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Rohstoffreicher Arabellapark
Von Maik Rodewald

Veröffentlicht am:  07. November 2007
— Anselm Wagner, BVK, Leiter des Teams Alternative Investments

Rohstoffe sind nichts Neues in München. Danach lässt die Bayerische Versorgungskammer bereits seit längerem suchen. Neu ist aber, dass man dafür neben den Dach-Hedgefonds nun auch Long-Only-Manager einsetzt – um den verbleibenden Argumenten für Commodities auch Taten folgen zu lassen.

„Derzeit diskutieren viele institutionelle Anleger sehr intensiv mit uns darüber, wie sie nachhaltig in Rohstoffe investieren sollen. Wie sie sind auch wir davon überzeugt, dass das keine Mode ist, sondern ein langfristiger Trend.“

Nein, das sagen nicht etwa Daniel Just oder André Heimrich, die Lenker der Kapitalanlagen der Bayerischen Versorgungskammer (BVK), die gerade erst vor einem Monat 100 Millionen Euro an die ersten drei Long-Only-Manager für Rohstoffe überwiesen haben. Das Zitat stammt von Sebastian Klein, dem Sprecher der Geschäftsführung der Cominvest (siehe auch Seite 25): Er sieht in Rohstoffen auch die Zukunft für sein Haus. Und da die Cominvest nach vier Jahren mit Nettoabflüssen kräftig Volumen einsammeln muss, darf man dem ehemaligen McKinsey-Mann Klein wohl glauben, dass in Orangensaft, Weizen, Öl und Gas viel Absatzmusik steckt.

Doch vor einer Investition in Rohstoffe steckt viel Arbeit, wie in München bereits Anfang 2006 klar wurde: Damals sollten alpha portfolio advisors, die Berater um Kleeberg & Co., für die Bayerische Versorgungskammer eine Studie anfertigen, ob, wie und wann am besten investiert wird. Aus den für die Studie veranschlagten drei Tagen wurden aber deutlich mehr.

Wieso? Das legt dpn auf den folgenden Seiten dar; die Darreichungsform: zehn Fragen und Antworten rund um das Rohstoff-Projekt der Bayern.




1. Wieso überhaupt Rohstoffe ?


Primär, um das Risiko des Gesamtportfolios zu senken. Denn als allgemein anerkannt gelte, dass Rohstoffe fast keinen Gleichlauf mit Aktien und Renten entwickeln und sich auch als „natürlicher Hedge gegen Inflation“ eignen, sagt Hubert Dichtl von alpha portfolio advisors, der die erwähnte Studie für die BVK verfasste.

Der Leiter des Teams für Alternative Investments bei der BVK, Anselm Wagner, hält ein Rohstoff-Portfolio für sich schon für einen Segen des Risikomanagements: „Durch geschickte Streuung kann man bereits viele Schwankungen und absolutes Verlustpotenzial eindämmen; denn die Vergangenheit zeigt: In keiner Marktphase sind alle Rohstoff-Segmente parallel gelaufen.“ Ergänzt um Stop-Loss-Marken und Höchst-Limite beim Forward- oder Futures-Kauf, könne das Risikomanagement noch erweitert werden. Die weiteren Argumente sind nachgewiesene Ineffizienzen und damit Potenzial für aktives Management, die fundamental steigende Rohstoff-Nachfrage in China und Indien sowie eine weitere Ertragsquelle: die Rollerträge bei solchen Rohstoff-Futures, die in Backwardation notieren.




Die Akte „Contango/Backwardation“!

                 
Diese Akte ist schnell abgehakt: Wer in Futures investiert, und das machen die Long-Only-Verwalter der BVK, muss den Future vor Fälligkeit glattstellen, um einen Rohstoff nicht physisch geliefert zu bekommen. Kauft der Verwalter direkt im Anschluss einen später fälligen Future auf diesen Rohstoff, wird der Future „gerollt“. Ist der neue Future günstiger als der verkaufte, ist der Future „in Backwardation“, und der Verwalter verbucht einen Ertrag. Ist der neue Future teurer als der verkaufte, ist der Future „in Contango“, und der Verwalter verbucht einen Rollverlust. Öl beispielsweise war in jüngerer Vergangenheit überwiegend in Contango; der Markt erwartet also, dass der Preis für Öl steigt.

Fazit: Obwohl sich der aktuelle Preis eines Rohstoffs eventuell gar nicht bewegt, gibt es eine Chance auf Erträge.




2. Wieso jetzt erst ?


In Rohstoffe investiert die BVK nicht erst seit gestern. Die Entscheidung dafür fiel Anfang 2006, nach der Asset-Liability-Studie Ende 2005. Weil wichtige Rohstoffe bereits gut gelaufen waren, entschied man sich aber dafür, zunächst marktneutrale Rohstoff-Dach-Hedgefonds auszuwählen und erst später – im ersten Halbjahr dieses Jahres – auch die Long-Only-Manager.
Timing war damit der Grund, weshalb die BVK gewissermaßen den zweiten Schritt vor dem ersten machte: Die aktiven Long-Only-Manager sollen nämlich das Kern-Investment sein, nicht die Dach-Hedgefonds – schließlich partizipiert man nur über Long-Only-Investments von steigenden Rohstoffpreisen und vom Inflationsschutz (siehe Wieso überhaupt Rohstoffe?).




3. Wieso zählt die BVK Long-Only-Manager zur Hedgefonds-Quote ?


Weil sich die BVK, die sich trotz eigener Länderaufsicht dennoch am Versicherungsaufsichtsgesetz und an den Anlagerichtlinien der Bafin orientiert, für sehr aktive Rohstoffmanager mit hohen Freiheitsgraden entschieden hat; diese Manager können also unter anderem moderat Fremdkapital aufnehmen sowie Papiere auch leer verkaufen – und müssen daher in die Hedgefonds-Quote mit aufgenommen werden. Zudem sieht die BVK Rohstoffe als eine Asset-Klasse, deshalb zählen sowohl die 2006 ausgesuchten zwei Dach-Hedgefonds als auch die Anfang Oktober dieses Jahres mandatierten drei Long-Only-Manager zum Masterfonds „Hedgefonds“, der wie auch der Masterfonds „Private Equity“ in einem Luxemburger Spezialfonds (FCP) administriert wird. Insgesamt machen Hedgefonds vier Prozent der Kapitalanlage aus (strategisches Dreijahresziel: sechs Prozent).




Die Akte „Rohstoff-Gewichtung“!


Die fünf Rohstoff-Fonds sollen strategisch zwei Prozent der Gesamtanlage ausmachen – sie sind Satelliten. Wieso? Zum Beispiel, weil gerade der Zugang zu Rohstoff-Dach-Hedgefonds nicht einfach ist, selbst für die BVK nicht. Außerdem gibt es unter den Long-Only-Rohstoff-Verwaltern nicht so viele passende Produkte, zumal der Zugang zu vielen wegen der Kapazitätsengpässe (vorübergehend) beschränkt ist. Die bereits im Jahr 2005 ausgewählten Multi-Strategy-Dach-Hedgefonds sind risikoärmer und höher gewichtet – sie sind das Core-Investment der Münchner.




4. Wieso nur aktiv Long-Only, nicht passiv ?

Die intuitive Antwort: Wer nur passiv oder „enhanced“ investiert, der lässt zahlreiche Alpha-Quellen an sich vorbeisprudeln – gerade weil manche Rohstoffmärkte als recht gut prognostizierbar gelten und weil beispielsweise die fixe Indexgewichtung auch keine Möglichkeit lässt, durch geschicktes Investieren hohe Rollerträge zu vereinnahmen. Im Gegenteil: Der Passive ist der Dumme, könnte man sagen. Denn wie sich der Index zusammensetzt, und wann welcher Future gerollt wird, das ist transparent – und schon reiben sich die Front Runner, meistens aktive Commodity Trader, ganz legal ihre Hände.

Fazit: Das Indexkorsett kann also nicht wirklich gefallen. Zudem: „Passiv zu investieren, bringt den Anleger nicht weiter“, sagt Dichtl, „denn so hat er keinen Schutz vor Kursrückschlägen und keine Möglichkeit, einzelne Rohstoffe zu reduzieren oder aufzulösen, zum Beispiel mittels Stopp-Loss-Marken.“

Abbildung 1: Aktives Management zahlte sich 2006 aus; die Abbildung zeigt die fünf separaten Rohstoff-Engagements der BVK gegenüber dem Goldman Sachs Commodity Index (GSCI) und dem Dow Jones AIG Commodity Index (DJ AIG); Quelle: BVK.


Rohstoffreicher Arabellapark/ 2

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