Anlageformen die Nase vorn. Sie haben die effizienteren Handelseigen-schaften, verfügen schon immer über ein Höchstmaß an Transparenz, die Gebühren sind sehr niedrig. Auch hinsichtlich Verwaltung, Management und Bilanzierung bieten sie Anlegern deutliche Vorteile. Aufgrund der enormen Produktvielfalt lassen sich mittels ETFs zudem maßgeschneiderte Portfolios zusammenstellen.
Volumen explodiert
Damit haben ETFs auch in puncto Kreativität gegenüber Zertifikaten aufgeholt und bieten heute effizientes Exposure auf zahlreiche Anlageklassen und Märkte.
Nicht zuletzt deshalb prognostiziert Morgan Stanley bis 2011 ein weltweites ETF-Vermögen von zwei Billionen US-Dollar. Für Europa rechnen Experten mit 250 Milliarden Euro in drei Jahren – und damit einer Verdreifachung des heutigen Volumens.
In Zusammenarbeit mit: BARCLAYS GLOBAL INVESTORS
ANSPRECHPARTNER
Günter Stibbe Senior Institutional Advisor
BARCLAYS GLOBAL INVESTORS (Deutschland) AG
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