Nach dem Beben ist vor dem Beben
Veröffentlicht am: 04. September 2007
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Dr. Hartmut Leser, Aberdeen Asset Management,
Geschäftsführer
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Nein, es ist nicht vorbei. Es geht erst richtig los. Die Rede ist von den Beben auf den US-Hypotheken- und -Immobilienmärkten und den dadurch ausgesandten Schockwellen auf benachbarte und artverwandte Sektoren.
„Wir rechnen damit, dass der Großteil der problematischen variabel verzinslichen Subprime-Mortgages erst im vierten Quartal dieses Jahres und im ersten Quartal des nächsten Jahres seinen Refinanzierungszeitpunkt erreichen wird und von dort an deutlich höhere variable Zinsen gezahlt werden müssen“, sagt etwa Rainer Gogel, Leiter Fondsmanagement Renten/Credit bei Frankfurt-Trust, und verweist darauf, dass dies auch Einfluss auf die durch die Subprime-Mortgages besicherten Collateralized Debt Obligations (CDOs) haben dürfte und für die nächsten Monaten nichts Gutes für diese erwarten lasse.
Insgesamt gehen Experten dabei von einem Gesamtvolumen von rund 800 Milliarden Dollar aus, bei denen der Großteil der Zinsanpassungen in den nächsten sechs Monaten ansteht, erst danach dürfte eine gewisse Entspannung eintreten.
Großteil der Zinsanpassungen steht noch bevor
Das Hauptübel hierbei: die Konstruktion der ausgewählten Hypotheken. Beliebt war beispielsweise die Inanspruchnahme der sogenannten 2/28 Adjustable Rate Mortgages (ARMs). Diese sind derart ausgestaltet, dass in den ersten zwei Jahren ein künstlich niedrig gehaltener Zinssatz gezahlt wird, der danach auf einen höheren, flexiblen und dann vorherrschenden Libor-Satz wechselt. Und genau hier liegt der Knackpunkt: Denn beispielsweise lag die Federal Funds Rate, nach der sich auch die variablen Hypothekenzinsen richten, Mitte 2004 bei noch einem Prozent, heute hingegen bei über fünf Prozent.
„Die Frage ist eben, mit welcher Intensität dies alles auch auf andere Asset-Klassen überschwappt“, sagt Christian Aufsatz, Vice President und Senior Analyst bei Moody´s Deutschland.
Vorsicht: Ansteckungsgefahr
Eine Aussage, die die Vermutung zulässt, dass sich nicht nur die direkt betroffenen Immobilienmärkte für eine längere Zeit weiter in unruhigem Wasser befinden dürften. „Einiges deutet darauf hin, dass die Hypothekenkrise langfristig keine allzu negativen Folgen haben wird. Problematisch würde es erst, wenn etwa die Kreditvergabe stark eingeengt oder eingestellt wird oder es zu größeren Zwischenfällen in anderen Asset-Klassen und hier insbesondere zu größeren Ausfällen bei Private-Equity-Anlagen oder Hedgefonds kommt“, sagt Dr. Stephan Kock, Partner und Leiter International Finance bei Ashurst, der sich gleichzeitig weiter positiv zu ausgewählten Immobilien-Engagements äußert. „Warum sollte etwas dagegensprechen, weiter gute Kreditforderungen aus dem Immobilienbereich zu kaufen? Auch wenn US-Hausbesitzer derzeit Probleme haben, heißt das nicht zwangsläufig, dass gut strukturierte Immobilien-Finanzierungen, beispielsweise von Frankfurter Hochhäusern oder einem Portfolio internationaler Hotels, nun plötzlich als schlecht einzustufen sind. Das sind nach wie vor gute Darlehensforderungen“, erklärt er weiter. Gleichwohl, der Optimismus überwiegt nicht bei allen.
Die Zinsen sind schuld
„Das Übel liegt in der Höhe des Zinsniveaus. Ein Zinsniveau, welches seit Jahren unter dem Gleichgewichtszinsniveau liegt, hat Marktteilnehmer schon immer verführt, einen zu hohen Leverage aufzubauen“, sagt etwa Dr. Hartmut Leser, Geschäftsführer bei Aberdeen Asset Management, und verweist darauf, dass die Gefahren eines zu hohen Leverages auch andere Bereiche hätte treffen können oder auch noch treffen kann. Für ihn besonders bedroht: strukturierte Produkte sowie Private-Equity-Investitionen und Hedgefonds. „Der Leverage baut sich gerade ab. Die Gefahr ist jedoch noch nicht vorbei und kann immer noch überschwappen“, erklärt er weiter und richtet den Blick auf die nächsten sechs Monate. Denn erst dann würde die Analyse der Konjunkturdaten ergeben, „ob wir Glück gehabt haben, oder in eine Rezession schlittern“.
Eine Kerbe, in die auch, wenngleich bei der Zinsbetrachtung mit umgekehrten Vorzeichen, Dr. Jens Ehrhardt, Geschäftsführer der Dr. Jens Ehrhardt Kapital AG, schlägt. „Die Gefahr, dass sich noch etwas Schlimmeres entwickelt, ist sicher vorhanden. Denn die US-Zinsen sind für die wacklige amerikanische Verschuldungssituation zu hoch. Deswegen hätte der Chef der US-Notenbank die Zinsen auch schon gegen Ende des vergangenen Jahres senken sollen. Dann wäre dieser Kelch an uns vorübergegangen“, sagt er und verweist wie Leser auf die Gefahr von zu hohen Leverage-Finanzierungen. „Beispielsweise sind Conduit- oder Zinsdifferenzfonds, die die Banken aufgelegt haben, selber managen und die weltweit rund 1,3 Billionen US-Dollar verwalten, meines Erachtens noch gefährlicher als Hedgefonds. Denn sie versuchen, die Zinsdifferenzen mit einem Faktor von bis zu 70 auch noch zu hebeln. Davon geht eine enorme Gefahr aus, die viele bisher unterschätzen.“
ML
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