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Zu viel Feilschen treibt den Preis

Veröffentlicht am:  04. September 2007

Weshalb ist die deutsche Assekuranz so fleißig, viel fleißiger als ihre Pendants in Europa, wenn es um die Teilnahme an den Solvency II-Tests geht? Immerhin verweist der GDV genau darauf auch anlässlich der Ergebnisse des jüngsten Tests, der mittlerweile dritten quantitativen Auswirkungsstudie zu Solvency II (auch „QIS3“ genannt).

Und wie schon nach den früheren Tests postuliert die Interessenvertretung nimmermüde, wie gut die deutschen Versicherer für die neue Welt gewappnet seien.

Doch wie gut sind sie wirklich gewappnet? Diese Frage kann noch niemand beantworten, schließlich wird um die Regeln noch gefeilscht. Klar ist aber, dass man sich und seinen Mitgliedsunternehmen nicht die Butter vom Brot nehmen lassen will: In Deutschland gibt es viele Versicherer, auch viele kleine und mittelgroße, und damit auch viele Jobs – beides soll in den Solvency II-Mühlen nicht zermahlen werden. Und wer wie der GDV das Heft in die Hand und Einfluss nimmt, kann trefflich feilschen: Darüber, in welchem Ausmaß was als Eigenmittel anerkannt wird und wie stark die neuen Regeln gerade für kleine und mittlere Versicherer abgespeckt und verträglich werden.

Keine Frage, der GDV macht seinen Job bisher exzellent. Bleibt die Frage, ob man sich damit wirklich nur Gutes tut – schließlich stecken in Solvency II und in (der Furcht vor) einer Konsolidierung nicht nur Risiken, sondern auch Chancen, zumal Deutschland nicht nur „overbanked“, sondern auch „overinsured“ ist.

Zu den Chancen eines unaufgeweichten Solvency II-Regimes gehört, dass Versicherer mit dem Thema Outsourcing zwangsbeglückt werden könnten – ähnlich wie die deutschen Kapitalanlagegesellschaften mit der Derivateverordnung. Deren Wissen über Risikomanagement hat das wahrlich nicht geschadet.

Wer jedoch die Beratungsresistenz in der Assekuranz kennt, der weiß auch, wie sehr hier die Nasen hoch hängen und über Outsourcing gerümpft werden. Dabei gibt es längst handfeste Gründe dafür, auch ohne Solvency II, gerade für die kleinen und mittleren Versicherer. Man werfe nur einen Blick auf die Mannstärken, die für die so wichtige und ureigene Aufgabe Kapitalanlage abgestellt ist: Da kann einem schon der Schauer über den Rücken laufen – gerade wenn man weiß, wie dominant Marktänderungsrisiken bei Kranken- und Lebensversicherern sind.

Den Preis für einen zweiten Fall Mannheimer Leben sollte sich Deutschland wirklich nicht leisten wollen. Und deshalb gilt, anders als im Bazar: Zu viel Feilschen könnte noch richtig teuer kommen.

Maik Rodewald, Chefredakteur

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